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Mittwoch, 18 Juli 2018 14:59

Berlin: IGEB begrüßt die S-Bahn-Qualitätsoffensive und fordert ein Programm "S-Bahn 2024"

Die Qualitätsoffensive der Deutschen Bahn für die Berliner S-Bahn wird durch den Berliner Fahrgastverband IGEB ausdrücklich begrüßt. Damit hat die Deutsche Bahn fast 10 Jahre nach der großen S-Bahn-Krise endlich anerkannt, dass die vielfältigen Probleme bei der S-Bahn nur durch die Zusammenarbeit aller berührten Unternehmensbereiche gelöst werden können.

Gut ist auch, dass die Berliner S-Bahn einer von acht Schwerpunkten im Rahmen der Berlin-Brandenburger Infrastrukturinitiative „i2030“ ist, aber es muss schneller gehen. Denn das größte Problem der Berliner S-Bahn, Deutschlands S-Bahn mit den meisten Fahrgästen, ist die unzurei-chende Streckeninfrastruktur, für die nicht die S-Bahn GmbH verantwortlich ist, sondern DB Netze.

Noch immer behindern Nachkriegsprovisorien den alltäglichen Betrieb, z.B. die vielen eingleisigen Streckenabschnitte. Noch immer sind nicht alle Lücken als Folge des Mauerbaus wieder geschlossen. Außerdem ist auf einigen Abschnitten der Signalabstand zu groß, um im Regelverkehr oder auch nur im Störungsfall mit einem dichteren Zugabstand fahren zu können. Ebenso ist die Stromversorgung nicht ausreichend und schon gar nicht für die Zukunft hinreichend dimensioniert. Nicht zuletzt ärgern sich die Fahrgäste darüber, dass es noch immer einzelne S-Bahnhöfe ohne moderne Zugzielanzeiger gibt. Dass es für die Ausweitung des S-Bahn-Angebotes auch zu wenige Fahrzeuge gibt, ist allerdings vor allem dem Berliner Senat anzulasten, der die Ausschreibung des Teilnetzes „Ring“ jahrelang verzögerte, so dass die mit dem Zuschlag für dieses Teilnetz verbundene Bestellung neuer Fahrzeuge ebenfalls um Jahre zu spät erfolgte.

Aufgrund all dieser Defizite fordert der Berliner Fahrgastverband IGEB den Senat von Berlin, die Landesregierung von Brandenburg, die Deutsche Bahn und den VBB auf, ein schnelles und tiefgreifendes Programm zur Ertüchtigung der Berliner S-Bahn zu initiieren und auch den Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn und der S-Bahn GmbH in die Verantwortung zu nehmen. Der 2024 bevorstehende 100. Geburtstag der Berliner S-Bahn ist ein guter Anlass für ein solches Programm, damit die bevorstehenden 20er Jahre wieder „Goldene Zwanziger“ werden – für die Fahrgäste in Berlin.

Für die Berliner Ring-S-Bahnstrecke schlägt der Berliner Fahrgastverband IGEB folgende Infrastrukturverbesserungen vor, um die Betriebsqualität zu stabilisieren und zu verbessern.

• Westend
3. Bahnsteigkante und Spurplananpassung, Große Kehre zur Zugbildungsanlage aufwerten und Richtung Messe Nord anbinden

• Jungfernheide
Aufwertung zum Bahnhof (Anpassung Leit- und Sicherungstechnik)

• Beusselstraße
Aufbau zweigleisige Kehranlage zwischen Beusselstraße und Westhafen, beidseitig angebunden (Mindestkapazität 4 Vollzüge = 32 Wagen)

• Westhafen
Kehr- und Abstellkapazität für S21, siehe Beusselstraße

• Wedding
Prüfung, ob 3. Kante realisierbar (Einfädelung S21)

• Gesundbrunnen
Spurplananpassung: Prüfen, inwiefern zusätzliche Gleiswechsel möglich sind, Errichtung einer Kehranlage Richtung Humboldthain (Nordsüd-S-Bahn)

• Schönhauser Allee
Spurplananpassung: fehlenden 4. Gleiswechsel ergänzen

• Prenzlauer Allee
Aufwertung zum Bahnhof (Anpassung LST)

• Greifswalder Straße
Spurplananpassung: Weichentrapez Richtung Prenzlauer Allee ergänzen, Kehranlage Richtung Landsberger Allee anbinden

• Landsberger Allee
Spurplananpassung: beidseitig 2. Gleiswechsel, direkte Ein-/Ausfahrmöglichkeit zur Kehre Greifswalder Straße

• Frankfurter Allee
Spurplananpassung: Weichentrapez Richtung Storkower Straße

• Ostkreuz
Errichtung eines nördlichen Kehrgleises (Gleislage Fernbahn anpassen)

• Treptower Park
Spurplananpassung: Flexibilität durch zusätzliche Gleiswechsel erhöhen

Neukölln
Spurplananpassung für flexible Nutzung, Entflechtung durch 3. Bahnsteigkante

• Hermannstraße
Verlängerung eines Kehrgleises für 12 statt 8 Wagen (Reserve für Schadzüge)

• Tempelhof
Anpassung Leit- und Sicherungstechnik für höhere Zugdichte Hermannstraße – Tempelhof

• Südkreuz
Anpassung Leit- und Sicherungstechnik in der Zugbildungsanlage (muss mit Fahrgästen durchfahrbar sein)

• Schöneberg
Spurplananpassung: Weichentrapez/-kreuz Richtung Südkreuz ergänzen

• Innsbrucker Platz
beidseitige Anbindung der Kehranlage Bundesplatz => Aufwertung zum Bahnhof

• Bundesplatz
siehe Innsbrucker Platz

• Heidelberger Platz
Aufwertung zum Bahnhof (Anpassung LST)

Halensee
Spurplananpassung: 2. Gleiswechsel Richtung Westkreuz

• Westkreuz
Aufwertung zum Bahnhof (Anpassung LST)

• Messe Nord/ZOB
Spurplananpassung: Trapez Richtung Westkreuz, direkte Anbindung Kehre Westend

Pressemeldung Berliner Fahrgastverband IGEB e.V.

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