english

Donnerstag, 15 März 2018 16:39

Hessen: Regiotram Kassel - ein Fortschritt, vergleichbar mit dem historischen Bau der Kleinbahnen

P1070494P1070499

Das Regiotramkonzept Nordhessens darf nach einem guten Jahrzehnt als ein Erfolg betrachtet werden, der sich nicht nur an den Fahrgastzahlen messen lassen muss. Es ist vielmehr so, dass sich ganz allgemein das Oberzentrum Kassel und sein wohlhabender Speckgürtel näher gekommen sind.

P1070540a

Eine signifikant positive Entwicklung nehmen dabei Gemeinden und Städte, die von den Regiotramlinien erschlossen werden. Über die Prognosen der Bertelsmannstiftung, die vor einigen Jahren Bevölkerungsrückgänge von teils mehr als einem Viertel voraussagten, können die Bürgermeister heute lachen. Und in der ersten Reihe lacht Kassel mit einem deutlichen Bevölkerungszuwachs und einem Überschuss im städtischen Haushalt.

Das ist eine Entwicklung, die sich vor 100 Jahren mit dem Bau der Kleinbahnen eingestellt hatte, die nicht nur das Berufspendeln ermöglichten, sondern als Mobilitätsvorteil zur Ansiedlung qualifizierter Neubürger führten. Die historische Ablehnung dieser Infrastrukturinnovation glich in der Kurzsichtigkeit derjenigen von vor 20 Jahren: Dann rennen sie von den Dörfern in die Städte - statt bei uns für wenig Lohn zu arbeiten, und es am besten auch noch im hiesigen Dorfkrug zu lassen.

Günstige Baugebiete, schnelle Wege in die Stadt, Einpendeln ohne Parkplatzsorgen und der Besuch von Kulturveranstaltungen, die eben nur das Oberzentrum zu bieten hat, sind für Kleinbahnen wie Regiotrams ebenso gute Argumente wie der Ersatz des Taxis Mama.

Wer jetzt aus dem Kasseler Netz nach vorn blicken mag - und das sollte nach einem Jahrzehnt und der Millionen-Kilometer-Leistung der RT an der Zeit sein - sieht wiederum neue Chancen entstehen. Schwer zu ersetzen sein werden am Tag X die wenigen Hybridtriebwagen im Diesel/E-Netz, die in einmaliger Serie in geringer Stückzahl nur für die Kassel-Wolfhager Linie gefertigt worden waren. Letztere sind für das Straßenbahnnetz mit seinen geringen Radien bei einer Leermasse von 63,4 Tonnen und einer Dienstmasse von 85,2 Tonnen eine große Belastung und ein enormer Verschleißfaktor.

In der Diskussion ist jetzt für diesen nordwestlichen Regiotram-Ast eine Elektrifizierung Vellmar-Wolfhagen, die einen freizügigeren Verkehr der Fahrzeuge und die relative Schonung des städtischen Gleisnetzes verspräche.

Wer dieses öffentlich diskutierte Projekt mit der Idee einer Elektrifizierung der Strecke von Kassel-Wilhelmshöhe nach Baunatal in Verbindung brächte, die wieder einen Schienennahverkehr erhalten soll, sieht einen enormen Effizienzgewinn. Schließlich gibt es an der steilen Strecke aus dem Kasseler Becken hinauf zum Volkswagenwerk Baunatal seit Jahren Beschwerden über die lauten Dieselloks, die sich hier etwa vor Stahlzügen den Mattenberg hinaufkämpfen. Die Lücke der Verbindung vom Kasseler Rangierbahnhof über Wilhelmshöhe wäre nur auf wenigen Kilometern zu schließen - und dem Güterverkehr wie dem regionalen Nahverkehr wäre nachhaltig gedient.

Ein Fortschritt, vergleichbar mit dem historischen Bau der Kleinbahnen.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zurück

Letzte Änderung am Donnerstag, 15 März 2018 16:45