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Sonntag, 29 April 2018 11:43

Baden-Württemberg: Initiative Bodensee-S-Bahn begrüßt Elektrifizierungsprogramm der Landesregierung

Das am 13. April von Landesverkehrsminister Winfried Hermann vorgestellte Programm zur Elektrifizierung des Schienennetzes wird von der Initiative Bodensee-S-Bahn sehr begrüßt. Mit den im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarten Maßnahmen bietet sich für die Region die konkrete Chance, das Dieselloch am Bodensee endgültig zu beseitigen. Bund, Land und Region müssen sich daher rasch einigen und die nötigen Gelder für Planung und Umsetzung bereitstellen.

Seit nunmehr fünfzehn Jahren setzt sich die Initiative Bodensee-S-Bahn für den Ausbau von Bahnstrecken und für einen guten, vertakteten und nachhaltigen ÖPNV im Bodenseeraum ein. Mit den neuen Programmen von Bund und Land ist die Chance groß wie nie, den Ausbau zügig voranzubringen und den Bürgern und Gästen der Region ein gutes Angebot auf die Schiene zu stellen.

Mit der Fertigstellung der bereits beschlossenen oder schon im Bau befindlichen Elektrifizierungen der Südbahn zwischen Ulm, Friedrichshafen und Lindau bis 2021, der Allgäubahn zwischen München, Memmingen und Lindau bis 2020 sowie der Hochrheinstrecke zwischen Basel und Schaffhausen voraussichtlich bis Ende 2023 werden wichtige Meilensteine für einen umweltschonenden, nachhaltigen Schienenverkehr gesetzt. Bis 2025 sollen weitere wichtige Lücken im elektrifizierten Netz geschlossen werden, darunter auch die Gürtelbahn entlang des nördlichen Bodenseeufers. Dies ermöglicht hier eine substanzielle Verbesserung des Angebots mit einer Verdichtung des Fahrplans und mit schnelleren, leiseren und umweltfreundlichen Zügen.

Das vom Bodenseekreis favorisierte „Vorzugskonzept“ für den Ausbau der Gürtelbahn sieht eine Verdopplung des Zugangebots vor und setzt eine Elektrifizierung der Strecke voraus. Die Landkreise, Gemeinden und der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben sind nun gefordert, rasch mit Bund und Land zusammen zu arbeiten. Ziel muss sein, den im Vorzugskonzept vorgesehenen Fahrplan mit einem durchgehenden S-Bahn-Verkehr im Halbstundentakt zwischen Radolfzell und Friedrichshafen umzusetzen, ergänzt durch eine stündliche, schnelle, überregionale IRE-Verbindung. Darüber hinaus sollten weitergehende Optionen wie der IRE-Halbstundentakt und weitere neue Haltestellen für die S-Bahn-Züge in Betracht gezogen werden sowie eine Ausweitung des verdichteten Fahrplans Richtung Lindau. Zumindest muss durch eine umsichtige Regionalplanung sichergestellt werden, dass zweigleisige Ausbauten und zusätzliche Haltestellen, wie z. B. in Espasingen oder Lipbach, nicht erschwert werden.

Die in die Diskussion eingebrachten Varianten mit Hybrid-, Wasserstoff- oder batterie-elektrischen Fahrzeugen können für die Gürtelbahn mit ihrer wichtigen Funktion im Gesamt-Schienennetz keine sinnvolle Lösung sein. Bei einem Fahrplanangebot mit sechs Zügen pro Stunde wie im Vorzugskonzept ist der Betrieb mit Oberleitung langfristig wirtschaftlicher, wie eine aktuelle Studie im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft belegt. Zudem würde die Abhängigkeit von neuartigen, noch kaum erprobten Spezialfahrzeugen ein hohes Betriebsrisiko mit sich bringen und zu wenig Flexibilität im Falle von Störungen oder künftigen Fahrplanänderungen erlauben. Denkbare, neue durchgehende Verbindungen zwischen Basel, Lindau oder gar München würden unnötig erschwert.

Alle politischen Ebenen müssen sich jetzt zügig einigen, damit der ambitionierte Zeitplan zur Elektrifizierung der Gürtelbahn-Strecke bis 2025 umgesetzt werden kann und der Schienenverkehr endlich auch auf der Nordseite des Bodensees eine Attraktivität bekommt, die auf der südlichen Seite längst Standard ist. Um das große Potential dieser Strecke optimal zu erschließen, müssen auch die Stadt- und Regionalbusse optimal auf die Bahn abgestimmt werden. So entsteht in wenigen Jahren ein wirklich flächendeckendes ÖPNV-Angebot, das viele Menschen zum „Umsteigen“ einlädt.

Pressemeldung Initiative Bodensee-S-Bahn

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