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Freitag, 13 Dezember 2024 10:15

Sachsen: PRO BAHN lobt die Verbesserungen im ZVON zum Fahrplanwechsel

Die Regionalgruppe Ostsachsen des Fahrgastverbandes PRO BAHN lobt die Verbesserungen zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2024: „Mit der schrittweisen Stärkung einzelner Züge reagiert der ZVON auf die deutlich gestiegene Nachfrage“, freut sich Moritz Filter, Co-Sprecher der Regionalgruppe:

„Der Verkehrsverbund unterscheidet sich damit von den großen Verbünden in Sachsen, die ungeachtet des Deutschlandtickets eine Ausweitung der mehr als ausgereizten Kapazitäten - z.B. zwischen Dresden und Leipzig - nicht für notwendig erachten. Zwischen Dresden und Görlitz sowie Zittau und Cottbus müssen hingegen künftig deutlich weniger Fahrgäste stehen oder gar wegen fehlender Kapazitäten ganz am Bahnhof zurückbleiben.“

„Hervorhebenswert sind ebenso die verbesserten Verbindungen nach Polen und Tschechien“, ergänzt Ingo Koschenz, ebenfalls Co-Sprecher der Regionalgruppe und Referent für Osteuro- paverkehre des PRO BAHN-Bundesverbandes im Hinblick auf jeweils eine weitere Umsteige- schnellverbindung Dresden-Zgorzelec-Wrocław und Dresden-Zittau-Liberec. „Der ZVON muss hier mit seinen bescheidenen Mitteln beständig fremde Aufgaben erfüllen“, erinnert Koschenz:

„Es wäre eigentlich Sache des Bundes, sich um die Reintegration der Oberlausitz in den inter- nationalen Fernverkehr zu kümmern. Unsere Nachbarn erwarten zu Recht, dass die Görlitzer und die Zittauer Neißeviadukte samt Zulaufstrecken für Fernverkehre infrastrukturell ertüch- tigt werden sowie der Bund an der Angebotsgestaltung konkret mitwirkt. Die bisherigen Bun- desregierungen sind ihrer diesbezüglichen Verantwortung leider nur unzureichend gerecht ge- worden. Umso erfreulicher ist, dass beide Brücken dank der lokalen Akteure vor Ort heute zu- mindest mehr Nahverkehr denn je aufweisen.“

Ein Wermutstropfen bleibt der nach wie vor nicht unterzeichnete Staatsvertrag zum Ausbau des polnischen Streckenabschnitts zwischen Zittau und Hrádek nad Nisou. Dies verhindert die fahrplantechnische Einbindung der Linie Liberec – Zittau – Varnsdorf – Seifhennersdorf in den Zittauer Nullknoten. Das führt zu Reisezeitverlängerungen; besonders für jene Fahrgäste, die von Liberec nach Görlitz und Berlin reisen.

Indessen sieht die Regionalgruppe in der regionalen internationalen Zusammenarbeit ebenso Verbesserungspotentiale. Beispielsweise schickt sich die Wojewodschaft Dolnośląskie an, die teilweise auf der gleichen Trasse wie die Neißetalbahn (Görlitz-Zittau) verlaufende Bahnstre- cke Zgorzelec-Bogatynia im Personenverkehr zu reaktivieren. „ZVON und Wojewodschaft müs- sen ihre diesbezüglichen Planungen besser miteinander vernetzen und insbesondere ihre Hal- tekonzepte miteinander absprechen“, meint dazu Matthias Böhm, Fahrplanexperte der Regi- onalgruppe und Stadtrat in Zittau. Neue Haltepunkte in Bratków unweit des Klosters Marient- hal sowie im Bereich Trzciniec nahe Rosenthal wären für die Erschließung der Dörfer und der touristischen Ziele im Neißetal ebenso von Bedeutung wie der noch immer nicht realisierte Halt am Berzdorfer See.

Darüber hinaus müsste in enger Kooperation mit dem Ústecký kraj ein Verkehrskonzept entwickelt werden, das die derzeit nicht im SPNV bedienten Bahnstrecken von Rumburk über Ebersbach nach Löbau sowie von Seifhennersdorf über Eibau nach Ebersbach/Löbau einbezieht. Hierdurch würden die eng miteinander verflochtenen Gebiete beiderseits der Grenze aus ihrer derzeitigen verkehrsgeografischen Randlage befreit werden.

Verbesserungen wünscht sich der Fahrgastverband PRO BAHN auch für den grenzüberschrei- tenden Busverkehr; etwa in Form einer Angebotsausweitung auf der bisher nur am Wochen- ende verkehrenden Buslinie von Hrádek über Zittau, Bogatynia und Frýdlant nach Świeradów- Zdrój. Diese Linie könnte dann nicht nur für touristische Zwecke, sondern auch für die stei- gende Zahl der Grenzpendler bedeutsam werden.

Ingo Koschenz verweist auf ähnliche Überlegungen für eine grenzüberschreitende Buslinie Šlu- knov-Sohland: „Bereits jetzt wird der neue RE 2-Halt in Sohland gut angenommen. Man müsste ihn ebenso für tschechische Fahrgäste nutzbar machen.“ Mittelfristig sollte dazu die Zahl der Züge zwischen Dresden und Zittau ausgeweitet werden. Hierzu müsste aber zunächst die in den letzten Jahren vorschnell rückgebauten Kreuzungsgleise wiederhergestellt werden. „Der Bund hat sich seine Verkehrswende hier sprichwörtlich selbst verbaut“, so Koschenz‘ Fazit: „Auf einer geschrumpften und kaputtgesparten Infrastruktur gibt es nur eine Verkehrswende rück- wärts! Eigene Pläne und eigenes Handeln müssen endlich wieder zusammenpassen.“

Pressemeldung Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland e.V.,

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