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Montag, 31 Juli 2017 09:58

Bayern: Bahnsteige des Inselbahnhofes Lindau bleiben in der heutigen Länge

Die «Initiative Bodensee-S-Bahn», welche sich seit über 15 Jahre bemüht, dass im ganzen Bodenseeraum eine attraktive S-Bahn eingerichtet wird, ist über die Mittelung der Deutschen Bundesregierung, wonach die Gleislängen im Inselbahnhof so bleiben, wie sie heute sind und nicht verkürzt resp. verstümmelt werden, sehr erfreut.

Antwortet der Bundesregierung auf Anfrage von Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel (Grüne)


Die Bunderegierung hat am 6. Juli 2017 eine Anfrage des grünen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel zur «Situation und Perspektiven des Bahnverkehrs im östlichen Bodenseeraum» beantwortet. Darin erkundigten sich die Abgeordneten Matthias Gastel, Harald Ebner, Stephan Kühn und weitere Abgeordneter der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, ob die Bundesregierung über Kenntnisse verfüge, «wie lang die Bahnsteige in Lindau-Inselbahnhof nach dem Bahnhofsumbau sein werden, und ob die Bundesregierung diese Bahnsteiglängen auch für Sonderzüge für ausreichend dimensioniert halte». Die Bundesregierung äussert sich in der Antwort, dass «nach Kenntnis der Bundesregierung im Inselbahnhof die Zahl der Gleise reduziert wird, nicht jedoch die Länge der verbleibenden Gleise. Diese hält die Bundesregierung auch für Sonderzüge für ausreichend dimensioniert.» Über diese Nachricht ist die Initiative Bodensee-S-Bahn hoch erfreut.

Echter» Knoten» nur auf der Insel machbar

Die System-Eigenart von sog. «Knoten», bei welchen sich in einem sog. «Knotenbahnhof» alle Züge aus allen Richtung zum gleichen Zeitpunkt treffen, damit die Passagiere mit minimal kurzen Umsteigezeiten von einem Zug auf den anderen umsteigen können, ist nur dann möglich, wenn genügend Bahnsteige in genügender Länge vorhanden sind. Im Falle des östlichen Bodensees, d. h. im Raum Lindau, muss von/nach folgenden Richtungen je ein Bahnsteig vorhanden sein (das gilt sowohl für die Regio-Züge d.h. Bodensee-S-Bahnen-Linien als auch für die Interregio-Züge; auch dann, wenn die Linien untereinander durchgebunden werden):

1 von/nach Friedrichshafen – Ulm
2 von/nach Friedrichshafen – Singen – Basel
3 von/nach Wangen -Memmingen (-München)
4 von/nach Immenstadt – Kempten (-München)
5 von nach Bregenz – Feldkirch – Bludenz
6 von nach Bregenz – St. Margrethen – St. Gallen

Als Reserve-Bahnsteig für Unterhaltsarbeiten und vor allem für Sonderzüge, zB vermehrte Direktzüge aus München, Ulm, Norddeutschland an den Bodensee, benötigt es nach Ansicht der Bodensee-S-Bahn ein siebtes Gleis. Heute verfügt der Bahnhof Lindau über 7 Bahnsteige. Vom zur Verfügung stehenden Platz wären schon heute acht Bahnsteige möglich. Die Bodensee-S-Bahn ist mit einer Reduktion auf 7 Geleise jedoch einverstanden.

Historisch wertvolles Bahnhofgebäude muss Teil des Bahnhofes bleiben.

Damit das Umsteigen oder generell der Aufenthalt für die Bahnpassagiere im Inselbahnhof attraktiv bleibt, ist es unerlässlich, dass das denkmalgeschützte, sehr wertvolle Bahnhofgebäude fester Teil des Bahnhofes auf der Insel bleibt. Das heisst, dass die auch die künftige Bahnhofhalle bis zum Bahnhofgebäude reichen muss Zwischen Bahnhofhalle und Bahnhofgebäude darf es keinen nicht überdeckten Bereich geben, sonst wären die Bahnpassagiere ja bei Regen und Sturmwetter schutzlos der Witterung ausgesetzt.

Möglichst kurze Wege von der Bahn zu den Schiffsanlagestellen

Ein weiteres Argument für die Beibehaltung der heutigen Bahnsteiglängen auf der Insel ist auch, dass die Umsteigewege von der Bahn auf die Schiffe und umgekehrt möglichst kurz und damit attraktiv gehalten werden müssen. Dieses Ziel ist mit der Beibehaltung der heutigen Bahnsteiglängen – wie es die Bundesregierung will – bis zu den jetzigen Prellbücken ideal erreichbar. Sowohl die Bahn als auch die Schifffahrt sind für den Tourismus auf der Lindauer Insel von zentraler Bedeutung. Ohne Not sind diese nicht auseinander zu dividieren.

Inselbahnhof muss Gefühl des Willkommens ausstrahlen

Es ist ja kein Geheimnis, dass der heutige Inselbahnhof bei den Bahnpassagieren nicht unbedingt ein Hochgefühl auslöst. Man hat nicht das Gefühl, die Bahnbetreiber seien, daran interessiert, möglichst viele Bahnpassagiere zu haben.

Flughäfen als anzustrebender Zustand

Die Deutsche Bahn sollte sich ein Beispiel an den Flughäfen nehmen. Dort wird alles Erdenkliche unternommen, damit sich die Flugpassagiere wohl fühlen. Sie werden fast übertrieben gehegt und gepflegt. Saubere Abflugshallen mit klinisch geputzten Gates sind dort schon längst Standard.

Stadt Lindau ist gefordert

In den Entwürfen der Stadt Lindau ist seit einiger Zeit eine massive Kürzung der verbleibenden Bahnsteige vorgesehen. Die Stadt will zwischen den künftigen Prellbücken und dem Bahnhofgebäude einen offenen, nicht gedeckten Platz schaffen. Das ist weder städtebaulich noch aus Sicht der Bahnpassagiere verständlich, d.h. gar nicht erwünscht. Bei der Planung des Inselbahnhofes müssen die Bahnpassagiere, die Touristen und eine harmonische Einbindung des Bahnhofes in das heutige Stadtgefüge mit den Fussgängerzonen erste Priorität erhalten.

Ersatz der heutigen Passarelle durch eine neue Fussgänger- und Rad-Überführung mit direkten Zugängen auf die Bahnperrons

Die Stadt sollte sich in der weiteren Bahnhof-Planung mit der Frage befassen, ob neben der Beibehaltung der Bahnsteiglängen anstelle der heutigen, zweifelsohne ungenügenden, reinen Fussgänger-Passarelle ohne direkte Zugänge zu den Bahnsteigen nicht eine neue, attraktive Fussgänger – und Radfahrerverbindung über die Geleise von der Maximilianstrasse zur hinteren Insel mit direkten Zugängen zu den Bahnsteigen die beste Lösung wäre. Die Bahnsteig-Zugänge sind sowohl mit Treppen als auch mit Lifts auszubilden, damit ein barrierenfreier Zugang möglich wird. Insgesamt wäre eine solche Lösung finanziell viel günstiger als der Erwerb eines Teils der (altlastenbelasteten) Gleisanlagen ohne zu wissen, was damit geschehen soll.

Damit würde der Inselbahnhof endlich die Bedeutung erhalten, die er verdient.

Pressemeldung Initiative Bodensee-S-Bahn

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