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Mittwoch, 20 Oktober 2021 13:56

Bayern: 23 Maßnahmen des 740 Meter-Programms in Bayern

740m
Foto Deutsche Bahn AG / Jochen Schmidt.

Der Güterverkehr auf der Schiene ist am klimafreundlichsten: Im Vergleich zum LKW fällt bei einem Güterzug nur rund ein Fünftel der Treibhausgas-Emissionen pro Tonne und Kilometer an. Nicht nur deswegen ist die Verlagerung von Güterverkehr von der Straße auf die Schiene ein wichtiges gesellschaftliches Ziel in Deutschland. Um die angestrebte Verkehrsverlagerung zu schaffen, braucht es eine starke Schiene in Bayern – schon heute ist auf manchen wichtigen Bahnstrecken kaum noch Platz für zusätzliche Güterzüge.

Abhilfe schafft das sogenannte 740 Meter-Programm: Damit wollen Bund und Bahn den Einsatz von 740 Meter langen Güterzügen auf Deutschlands Bahnstrecken ermöglichen. An rund 75 Stellen im gesamten Bundesgebiet sollen dazu Überholmöglichkeiten für lange Güterzüge geschaffen werden. Auf das bayerische Schienennetz entfallen 23 Maßnahmen, die derzeit durch die Ingenieure der DB beplant werden.

740 Meter ist heute die Standard-Zuglänge für Güterzüge in Europa. Die Vorteile langer Züge liegen auf der Hand: Der Transport wird günstiger, es müssen weniger Züge verkehren, die Streckenkapazität wird somit erhöht und das Klima wird effektiver geschont. Ein einziger Güterzug mit 740 Metern Länge kann dabei rund 52 Lkw ersetzen. Schon auf einer Fahrt von Hamburg nach München verbraucht der Güterzug rund 100 Tonnen CO2 weniger als der LKW. Gleichzeitig werden die Straßen vom Schwerverkehr entlastet.

23 Maßnahmen des 740 Meter-Programms in Bayern

Rund ein Drittel der Maßnahmen des 740 Meter-Programms befinden sich in Bayern, viele davon entlang der wichtigen Hauptstrecke Würzburg–Nürnberg–Regensburg–Passau und im Großraum München. Der Umfang der Maßnahmen ist dabei sehr unterschiedlich: An einigen Stellen kann das Versetzen eines Signales um wenige Meter bereits ausreichen, um die erforderliche Länge zu erreichen. Andernorts werden Weichen verschoben, Gleise verlängert, Brücken verbreitert oder komplett neue Überholgleise gebaut. Vereinzelt kann sogar ganz ohne baulichen Eingriff die erforderliche Länge erreicht werden.

Welche Arbeiten an welcher Stelle erforderlich sind, ermitteln die Planer der DB in der sogenannten Vorplanung. Dabei werden mögliche technische Varianten erarbeitet. Je nach Umfang der Maßnahme ist anschließend teilweise noch ein Baurechtsverfahren erforderlich. Die ersten vier der 23 Maßnahmen in Bayern konnten bereits abgehakt werden, beispielsweise weil sie in parallelen Projekten realisiert wurden. Die weiteren baulichen Maßnahmen erstrecken sich über einen längeren Zeitraum, beginnend voraussichtlich ab 2023. Insgesamt werden Bund und Bahn rund 200 Mio. Euro für das Programm in Bayern investieren.

740 Meter lange Güterzüge derzeit nur begrenzt einsetzbar

Derzeit verkehren relativ wenige 740 Meter lange Güterzüge in Deutschland. Der Grund: Es gibt kaum Überholmöglichkeiten für diese Züge im deutschen Schienennetz. Denn grundsätzlich kann zwar auch ein 740 Meter langer Zug auf den Strecken fahren – er kann nur eben nicht überholt werden. Und das ist ein großes Problem, denn der Güterverkehr fährt in der Regel deutlich langsamer als die Personenzüge. Er würde so den schnelleren Personenverkehr ausbremsen und den ohnehin engen Fahrplan stören, wenn er nicht überholt werden kann. Die Folge wären Verspätungen für die Fahrgäste.

Anders als bei Straßen kann für einen Überholvorgang auf Schienen nicht so einfach die Spur gewechselt werden. Damit ein Zug überholen kann, sind jeweils zwei Weichen erforderlich – zum Verlassen des Hauptgleises und zur Rückkehr. Die Entfernung dieser beiden Weichen gibt die maximale Länge eines Zuges vor. Sind die Weichen mindestens 750 Meter voneinander entfernt, kann ein 740 Meter langer Zug darauf zur Überholung zur Seite fahren mit einem Sicherheitsabstand von je 5 Metern. Nur wenn eine Strecke eine ausreichende Anzahl an solchen Überholgleisen hat, kann sie von den langen Zügen befahren werden.

Das 740 Meter Programm

• rund 75 Maßnahmen in Deutschland
• ca. 500 Mio. € Investitionen
• Verlagerung von 1,8 Mrd. Tonnen-Kilometer vom LKW pro Jahr
• Einsparung von 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr
• 1 langer Güterzug ersetzt 52 LKW

Güterverkehr als Standortfaktor für bayerische Unternehmen

Der Güterverkehr ist ein wichtiger Standortfaktor für Bayern. Von Verbesserungen im Schienen-Güterverkehr profitieren auch viele bayerische Unternehmen, die schon heute im Gütertransport auf die klimafreundliche Schiene setzen. Auch die großen und kleinen Schienen-Logistiker in Bayern sind auf eine gut ausgebaute Infrastruktur angewiesen, beispielsweise die großen Rangier- und Umschlagbahnhöfe in München, Nürnberg, Regensburg oder Hof.

Leise Güterzüge entlasten Anwohner

Bei der nötigen Verkehrsverlagerung sollen auch Anwohner an Bahnstrecken nicht zu kurz kommen. Deshalb setzt die DB bei ihren Lärmschutzzielen gemeinsam mit dem Bund auf zwei Säulen: Verbesserten Lärmschutz vor Ort sowie die Reduzierung des Lärms direkt am Fahrzeug. Bereits heute ist die gesamte aktive Güterwagenflotte von DB Cargo mit den leisen Flüsterbremsen unterwegs. Durch neue Technologien sollen weitere Effekte erzielt werden.

Matthias Trykowski, Gesamtprojektleiter Bahnausbau Nordbayern, DB Netz: „Der Güterzug ist auf der Überholspur: Im Hinblick auf den Klimaschutz ist gerade für Waren und Güter die Schiene das Transportmittel der Zukunft! Deswegen machen wir unsere bayerischen Bahnstrecken fit für den Einsatz von 740 Meter langen Güterzügen. An 23 Stellen im Netz werden wir mit kleinen Eingriffen eine große Wirkung erzielen für den Güterverkehr und für eine starke Schiene im Freistaat.“

Pressemeldung Deutsche Bahn

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