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Mittwoch, 22 September 2021 10:30

Berlin/Brandenburg: PRO BAHN warnt vor der Nutzung des VBB-Flex-Tickets

Der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) will ab 1.Januar 2022 für den Tarifereich Berlin AB ein Ticket anbieten, das acht 24-Stunden-Karten umfasst, die innerhalb eines Monats abgerufen werden können. Der Preis dieses Angebots soll 44 Euro betragen. Mit dem Angebot sollen vor allem Gelegenheits-Fahrgäste und Pendlerinnen und Pendler angesprochen werden, die nicht täglich in die Arbeit fahren, sondern auch im Homeoffice arbeiten.

Offenkundig ist das Angebot aber mit dieser Preisgestaltung so angelegt, dass es ein Misserfolg werden muss, denn:

⦁ Eine 24-Stunden-Karte kostet mit diesem Angebot 5,50 Euro, vorausgesetzt, alle acht werden auch tatsächlich innerhalb eines Monats abgerufen. Schon bei einer Ausnutzung des Angebots nur für sieben Tageskarten sind einzeln gekaufte 24-Stunden-Karten für 6 Euro günstiger (42 Euro gesamt).

⦁ Das Angebot muss man gegenüber der Nutzung von Vier-Fahrten-Karten sogar als überteuert bezeichnen: Pendlerinnen und Pendler fahren üblicherweise zur Arbeit und zurück, also zwei Fahrten pro Tag. Das kommt an acht Tagen mit Vier-Fahrten- Karte (9,40 Euro) nur auf 37,60 Euro, also deutlich weniger (!) als das neue Angebot.

Normale Tageskarten und Vier-Fahrten-Karten sind unpersönlich und vor dem Entwerten übertragbar, das neue Angebot VBB-FlexTicket ist nur persönlich nutzbar.

Damit „rechnet“ sich das neue Angebot nur für Pendlerinnen und Pendler, die häufig mehr als zwei Fahrten täglich machen und kreuz und quer fahren, aber mindestens sechsmal im Monat. (5 x 8,80 = 44 EUR, 6 x 8,80 = 52,80)

Peter Cornelius, der Vorsitzende von PRO BAHN Berlin Brandenburg, meint dazu: „Bei dieser Preisgestaltung warnen wir als Fahrgastverband vor einer unüberlegten Nutzung des neuen Angebots, denn für die meisten Nutzerinnen und Nutzer sind die bisherigen Tarifangebote des VBB für Berlin AB insgesamt günstiger.“

Es bleibt die Frage, was der VBB mit dem neuen Angebot bezweckt.

Will man Fahrgästen mit Rechenschwäche überteuerte Fahrkarten andrehen, oder ahnt man, dass die Fahrgäste rechnen können, und will nachweisen, dass es keinen Bedarf für ein neues Angebot gibt?

Im Tarifgebiet Frankfurt (Oder) AB soll ab Januar 2022 als „VBB-Abo flex“ ein anderes Modell als „Homeoffice-Angebot“ erprobt werden: Dabei muss ein Grundpreis von 4,90 Euro pro Monat bezahlt werden, um Einzel- und Tageskarten zum ermäßigten Tarif (25% Rabal) erwerben zu können. Es handelt sich um eine Art BahnCard 25 nur für Frankfurt (Oder), wobei der Preis dafür recht hoch ist: Eine BahnCard 25 der DB für das gesamte Bundesgebiet kostet genauso viel, für Senioren und Jugendliche sogar weniger.

Das „VBB-Abo flex“ ist außerdem etwas, das alle Brandenburger außerhalb der ABC-Bereiche bzw. der Stadtlinienverkehre längst haben: mit der BahnCard: VBB-Einzelkarten-Nutzer können schon immer mit BahnCard Ermäßigungstarife nutzen.

Was genau als Ergebnis dieser Erprobung in Frankfurt (Oder) herauskommen soll, bleibt unklar, denn es wird dort etwas erprobt, was zwei Drittel der Brandenburger mit der BahnCard längst nutzen können.

Pressemeldung Pro Bahn Berlin-Brandenburg

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Letzte Änderung am Donnerstag, 23 September 2021 09:31