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Freitag, 13 Mai 2022 13:59

Hessen: Vom Grenzlandbahnhof zur Mobilitätsdrehscheibe - Bebras Bahnhof jetzt komplett

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Foto NVV.

Seit 12. Mai ist Bebras Bahnhof komplett. Als letzter Schritt nach mehr als drei Jahren Bauzeit wurde das historische Inselgebäude mit all seinen Funktionen eröffnet werden. Damit hat einer der wichtigsten Bahnhöfe in Nordhessen nicht nur ein modernes Gesicht bekommen, sondern ist nach 170 Jahren einer der bestens ausgestatteten Bahnhöfe in der Region.

Eine Schlüsselfunktion bei der Entwicklung des Bahnhofes Bebra zu einem Mobilitätsknotenpunkt mit komfortabler Infrastruktur fällt dem denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude zu, das wie auf einer Insel inmitten der Gleisanlagen liegt und ein neues Nutzungskonzept erhalten hat. Unter einem Dach vereinigen sich ein attraktiver Wartesaal für Fahrgäste samt Toilettenanlage, Co-Working-Büros sowie weitere Büroräume verschiedener Nutzer. Es ist der letzte Schritt einer umfangreichen Umgestaltung des gesamten Bahnhofsgeländes inklusive Lokschuppen und aller Bahnsteige mit den entsprechenden Gleisanlagen.

Im 80 Quadratmeter große Wartesaal stehen den Fahrgästen seitdem sechs Sitzbänke zur Verfügung. Außerdem gibt es eine dynamische Fahrgastinformation sowie weitere umfangreiche Hinweise rund um den öffentlichen Nahverkehr. Angeboten werden aber auch kleine Snacks und Getränke über Verkaufsautomaten.

Der Wartesaal verfügt über Zugänge zu den vier öffentlichen Toiletten, eine davon mit Wickeltisch. Automatische Türen öffnen sich zu den Bahnsteigen Richtung Ost und West. Nachts ist der Warteraum verschlossen. Um ihn vor Vandalismus zu schützen, ist er videoüberwacht. Der NVV hat sich beim Inselgebäude an Planungskosten in Höhe von mehr als 300.000 Euro beteiligt.

Erhöhte Bahnsteige, Aufzüge, Rampen und der einfach erreichbare Omnibusbahnhof machen den Bahnhof fast ausnahmslos barrierefrei. Es gibt großflächig überdachte Wartebereiche mit Wetterschutz, Sitzgelegenheiten, dynamischen Fahrzielanzeigen, Fahrradbügel und ein NVV-Infopoint samt Café, das ab 5:30 Uhr geöffnet hat.

Dort finden auch der Verkauf von NVV-Fahrkarten und DB-Fahrkarten sowie die persönliche Beratung rund um den ÖPNV statt. Der Bahnhof in Bebra hat dann alles, was Fahrgäste, die mit den Zügen und Bussen des öffentlichen Nahverkehrs unterwegs sein wollen, benötigen.

Darüber hinaus entstanden drei Park+Ride-Flächen auf beiden Seiten des Bahnhofs. Neu sind außerdem Taxenstellplätze und der Behindertenstellplatz am städtischen Bahnhofseingang. Auch für ein Car-Sharing-Angebot ist gesorgt. Auf dem P+R-Platz vor der Sparda-Bank befindet sich der dafür genutzte Stellplatz mit einem entsprechenden Fahrzeug.

Die weithin sichtbaren Glasdächer symbolisieren die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs für die Stadt - sie markieren den Übergang vom Bahnverkehr zum weiterführenden Busverkehr und sind markantes Eingangstor zur Innenstadt.

Begonnen hat die Veränderung des Bahnhofes 2012 mit der kompletten Modernisierung der rund 5500 m² Bahnsteigfläche, dem Neubau von 210 m Bahnsteigdach, der Umgestaltung der Personenunterführung, dem Neubau von 3 Aufzugsanlagen sowie dem Rückbau des gesamten Bahnsteigs 1 und der alten Bahnsteigdächer. Dazu kamen die Anhebung der Bahnsteige zum höhengleichen Einstieg in den Zug sowie der Neubau der Bahnsteigausstattung und moderne Fahrgastinformation. Damit war der erste Schritt zum mobilitätsgerechten Bahnhof getan.

