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Donnerstag, 16 September 2021 16:43

Baden-Württemberg: Erster Güterzug seit 19 Jahren in Pfullendorf

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Fotos Bernd Mathieu.

19 Jahre nach der Einstellung des Güterverkehrs nach Pfullendorf ist am Donnerstag, 16.09.2021, wieder ein Güterzug in das oberschwäbische Mittelzentrum gefahren: Angeliefert wurden 200 Tonnen Schnittholz mit vier Waggon. Mit diesem denkwürdigen Ereignis wurde zum ersten Mal seit der Stilllegung 2002 das Containerterminal Pfullendorf wieder genutzt. Die kommunalen Betreiber der Regionalen Öffentlichen Bahn der Stadt Pfullendorf haben dieses reaktiviert und hoffen auf weitere Güterzüge.

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Bernd Mathieu, Wirtschaftsförderer Stadt Pfullendorf, freut sich: „Erstmals seit 2002 fährt wieder ein Güterzug nach Pfullendorf. Dies ist ein großer Schritt für unsere kommunale Bahnstrecke, für den Wirtschaftsstandort Pfullendorf und das Gewerbegebiet Hesselbühl.“

Die Fracht des ersten Zuges kam aus dem österreichischen Retz über Ulm nach Pfullendorf. Bis Ulm liefen die vier Eisenbahnwagen im sogenannten Einzelwagenverkehr von DB Cargo. In Ulm werden die Wagen von der BKE Eisenbahn-Service übernommen, und durch das Eisenbahnverkehrsunternehmen UTL aus Singen weiterbefördert. In dieser Kooperation zwischen den Firmen BKE und UTL sind in den letzten Jahren bereits einige Transporte von der Straße auf die Schiene verlagert und damit ein Beitrag für aktiven Umweltschutz geleistet worden.

Bernhard Kuhn als Geschäftsführer der BKE erklärt: „Wir hoffen, dass mit diesem Versuchszug weitere Interessenten aus Oberschwaben für den Güterverkehr interessiert werden können und wir damit den Güterzug besser auslasten und wirtschaftlicher machen können. Unser Ziel ist, nach diesen versuchsweisen Verkehren nach und nach einen regelmäßigen Güterverkehr von Ulm kommend über die Pfullendorfer Bahn aufbauen zu können. Für die Startphase suchen wir dabei auch noch nach Fördermöglichkeiten der öffentlichen Hand.“

Frank von Meißner, Eisenbahnbetriebsleiter der Bahnstrecke Altshausen – Pfullendorf, erläutert: „Mit unserer kommunalen Bahn leisten wir aktiv etwas für den Umweltschutz und gegen den Klimawandel. Der Gütertransport der vier Schnittholz Wagen spart auf dem Laufweg vom östlichen Österreich bis nach Pfullendorf gegenüber der Straße rund 8 Tonnen CO2 ein. Damit schützen wir nicht nur das Klima, sondern entlasten zugleich die Straßen vom LKW-Verkehr und tun damit etwas für die Lebensqualität. Zusammen mit dem Ausflugs-SPNV ergibt die kommunale Bahnstrecke viel Sinn.“

Die kommunalen Bahnbetreiber freuen sich, dass sich mit dem Versuchszug die Vorarbeiten ausgezahlt haben, die Gleise in das Pfullendorfer Containerterminal wieder befahrbar zu machen: „Die Infrastruktur des reaktivierten „RailPorts“ in Pfullendorf bietet vielfältige Umschlagmöglichkeiten für Güter aller Art, ob Holz, Schüttgüter oder sogar Container und sonstige Wechselbehälter“, so Marc Rückerl vom Unternehmen Holzwerke Rückerl GmbH, der das Grundstück des Railports gehört. Container können über Seitenentladung mittels mobiler Kranfahrzeuge – sog. Reach Stacker – vom Zug auf die Straße und umgekehrt umgeschlagen werden.

„Die Pfullendorfer Eisenbahn hält aber auch vielfältige weitere Verlademöglichkeiten an inzwischen vier Orten entlang der Strecke bereit: in Altshausen, Ostrach, Burgweiler und nun eben auch in Pfullendorf. Insbesondere in Altshausen erfreuen wir uns bereits jetzt großer Nachfrage – dort werden inzwischen monatlich zwei bis drei schwere Rundholzzüge umgeschlagen, von wo das Rohholz dann in Sägewerke in der Region uns bis ins Allgäu weiter transportiert wird“, so Alexander Bückle, von der UTL GmbH, die als Eisenbahnverkehrsunternehmen für die Durchführung der Güterzugfahrten auf der Strecke verantwortlich ist, abschließend.

Zum Hintergrund zur Bahn

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Grafik Openrailwaysmap/Frank von Meißner.

Die oberschwäbische Nebenstrecke von Pfullendorf über Ostrach nach Altshausen war 2004 von der DB stillgelegt worden. 2009 reaktivierten die drei Anliegerkommunen diese 27 km lange Bahnstrecke und betreiben sie seither als kommunales Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen. Seit 2011 fahren dort von Mai bis Mitte Oktober Freizeitzüge, die sich inzwischen unter dem Namen „Räuberbahn“ zu einer festen Größe im Freizeitbereich entwickelt haben. Aktuelle Infos zum Freizeitverkehr unter www.raeuberbahn.de.

Auch Güterzüge rollen auf der Strecke sehr regelmäßig: vor allem Holz, aber auch u.a. Kunstdünger. Der Frachtverkehr soll weiter intensiviert werden. Finanziell unterstützt werden die Kommunen durch Zuschüsse des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg.

Pressemeldung Stadt Pullendorf, BKE Eisenbahn Service, UTL Bahnllogistik

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