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Donnerstag, 27 Januar 2022 16:16

Baden-Württemberg: Ablachtalbahn - Große und zunehmende Bedeutung für den Güterverkehr

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Fotos Claudius Bernhard, Bernd Hasenfratz.

Großer Nachfrage erfreut sich die kommunal betriebene Ablachtalbahn nicht nur im Ausflugs-Personenverkehr, sondern zunehmend auch im Güterverkehr. Demnächst wird erstmals seit über einem Jahrzehnt auch wieder planmäßiger Güterverkehr im westlichen Abschnitt von Schwackenreute Richtung Stockach und Radolfzell stattfinden.

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Foto Claudius Bernhard.

Seit dem 1. März 2021 sind die Stadt Meßkirch und die Gemeinde Sauldorf als Betreiber für die Streckeninfrastruktur der Ablachtalbahn zwischen Mengen und Stockach zuständig. Zwischen März und Ende Dezember 2021 fuhren auf der kommunalen Eisenbahnstrecke insgesamt 256 Züge. Diese teilten sich auf in 89 Reise-, 162 Güterzüge und 5 Bahnunterhaltungsfahrten.

Positive Güterverkehrs-Bilanz 2021

Im Güterverkehr wurden von mehreren Eisenbahnverkehrsunternehmen insgesamt fast 45.000 Netto-Tonnen befördert. "Das Jahr 2021 war für unsere Bahnstrecke ein Rekordjahr, weil wir nicht nur viele tausend Tonnen Stahl für die Firma Tegometall transportiert haben, sondern auch etliche Festmeter Holz", freut sich Eisenbahnbetriebsleiter und technischer Leiter der Ablachtalbahn, Frank von Meißner. "Es war goldrichtig, die Gleisanlagen an der neu eingerichteten Ladestelle in Krauchenwies zu reaktivieren: Hier werden nicht nur fast täglich einzelne Wagen abgefertigt, die der planmäßige Stahlgüterzug einfach mitnimmt; mehrmals pro Monat fahren auch Ganzzüge mit Holz von Krauchenwies ab."

Von Meißner weiter: "Mit unserem kommunalen Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen leisten wir aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz: Denn der Gütertransport spart je nach Laufweg gegenüber der Straße rund 8 bis 12 Tonnen CO2 ein: und das pro Zug! Doch wir schützen nicht nur das Klima, sondern entlasten zugleich die Straßen in unserer Region vom Schwer-LKW-Verkehr.“ Weitere Verlademöglichkeiten bestehen übrigens auch im großzügigen Bahnhof Schwackenreute.

"Wir können stolz sein, was wir mit unserer kommunal betriebenen Ablachtalbahn im letzten Jahr erreicht haben", resümiert Arne Zwick, Bürgermeister der Stadt Meßkirch: "Nicht nur haben wir die Strecke mit unserem nebenberuflichen Eisenbahner-Team ertüchtigt, sondern auch große Verkehrsmengen bewältigt. Die Eigenmittel der Kommunen sowie die Instandhaltungskosten-Zuschüsse vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg sind sehr gut angelegt", so Zwick: "Mit der Ablachtalbahn-Strecke leisten wir bereits jetzt einen Beitrag zur Verlagerung von Verkehr auf die umweltfreundliche Schiene auch auf dem Land." Und Sauldorfs Bürgermeister Wolfgang Sigrist ergänzt: „Daneben ist die Ablachtalbahn für unsere Kommunen ein wichtiger Standortfaktor – sowohl für die beiden stahlverarbeitenden Werke in Sauldorf und Krauchenwies, aber auch für die Tourismuswirtschaft, die vom Ausflugsverkehr profitiert.“

Zusätzliche Güterzüge über Stockach in die Schweiz

Mit dem Güterverkehr geht es weiter aufwärts. So wird ab 8. Februar erstmals seit über einem Jahrzehnt auch der westliche Abschnitt Richtung Stockach (und weiter nach Radolfzell) mit Güterzügen planmäßig befahren werden: Das Eisenbahnverkehrsunternehmen SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrsgesellschaft mbH wird seinen regelmäßigen Zement-Güterverkehr Richtung Schweiz von Mengen nach Singen über die Ablachtalbahn leiten.

"Damit entlastet die Ablachtalbahn das dicht befahrene DB-Streckennetz, über das bisher dieser Güterverkehr abgewickelt wurde," so Eisenbahnbetriebsleiter Frank v. Meißner: "Die Ablachtalbahn unterstreicht damit eindrucksvoll ihre Rolle als Ausweichstrecke im süddeutschen Eisenbahn-Streckennetz."

Bahnverkehr auf der Ablachtalbah auch unter der Woche ab Februar

Anwohner und Autofahrer werden an der Ablachtalbahn ganz besonders zwischen Sauldorf und Stockach zu besonderer Aufmerksamkeit aufgerufen: Von nun an ist dort auch unter der Woche damit zu rechnen, dass wieder Züge fahren. Einige Bahnübergänge besitzen keine Lichtzeichen („Ampeln“) oder Schranken, dort machen sich die Züge durch Pfeifsignale aufmerksam. Bei anderen Bahnübergängen gibt es nur rote Blinklichter ohne Schranken. Autofahrer werden daher gebeten, mit Vorsicht und Umsicht die Bahnübergänge zu überqueren.

Ausblick auf Biberbahn-Saison 2022

Auch im Personenverkehr ist die Ablachtalbahn ein voller Erfolg. Und dem Namen "Biberbahn" werden auch 2022 wieder die beliebten Ausflugszüge immer an Sonn- und Feiertagen fahren: "Am 1. Mai ist Saisonstart, und unser Team von Verein, Kommunen und Eisenbahnbetriebsleitung arbeitet schon fleißig daran, wieder ein attraktives Programm aufzustellen," sagt Severin Rommeler, 1. Vorsitzender des Fördervereins Ablachtalbahn e.V.. Neben der Zugbegleitung in der Biberbahn, die von Vereinsmitgliedern durchgeführt wird, unterstützt der Verein das Eisenbahninfrastrukturunternehmen bei Kontrollgängen und bei der Vegetationspflege entlang Strecke: „Wir werden in den kommenden Wochen wieder an der Strecke arbeiten und die Vegetation für den Zugverkehr zurückschneiden.“

Mehr Informationen zur Bahnstrecke gibt es unter www.messkirch.de/ablachtalbahn, die neuen Fahrpläne 2022 und Ausflugstipps der Biberbahn unter www.biberbahn.de

Zum Hintergrund zur Bahn

Die 40 km lange, oberschwäbische Ablachtalbahn Mengen – Stockach wurde nach langen Jahren der Diskussion Ende 2020 von den Anliegerkommunen Sauldorf und Meßkirch gekauft und wird seither von den beiden Kommunen als Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen betrieben. Finanziert wird die Ablachtalbahn durch Nutzungsentgelte der fahrenden Züge, Zuschüsse der Stadt Meßkirch und der Gemeinde Sauldorf sowie des Landkreises Sigmaringen. Der Löwenanteil wird allerdings gedeckt durch Instandhaltungskostenzuschüsse vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg. Ziel ist, die Strecke sowohl im Güterverkehr wie auch im Freizeitverkehr weiterzuentwickeln. Mittelfristig wird eine Reaktivierung im planmäßigen SPNV angestrebt, hierzu läuft eine Machbarkeitsstudie.

Pressemeldung Stadt Meßkirch, EIU Ablachtalbahn, Förderverein Ablachtalbahn e.V.

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