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Donnerstag, 03 Mai 2018 16:11

Bayern: Hemmschuh ist Ursache für entgleisten Güterzug

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Nach bisherigen Ermittlungen der Bundespolizeiinspektion München war ein "Hemmschuh" ursächlich für die Entgleisung eines Güterzuges am Samstagmorgen (28.04.2018), kurz nach Mitternacht. An der Unfallstelle wurden zwei "Hemmschuhe", einer davon in einer Weiche liegend, entdeckt. Die weiteren Ermittlungen richten sich nun darauf, ob der korrekte Betriebsablauf gegeben war und warum die "Hemmschuhe" vor Abfahrt des Güterzuges nicht entfernt worden waren.

Der Güterzug 69150 verließ gegen Mitternacht den Umschlagbahnhof. Die elektrische Lokomotive zog 25 Containerauflieger (Gesamtlänge ~ 668 m). Der Zug hatte 120 beladene und 8 leere Achsen bei einem Ladungsgewicht von ~ 940 t. Das Gesamtgewicht betrug ~ 1.580 t. Der Güterzug war zu 86 % ausgelastet.

Gegen 00:05 Uhr war auf der Strecke vom Umschlagbahnhof München Riem in Richtung Bahnhof Riem auf Höhe Bahnkilometer 6,800 der Güterzug 69150 auf freier Strecke entgleist (siehe hierzu Pressebericht Nr. 105 vom 28.04.2018). Es kam zu einem Sachschaden, der bahnseitig mittlerweile auf rund 4 Millionen Euro geschätzt wird. Die Bahnstrecke München - Mühldorf war bis Montagmorgen gesperrt.

Bei dem Unfall wurden keine Personen verletzt, allerdings stand der 58-jährige Lokführer unter Schock.

Die Unfalllok wurde, wie auch die ersten beiden Containerauflieger, sehr stark im Bereich des Unterbodens und der Drehgestelle beschädigt. Die betroffenen Fahrzeuge mussten mittels Kran aus dem Gleisbereich gehoben werden; sie waren nicht mehr fahrbereit. Die Oberleitung wurde auf ca. 70 bis 80 m heruntergerissen. Ein Oberleitungsmast wurde am Fundament abgetrennt und durch den Güterzug mitgeschleift, bis er sich zwischen Lok und erstem Wagen verkeilten.

Die betroffenen Gleise (Auszugsgleis zum Umschlagbahnhof, Strecke München Ost - Mühldorf am Inn / Simbach am Inn) wurden sehr stark beschädigt. Schienen, Schwellen, Weichen, Schienenschrauben, Weichenmotor, Betriebskabel und InduSi-Magneten sowie Schotterbett wurden zerstört bzw. massiv in Mitleidenschaft gezogen.

Im Bereich der Unfallstelle wurden zwei deformierte "Hemmschuhe" (Sicherungskeile) aufgefundenen. Nach erster Auswertung der Spurenlage, insbesondere der aufgefundenen beiden "Hemmschuhe", ist nach derzeitigem Ermittlungsstand folgender Tathergang rekonstruiert worden: Es muss davon ausgegangen werden, dass die Zugsicherung am GZ 69150 im Umschlagbahnhof mittels "Hemmschuhen" am ersten Containerauflieger vorgenommen und diese vor Abfahrt pflichtwidrig nicht entfernt worden waren.

Beim Anfahren des Güterzuges wurden die Sicherungskeile mitgeschleift. Schließlich verkantete bzw. verkeilte sich einer der Sicherungskeile unter dem Zug in einer Weiche. Dadurch wurde eines oder mehrere Drehgestelle aus der Spur gehoben, was im Verlauf der Fahrt zur Entgleisung und dem Schadenseintritt führte.

Die Fertigstellung des Zuges, das Ankoppeln der Lok und die Freimeldung lagen im Verantwortungsbereich mehrerer Personen, die für den korrekten Betriebsablauf verantwortlich waren. Bei einer ordnungsgemäßen und sorgfältigen Überprüfung des Zuges vor Fahrtantritt hätten die "Hemmschuhe" auf den Gleisen bemerkt werden müssen. Die Bundespolizei ermittelt derzeit gegen die am Betriebsablauf verantwortlichen Mitarbeiter wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr gemäß § 315a StGB.

Hinweise auf weitere mögliche Ursachen, wie z.B. das Einwirken einer oder mehrerer Betriebsfremder, gibt es derzeit nicht; es gilt als nahezu ausgeschlossen. Zum derzeitigem Ermittlungsstand ist auch ein technischer Defekt unwahrscheinlich.

Die Lokomotive sowie die beiden entgleisten Containerauflieger sind mitterweile geborgen. Aufgrund der Instandsetzungsarbeiten im Gleisbereich ist der Zugverkehr am Mittwochmorgen (2. Mai) auf der Strecke eingleisig teilweise wieder angelaufen.

Pressemeldung Bundespolizeiinspektion München

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