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Donnerstag, 29 Juli 2021 13:42

Schleswig-Holstein: Zuschlag Akkunetze für NBE und OHE rechtskräftig

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Foto Stadler.

Bedeutender Schritt im Vergabeverfahren im künftigen Akkunetz in Schleswig-Holstein: Nach einer Entscheidung des OLG Schleswig konnten Land und NAH.SH GmbH den Zuschlag für den Betrieb in zwei der drei Teilnetze erteilen. Die Osthannoversche Eisenbahnen Aktiengesellschaft (OHE) und die NBE nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG betreiben künftig einen Großteil der Akkuzüge in Schleswig-Holstein. Der Zuschlag für den Betreiber im Los Nord steht bis zur Entscheidung des OLG Schleswig noch aus.

Die Osthannoversche Eisenbahnen Aktiengesellschaft (OHE) übernimmt damit ab Dezember 2022 den Betrieb im Los Ost. Es beinhaltet die Strecken RE 83/84 Kiel – Lübeck, RB 89 Lübeck – Lüneburg, RB 87 Kiel – Preetz und RB 76 Kiel – Schönberger Strand. Die OHE löst DB Regio als bisherige Betreiberin ab. Die OHE gehört zum NETINERA-Konzern, der im benachbarten Niedersachsen mit den Unternehmen erixx GmbH und metronom Eisenbahngesellschaft mbH bereits ein bedeutender langjähriger SPNV-Betreiber ist. Wegen des Streckenabschnitts zwischen Lauenburg und Lüneburg ist die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) am Verfahren beteiligt.

Im Los Ost-West bleibt die NBE nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG beim Fahrplanwechsel im Dezember 2023 die Betreiberin und erbringt ihre heutigen Leistungen damit unverändert weiter. Das Los Ost-West umfasst die Linien RB 63 Büsum – Heide – Neumünster und RB 82 Neumünster – Bad Oldesloe. Die neuen Verträge mit den Betreibern sollen bis zum Dezember 2035 laufen.

Im Mai 2020 hatte die NAH.SH GmbH die Ausschreibung im Auftrag des Landes und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) gestartet. Das Akkunetz umfasst insgesamt 10,4 Millionen Zug-Kilometer und elf Bahnlinien in drei verschiedenen Losen. Im Januar hatten fünf Bieter insgesamt zwölf Angebote für die unterschiedlichen Lose abgegeben.

Der Hintergrund zum Vergabeverfahren

Vor dreieinhalb Jahren hat das Land Schleswig-Holstein das Vergabeverfahren „SH-XMU“ mit dem Ziel gestartet, möglichst emissionsfreie Fahrzeuge für den Schienenverkehr zu beschaffen und gleichzeitig die Wettbewerbssituation bei Fahrzeugen und Verkehrsleistung zu verbessern. Das Verfahren gliedert sich in vier Vergaben:

In der Vergabe SH-XMU I war die Stadler Pankow GmbH am 1. Juli 2019 als Entwickler, Hersteller und Lieferant der 55 Züge ausgewählt worden. Stadler wird außerdem für 30 Jahre für die Instandsetzung der Züge verantwortlich sein. Die Fahrzeuge für den Betrieb werden den künftigen Verkehrsunternehmen damit gestellt. Die Instandhaltung übernimmt Stadler mit einem neuen Instandhaltungswerk, das in Rendsburg gebaut wird. Mit der Umstellung der Verkehrsverträge auf das Bruttoprinzip geben die Verkehrsunternehmen außerdem erstmalig die Erlösverantwortung an das Land ab. Die neuen Betreiber sind dabei auch vertraglich verpflichtet, das Personal der bisherigen Betreiber zu den bisherigen Konditionen zu übernehmen.

Das Land hat nach erfolgreicher zweiter Ausschreibung (Vergabe SH-XMU II) die Paribus Holding GmbH & Co KG beauftragt, die Züge zu kaufen und anschließend für 30 Jahre an die vom Land auszuwählenden Eisenbahnverkehrsunternehmen zu vermieten. Das Hamburger Unternehmen wird damit die erste große Beschaffung von Batterietriebzügen in Deutschland und wohl auch in Europa seit mehr als 50 Jahren finanzieren. Dazu nimmt Paribus eine vom Land gewährte Kapitaldienstgarantie in Anspruch und kann so eine günstige Finanzierung sicherstellen. Paribus wird zusätzlich die Bauphase technisch begleiten.

Um eventuellen Anfangsschwierigkeiten bei der neuen Antriebstechnologie zu begegnen und eine reibungslose Einführung der neuen Akkutriebzüge zu erleichtern, soll der Fahrzeughersteller Stadler ab November 2022 zunächst eine Vorserie von fünf Triebzügen ausliefern. Die restlichen Triebzüge sollen dann ab Mai 2023 bis Mitte 2024 sukzessive in Betrieb genommen werden.

Für die Übergangszeit von Dezember 2022 bis Dezember 2024 hat das Land nach einer weiteren Teil-Ausschreibung (Vergabe SH-XMU III) DB Regio beauftragt, eine Transferflotte bereitzustellen. Diese umfasst 22 Dieseltriebzüge des Typs Coradia Lint 41 von Alstom für den Betrieb und bis zu vier weitere als Werkstattreserve. Die Fahrzeuge, die bereits heute in den Netzen Ost und Nord eingesetzt werden, sollen in Kiel instandgehalten werden.

Pressemeldung NAH.SH

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