Dem folgte ab 2014 der Umbau des Bahnhofsvorplatzes durch die Stadt Bebra, um die noch vorhandenen Hindernisse (von der Stadtseite gelangte man nur über eine steile Treppe in die Personenunterführung) abzubauen und so allen Fahrgästen die Möglichkeit zu bieten, egal ob mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl unterwegs, ohne Schwierigkeiten Bahnsteige und Züge zu erreichen. Damit war auch der Bau des Servicegebäudes und des zentralen Omnibusbahnhofes verbunden.

Mit der Modernisierung des Bahnhofs und des Bahnhofsumfeldes ging eine komplette Veränderung des gesamten Quartiers einher, da der Bahnhof nach Jahrzehnten städtebauliche integriert wurde. Somit entwickelte sich der Bahnhof Bebra vom Grenzbahnhof zur Mobilitätsdrehscheibe der Stadt.

Im NVV-Gebiet ist der Bahnhof Bebra ein zentraler Umsteigeort für Fahrgäste der Cantus-Linien RE5/RB5 Kassel - Bebra - Fulda, R87 Göttingen – Eichenberg – Eschwege - Bebra und R6 Eisenach - Bebra. Vor Corona nutzten ca. 1,5 Million Fahrgäste den nach den beiden Kasseler Bahnhöfen Wilhelmshöhe und Hauptbahnhof größten nordhessischen Bahnhof mit ca. 31.000 Zügen im Jahr. Vor der Pandemie stiegen in Bebra täglich fast 6000 Fahrgäste ein und aus, aktuell liegen wir bei ca. 80 Prozent.

In den bisherigen Umbau der Bahnsteigflächen wurden rund 14,7 Millionen Euro investiert. Davon entfallen auf die Baukosten ca. 12,5 Mio. Euro, 2,2 Mio. Euro auf die Planungskosten. An den Planungskosten beteiligt sich der NVV in Höhe von 1,1, Mio. Euro. sowie mit 63.000 EUR an den Planungskosten der ZOB-Überdachung und des Servicegebäudes.

Für den Umbau des Bahnhofsvorplatzes, die Errichtung des Servicegebäudes und des zentralen Omnibusbahnhofes liegt die Investitionssumme bei 2, 8 Mio. Euro, 2. Mio. Euro davon stammen aus Verkehrsinfrastruktur und Städtebauförderung durch Bund und Land.

Hintergrundinformationen zur Sanierung und Historie des Wartesaals

östlicher und mittlerer Deckenbereich wurde durch Restaurator bearbeitet und aufwändig nach hist. Vorbild instandgesetzt
Boden musste aufgrund starker Durchfeuchtung entnommen werden, hier wurden aber in zwei Bereichen die historischen Originalfliesen wieder eingesetzt
die beiden Bilder an der Nordwand des Warteraumes stellen den historischen Warteraum in der Mitte des Bahnhofs dar (den jetzigen Ausstellungsbereich) und sollen an die Vergangenheit erinnern und den Fahrgast in die Ausstellung einladen
sämtlichen Farben, Materialien und Oberflächen wurden mit dem Denkmalamt abgestimmt und nehmen Bezug auf die Vergangenheit des Bahnhofes

Hintergrundinformationen zum Bahnhof Bebra

Der Bahnhof wurde 1848 eröffnet und bekam schnell eine Schlüsselrolle als wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Bis 1906 kam parallel zum Personenbahnhof ein Rangierbahnhof hinzu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bebra Grenzbahnhof für Interzonenzüge in die DDR, Transitzüge und Militärzüge der Westmächte nach West-Berlin. Hier wurden die Züge von der Deutschen Bundesbahn an die Deutsche Reichsbahn mit Lokwechsel übergeben. Seit der Wiedervereinigung liegt der Schwerpunkt der Verkehrsleistung in der regionalen Anbindung.

Heute ist der Bahnhof Bebra ein Drehkreuz im deutschen Personen- und Güterverkehrsnetz. Er ist Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnstrecken im Nahverkehr sowie im Fernverkehr auf der Achse Düsseldorf-Dresden sowie Bebra-Frankfurt. Der Rangierbahnhof ist eines von 13 Frachtzentren der Deutschen Bahn AG (DB).

Pressemeldung NVV

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