Diese Seite drucken
Donnerstag, 14 Oktober 2021 13:37

Baden-Württemberg: Pro Bahn schlägt Alternative zum Gäubahntunnel vor

Der unabhängige Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die Fixierung der DB und des Bundesverkehrsministeriums auf einen Gäubahntunnel zum Flughafen und schlägt eine günstigere und schnellere Variante vor, die zusätzliche Direktverbindungen ermöglicht.

Am kommenden Freitag will die Bahn die Projektpartner von Stuttgart 21 bei der Lenkungskreissitzung über eine Umplanung auf den Fildern informieren. Statt der immer noch nicht planfestgestellten Führung der Gäubahn über die Filder-S-Bahn will die Bahn nun einen direkten Tunnel zwischen Böblingen und Flughafen bauen, der dort in die neue Station an der Messe und in den Fildertunnel nach Stuttgart einmündet.

Dieser sogenannte „Gäubahntunnel“ zwischen Böblingen und Flughafen könnte zwar die Probleme des Mischverkehrs von Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr auf der S-Bahntrasse bei der bisher verfolgten Planung lösen, verursacht aber Kosten von weit über einer Milliarde Euro und unterquert das Stadtgebiet von Leinfelden, was eine längere Planungs- und Bauzeit erwarten lässt. Anstatt nun ohne öffentliche Diskussion im Handstreich eine komplett neue Planung zu beschließen, sollten auch Alternativen geprüft werden.

probahn
Grafik Pro Bahn/OpenStreetMap.

Der Regionalverband Stuttgart von Pro Bahn e.V. schlägt deshalb eine Trasse entlang der Autobahn A8 vor, die sich an der Anschlussstelle Möhringen verzweigt (siehe Zeichnung unten). Ein Ast würde im Tunnel als „Möhringer Kurve“ unter dem Körschtal hindurch bis zum im Bau befindlichen Fildertunnel auf Höhe der Landhauskreuzung führen und den Anschluss an den Tiefbahnhof in Stuttgart herstellen. Ein zweiter Ast könnte weitgehend oberirdisch entlang der Autobahn A8 verlaufen und beim Tunnelausgang des Fildertunnels am Echterdinger Ei auf die Neubaustrecke treffen, die weiter nach Wendlingen und zum neuen Bahnhof Flughafen Messe führt.

Mit dieser Lösung für die Gäubahn sind sowohl schnelle Verbindungen nach Stuttgart als auch an den Flughafen möglich. Dafür wird der Zug aus Richtung Singen/Zürich in Böblingen geteilt (Flügelzug-Konzept). Der erste Zugteil fährt ohne Halt nach Stuttgart Hauptbahnhof und der zweite Zugteil fährt wenig später über den Stuttgarter Flughafen nach Ulm oder ins Neckartal. In Gegenrichtung werden die Flügelzüge dann in Böblingen wieder vereint und fahren weiter nach Süden.

Die Vorteile dieser Variante gegenüber dem Gäubahntunnel sind die viel geringeren Kosten und eine schnellere Bauzeit, da nur ein etwa ein Viertel der Tunnellänge benötigt wird (3 km Tunnel + 4 km oberirdische Trasse an der Autobahn statt 12 km Tunnel). Die Kosten betragen deshalb nur etwa ein Drittel der Kosten des Gäubahntunnels und auch die Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner sind durch die Bündelung mit der Autobahn gering.

Die Verbindung ist durch die kürzere Streckenführung wesentlich schneller als die Variante mit Gäubahntunnel, so dass eine Fahrzeit von Böblingen nach Stuttgart von etwa 11 Minuten erzielt werden kann, was sichere Anschlüsse ins Stuttgart und auch einen Halt in Böblingen erlaubt.

Anders als beim vorgeschlagenen Gäubahntunnel bietet unsere Variante auch die Möglichkeit einer schnellen Südtangente Böblingen – Flughafen – Wendlingen/Ulm, wodurch der Knoten Stuttgart entlastet wird. So wären Verbindungen von Böblingen nach Ulm in etwa 40 Minuten oder ein Metropolexpress Böblingen – Nürtingen mit einer Fahrzeit von etwa 20 Minuten möglich. Der Nutzen und die Chancen einer Verkehrsverlagerung von den chronisch überlasteten Autobahnabschnitten in diesem Bereich auf die Schiene wären hoch.

Diese neue Verbindung löst allerdings nicht das Problem der begrenzten Aufnahmefähigkeit des Fildertunnels und des Tiefbahnhofs, weshalb die Anbindung der Gäubahn über Stuttgart-Vaihingen und die Panoramabahn an den Hauptbahnhof als zusätzliche Möglichkeit, z. B. für Pendelzüge in die Region, unbedingt erhalten bleiben muss. Dazu müssen zunächst oberirdische Gleise erhalten werden, die dann langfristig in einen Ergänzungsbahnhof eingeführt werden können.

Pressemeldung Pro Bahn

Zurück