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Mittwoch, 15 September 2021 10:23

Bayern: Wahlkampfgetöse mit MP Söder und Ministerin Schreyer in Buchloe

Am 13.09. fuhren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer mit dem Wasserstoff-Zug iLint der Firma Alstom von Kaufbeuren nach Buchloe und gaben im Anschluss eine Pressekonferenz. Doch anstatt die seit Jahrzehnten bestehenden Hindernisse der Verkehrswende aus dem Weg zu räumen, lässt man sich lieber kurz vor der Bundestagswahl vor einem Zug fotografieren, der allenfalls auf wenigen Nebenstrecken zum Einsatz kommen wird.

Zur Umsetzung der Dekarbonisierung im Verkehr gibt es auch bei der Bahn unterschiedliche Lösungen. Als eines der Schlusslichter bei den Streckenelektrifizierungen in Europa steht Bayern dabei vor einer großen Herausforderung. Ein Ansatz, um die Diesel-Züge zu ersetzen, ist der Betrieb mit Wasserstoff, hier das von Alstom entwickelte Fahrzeug iLint. So großartig diese Lösung auch erscheint, die Realität ist komplexer.
Timm Kretschmar, Mitglied im bayerischen Landesvorstand von PRO BAHN erklärt: „Jeder halbwegs mit dem Thema befassten Person ist klar, dass der Wasserstoffantrieb im Bahnverkehr maximal für den Einsatz auf wenigen entlegenen Nebenstrecken geeignet ist. Weder können die Züge die erforderliche Leistung auf Hauptstrecken abrufen, noch sind sie im Ansatz wirtschaftlich gegenüber den beiden verfügbaren Alternativen Elektrifizierung und Akkutriebwagen und deren Kombination."

Es ist zwar nicht auszuschließen, dass sich durch weitere technologische Fortschritte die Rahmenbedingungen ändern. Für die hier getestete Strecke wird ein Wasserstoff-Zug jedoch nie die wirtschaftlichste Lösung sein und nie dauerhaft planmäßig im Einsatz sein. Umso verwerflicher, dass die Politik genau das Gegenteil suggeriert.

Für die Strecke von Lindau über Hergatz, Immenstadt, Kempten und Buchloe nach Augsburg kommt mittel- bis langfristig nur die Elektrifizierung in Betracht. Wasserstoff ist maximal als kurze Übergangslösung denkbar. Sollte das Tempo bei den Elektrifizierungen so langsam bleiben wie bisher, wird man sich tatsächlich bald mit alternativen Antrieben auf Strecken herumschlagen müssen, die vergleichsweise ineffizient sind. Zu erwähnen wäre hier auch die Strecke Nürnberg – Marktredwitz – Schirnding Grenze/Hof, deren Elektrifizierung seit Jahrzehnten verschleppt wird. Hauptgrund für die ständigen Verzögerungen ist politischer Unwille – jetzt prüft das CSU-geführte BMVI unnötigerweise erneut die Wirtschaftlichkeit.

Was ist also von der Veranstaltung zu halten? Dr. Lukas Iffländer, stellvertretender bayerischer Landesvorsitzender von PRO BAHN meint: „Dass zur Testfahrt ausschließlich Presse eingeladen war zeigt, dass es bei der Aktion nur um PR im Wahlkampf und nicht um den Einstieg in eine echte Verkehrswende mit spürbarem Nutzen für die Fahrgäste geht. Wir messen die Politik an Taten, nicht an schönen Bildern! Und leider ist das in Bayern nicht sonderlich überzeugend.“

Kretschmar ergänzt: „Uns wundert, dass die CSU dieses Thema ausgerechnet jetzt für sich entdeckt. Man hätte längst eine Strategie zur Dekarbonisierung des Schienenverkehrs ausarbeiten können. Sich jetzt aus heiterem Himmel vor einem Wasserstoff-Zug fotografieren zu lassen, ist nicht sonderlich glaubwürdig.“

Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert von Bund und Land in einem ersten Schritt die Elektrifizierung aller Hauptstrecken und sonstigen Strecken, auf denen mindestens zwei Züge pro Stunde verkehren. Nur so wird die von der Staatsregierung ständig geforderte Wirtschaftlichkeit erreicht.

Pressemeldung Pro Bahn

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