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Donnerstag, 23 September 2021 14:47

Baden-Württemberg: Connecting Europe Express oder Disconnecting Stuttgart from Europe

Am Tag nach der Bundestagswahl, am Montag, 27.09., gegen 12 Uhr, legt der Sonderzug „Connecting Europe Express“ der Europäischen Union im Stuttgarter Hauptbahnhof einen Zwischenhalt auf der Fahrt in die Schweiz ein. „Die EU setzt sich für eine Verknüpfung der Eisenbahnnetze und eine grenzüberschreitende Verbindung der großen Städte per Eisenbahn ein“, begrüßt Matthias Lieb, Landesvorsitzender des ökologischen Verkehrsclubs VCD, die EU-Initiative.

Problematisch sei allerdings die Position der Stadt Stuttgart. „Die Landeshauptstadt betreibt mit der geplanten Unterbrechung der internationalen Verbindung in die Schweiz und weiter nach Italien das Gegenteil der EU-Initiative – sozusagen Disconnecting Stuttgart from Europe“, beklagt Matthias Lieb und fordert die Stadt Stuttgart zum Erhalt der Direktverbindung nach Zürich vom Hauptbahnhof auf.

Doch im Bundestagswahlkampf spiele das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ keine Rolle, stellt der VCD fest. Das verwundert den ökologischen Verkehrsclub, stehen doch in den nächsten Monaten wichtige Entscheidungen des Bundes für die Eisenbahninfrastruktur rund um Stuttgart an: Die Stadt Stuttgart möchte 2025 die Eisenbahnverbindung der Gäubahn von Stuttgart Hbf zu den Landkreisen Böblingen, Freudenstadt, Rottweil, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und Konstanz unterbrechen und den Fahrgästen komplizierte und unattraktive Umstiege in Stuttgart-Vaihingen oder am Nordbahnhof zumuten, beklagt der VCD. Ob, wann und wie eine alternative Eisenbahnverbindung durch den Bund vom Stuttgarter Hauptbahnhof Richtung Süden realisiert werden solle, sei derzeit völlig unklar – es gäbe nur Versprechungen ohne klare Finanzierungs- und Realisierungsperspektive für die Gäubahn, kritisiert der VCD.

„Eine rasche Klärung der Gäubahnanbindung an den Stuttgarter Hauptbahnhof durch eine neue Bundesregierung ist notwendig – sonst droht eine Unterbrechung für 15 bis 20 Jahre“, erklärt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb: „Zwar ist der Gäubahntunnel ebenso wie der Nordtunnel bei Zuffenhausen Bestandteil des neuen Bundesverkehrswegeplans, doch bislang ohne zeitliche Perspektive“. Insgesamt seien im Bundesverkehrswegeplan inzwischen Schienenprojekte für rund 100 Mrd. € aufgeführt – bei jährlich nur rund 2 Mrd. € Bundesmitteln würde die Realisierung 50 Jahre dauern, rechnet Lieb vor. Dass die Bundesmittel bevorzugt für die Region Stuttgart verwendet werden, sei dabei nicht offensichtlich, stellt der VCD fest. „Für einen Gäubahntunnel müssen alle Projektpartner den Stuttgart-21-Vertrag neu verhandeln – dazu muss die neue Bundesregierung eine verbindliche Realisierungsperspektive abgeben – sonst droht eine jahrzehntelange Unterbrechung“, fordert VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb. Dabei sei aus VCD-Sicht die beste Form der Gäubahnanbindung noch auszudiskutieren – statt vieler langer Tunnel müssten auch andere Varianten betrachtet werden, fordert der VCD.

Es sei auch die politisch gewollte Verdoppelung der Fahrgastzahlen zu berücksichtigen, so der VCD. Dabei werde rasch klar, dass neben dem im Bau befindlichen Bahnhof mit nur acht Bahnsteiggleisen ergänzende Bahnsteiggleise notwendig werden.

Pressemeldung Verkehrsclub Deutschland (VCD) Landesverband Baden-Württemberg e.V.

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