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Freitag, 21 Januar 2022 13:06

Hamburg: Die Hamburger Innenstadt für 10 Jahre ein Bahngroßbaustelle? – Baustopp für Diebsteich jetzt zwingend

Zu begrüßen ist, dass sich die Hamburger Politik und die Deutsche Bahn sich nach Jahren des Nichtstuns nun endlich dem Problem der Kapazitätsengpässe im Hamburger Bahnnetz widmen und dafür eine Machbarkeitsstudie für den Verbindungsbahn-Entlastungstunnel (VET) in Auftrag gegeben haben. Aber anstatt auf kleinteilige, schnell umsetzbare Ausbaumaßnahmen zu setzen wird wieder eines neues gigantomanisches Verkehrsprojekt auf die Schiene gesetzt, welches voraussichtlich für 10 Jahre und mehr die Hamburger Innenstadt in eine einzige Großbaustelle mit bis zu 40 Meter tiefen Baugruben verwandeln wird.

Kern der Planungen ist die Verlagerung der S-Bahn von der jetzigen Verbindungsbahn in den Keller, d.h. unter die Erde. Auf den jetzigen Gleisen der Verbindungsbahn sollen dann nur noch Fern- und Regionalzüge rollen. Schon vor mehr als zwei Jahren im Dezember 2019 bei Erstvorstellung des, damals noch Ferlemann-Tunnel genannten, Projektes hat Prellbock auf die Probleme des Tunnels und die Unvereinbarkeit dieser Vorschläge mit den Planungen für das Diebsteich-Projekt hingewiesen. Reaktion darauf gleich Null. Daher mal wieder zwei verlorene Jahre für die Hamburger Verkehrspolitik!

Als Probleme des Projektes sind damals wie heute folgende Punkte zu benennen:

• Extrem schwierige Bauarbeiten am Hauptbahnhof auf der Ostseite (Kirchenallee) des Bahnhofs, da hier die Stationen der U1, U3 und der U2 und U5 (wenn sie denn kommt) sowie die bestehenden S-Bahngleise gekreuzt werden müssen.

• Gleichermaßen schwierige Bauarbeiten am Dammtorbahnhof, weil hier die Gleise der U1 und U5 sowie der Bahnhof Dammtor selber gekreuzt werden.

• Schwierige Raumverhältnisse an der Station Schlump, da hier die Trassen der U3 und der U2 tief unter der Erde zu unterfahren sind.

• Wenn die S-Bahn in den Keller verbannt wird, dann fallen die hochfrequentierten S- Bahn-Stationen Sternschanze und Holstenstraße weg.

• Völlig unklar ist die Einfädelung der S-Bahn aus dem Tunnel in den Bahnhof Altona.

• Offen bleibt, wie die S32 nach Osdorf/Lurup aus diesem Tunnel ausgefädelt werden soll.

• Am Diebsteich käme der Tunnel in Tieflage an. Dort müsste ein viergleisiger S- Bahnhof in Tieflage gebaut werden. Darauf hat Prellbock schon vor zwei Jahren in den Faktencheckgesprächen hingewiesen! Damit werden die jetzigen Bahnhofsverlagerungspläne zur Makulatur, wenn nicht ein nagelneuer Bahnhof wenige Jahre nach Inbetriebnahme wieder abgerissen werden soll. Würden die derzeitigen Planungen realisiert, dann stehen die Fundamente der Hochhäuser genau dort, wo der neue S-Bahnhof in Tieflage hin müsste. Das kann nur heißen: Sofortiger Baustopp für Diebsteich, soll hier nicht der Irrsinn des 21. Jahrhunderts in die Erde betoniert und hunderte von Millionen öffentlicher Mittel verschwendet werden.

• Alle Kostenfragen sind ungeklärt, ebenso wie ein möglicher Realisierungs- zeitrahmen.

• Aber auf Eines haben sich Stadt und Bahn schon festgelegt: Das Projekt soll nach der Maßgabe des Planungsbeschleunigungsgesetzes gebaut werden, um die Beteiligung kritischer Initiativen von vornherein auszuschließen, auch wenn anfänglich Gegenteiliges behauptet wird.

• Das Projekt VET beginnt gleich mit einer Lüge: Der VET sei Voraussetzung für den Deutschlandtakt. Wenn dem so sei, dann können die Bürger nach weitere 15-20 Jahre auf die Einführung des Deutschlandtaktes warten. Nein der Deutschlandtakt kann auch ohne dieses Milliardenschwere Großprojekt umgesetzt werden.

• Prellbock kritisiert, dass sich Stadt, Bahn und Bundesverkehrsministerium schon von vornherein auf eine S-Bahn-Tunnel festgelegt haben und ein Fernbahntunnel, der weniger offene Baugruben bedeuten würde, von vornherein ausgeschlossen wurde. Damit ist das Studienergebnis nicht mehr Ergebnis offen.

• Ein weiterer Kritikprunkt von Prellbock richtet sich dagegen, dass parallel zur Studie zum VET eine Studie zur Machbarkeit einer zweiten Eisenbahnelbquerung im Hamburger Westen in Auftrag gegeben wurde. Aber beide Studien sind nicht aufeinander abgestimmt! Denn eine 2. Elbquerung, die auch für Fern- und Regionalzüge geeignet ist, würden den VET überflüssig machen und eine Rückfallebene zu den störanfälligen Eisenbahn-Elbbrücken schaffen. Prellbock hat zusammen mit Dipl.Ing. Carsten Hein schon vor genau zwei Jahren ein Studie zu einer 2.Schienen-Elbquerung den Senatoren Dr. Dressel und Dr. Tjarks und der Öffentlichkeit vorgestellt. Erst jetzt wird man aktiv.

Prellbock fordert daher die Hamburger Politik auf zuerst einen Masterplan „Starke Schiene für Hamburg“ zu erarbeiten, in dem alle diskutierten und geplanten Schienenausbauprojekte aufeinander abgestimmt werden. Eine 2. Elbquerung muss, und ein VET kann Bestandteil eines solchen Planes sein. Die jetzt vergebene Studie darf andere Projekte nicht ausschließen.

Dazu Michael Jung, Sprecher von Prellbock-Altona e.V.: „Es steht zu befürchten, dass mit dem Verbindungsbahnentlastungstunnel wieder ein Milliarden schweres, klimaschädliches Großprojekt mit langen Realisierungszeiten aus der Taufe gehoben wird und dann viele kleinere Projekte, die schnell umgesetzt werden können und in unmittelbarem Interesse der Fahrgäste sind, auf der Strecke bleiben. Auf jeden Fall ist bis zum Vorliegen der VET-Studie ein sofortige Baustopp für Diebsteich unabdingbar.“

Pressemeldung Prellbock Altona e.V. Für starken

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