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Freitag, 25 Mai 2018 07:05

Bayern: "Quo vadis" Traun-Alz-Bahn?

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Neben der Diskussion um die Verlängerung des SPNV-Probebetriebes nach Viechtach, findet eine weitere Strecke, die seit Jahren als großes Sorgenkind der BEG gilt und vor ein paar Jahren schon beinahe eingestellt worden wäre, derzeit kaum Beachtung: Die Strecke Traunstein - Hörpolding - Traunreut/ Garching (-Mühldorf), heute auch als "Traun-Alz-Bahn" tituliert

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Schon zu Bundesbahnzeiten, schwebte über der damaligen Verbindung Traunstein - Garching (Mühldorf) latent das Damoklesschwert der Stilllegung. Spätestens mit dem "Abkommen über die Zukunft des SPNV in Bayern", das die DB mit dem Land im Jahre 1986 abgeschlossen hatte, war die Einstellung des SPNV auf der Gesamtstrecke, sowie des Gesamtverkehrs Hörpolding - Trostberg eigentlich fest vereinbart und besiegelt.

Das Problem dieser Verbindung damals wie heute: Die Stadt Traunreut , die nach 1945 auf dem Gelände einer Munitionsfabrik, die über eine eigene Stichbahn an den Bf Hörpolding her angebunden war, entstand, war von einer anfänglichen Flüchtlingssiedlung zur mittlerweile bevölkerungsreichsten Stadt im Landkreis Traunstein herangewachsen. Von der Bahnlinie buchstäblich "links liegen" gelassen - ein Anfang der 1950er Jahre eingerichteter Personenpendelverkehr Hörpolding - Traunreut endete bereits wieder im Jahre 1964 - etablierte sich zur Anbindung der weitläufigen Stadt Traunreut ein umfangreicher Busverkehr der gleich die Relation Traunstein - Trostberg - Garching mitbediente.

Einzig dem starken Güterverkehr Garching - Trostberg sowie dem Hausgerätewerk der Fa. Siemens in Traunreut, das von Traunstein aus und ab Hörpolding über besagte Stichbahn bedient wurde (und auch heute noch wird) verdankt die Bahn ihr Überleben bis in die heutige Zeit. Der Grund: Spätestens nach der Bahnreform 1991 wurde klar, dass die Güterverkehrsanbindung der Stadt Traunreut, ohne die Quersubventionierung der Infrastruktur durch SPNV-Gelder langfristig nicht aufrechtzuerhalten sei.

So gab es spätestens nach Gründung des DB Regionetzes Südostbayernbahn, zu der die Strecke nun gehörte, immer wieder Überlegungen, Traunreut wieder auf der Schiene anzubinden. Nachdem Modelle einer Neutrassierung der "Stammstrecke" aus Kostengründen wieder verworfen wurden und auch die bahneigene (!) RVO (heute DB-Oberbayernbus) keinerlei Bereitschaft signalisierte, ihren lukrativen Busverkehr zu Gunsten der Bahn einzuschränken, konnte man sich im Jahre 2007 zu einer" kleinen Lösung" zur Wiederanbindung Traunreuts durchringen: Anbindung über die bestehende Stichbahn nach Traunreut, wie schon in den 50 er Jahren.

Zur besseren Akzeptanz wurde jedoch eine neue umsteigefreie Relation Traustein - Hörpolding - Traunreut geschaffen, auf der ein Stundentakt an allen Wochentagen eingerichtet wurde.

Der Verkehr Richtung Trostberg und Garching wurde nicht nur in Hörpolding gebrochen, sondern zwischen Hörpolding und Trostberg fast gänzlich dem Bus überlassen. Lediglich zwei  werktags außer Samstags verkehrende Zugpaare mit der BR 628 verblieben dort noch, die lediglich dem SOB Triebwagentausch nach Mühldorf dienten.

Überdies durfte die Wiederbelebung der 4 km langen Traunreuter Stichbahn auch nicht als Reaktivierung, sondern nur als "Bahnhofsneueröffnung Traunreut" betitelt werden (damals wie heute fürchtet die Bayerische Staatsregierung "Streckenreaktivierungen" scheinbar wie der "Teufel das Weihwasser" um hier ja keine "Präzedenzfälle" zu schaffen und vor allem keine Begehrlichkeiten anderer Kommunen zu wecken).

Die Rechnung kam postwendend: Die erste SPNV- Reaktivierung in Bayern (die aber nicht so genannt werden durfte), ging gelinde gesagt gehörig in die "Hose" und die Fahrgastzahlen sanken, trotz des vermeintlich guten Angebotes von Traunstein nach Traunreut noch weiter ins Bodenlose ab. Warum....? Nun , der Busverkehr wurde nicht eingeschränkt, Reisende von Traunstein nach Mühldorf waren wegen fehlender Umsteigemöglichkeiten in Hörpolding jetzt gezwungen, gleich ab Traunstein die Busse zu benutzen und der aus Ersparnisgründen (man wollte sich die technische Sicherung mehrerer BÜ sparen) am Ortsrand von Traunreut eingerichtete neue HP konnte die weitläufige Gemeinde im Gegensatz zum Bus nicht wirklich erschließen. Auch änderte sich nichts an den bis heute recht langen Reisezeiten wegen der niedrigen Höchstgeschwindigkeit der Züge.

Während die Lokalpolitik schon auf die Trasse des Abschnittes Hörpolding - Trostberg spekulierte, um die parallele Bundesstraße ausbauen zu können, stellte das Land Bayern den örtlichen Kommunen im Jahre 2015 schließlich ein Ultimatum: Entweder Kooperation bei der Verbesserung des Verkehrsangebotes, oder Einstellung des kompletten Reiseverkehrs auf den KBS 947 und 949 zum Dezember 2015.

Das zeigte zumindest insofern Wirkung, als man sich in der Folge gemeinsam an einen Tisch setze und der Staatsregierung die vorübergehende Weiterbestellung der SPNV-Leistungen abrang, flankiert von kleineren Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Situation: Im letzten Jahr wurde ein neuer Haltepunkt beim Traunsteiner Klinikum eingerichtet, der den bisherigen HP Bad Empfing ersetzte. Auch werden nun zwischen Trostberg und Hörpolding wieder fünf Zugpaare an Werktagen (außer Sa ) angeboten, womit dieser Abschnitt aber immer noch der mittlerweile schlechtest bediente Streckenabschnitt in ganz Bayern ist ...

All diese Maßnahmen stellen aber nach wie vor keine grundsätzliche Lösung der vorgenannten Probleme dar.

Deshalb stellt sich nach wie vor die Frage: "Quo vadis Traun-Alz-Bahn"

Alexander Bauer

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