english

Montag, 06 August 2018 19:08

Bayern: Herbst für die Integrale und Talente bei der Bayerischen Oberlandbahn

DSC 0280.jpgaCSC 0365.jpga.jpgaab

Sie führen bislang eher ein Schattendasein bei den Eisenbahnfreunden, die Triebwagen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), die die bayerische Landeshauptstadt mit seit 1997 mit Bayerischzell, Schliersee, Tegenrnsee und Lenggries verbinden. Derzeit wird der Verkehr mit 17 Triebwagen des Typs Integral abgewickelt, die   da dieser Fahrzeugtyp seit der Pleite des Herstellers "Jenbacher Werke" nicht mehr lieferbar ist - noch durch 9 Fahrzeuge vom Typ "Talent " unterstützt werden, die nach und nach von anderen "Transdev / Veolia-Betrieben" übernommen worden sind um den Verkehr ins Oberland verstärken zu können.

CSC 0374.jpgabCSC 0331.jpga

Insbesondere die Integrale machten bei der Betriebsaufnahme der BOB vor rund 20 Jahren, die damals noch zum DEG-Konzern gehörte, von sich reden, da sie überhaupt nicht ausgereift waren und die Betriebsaufnahme des damals politisch so gewollten ersten bayerischen Privatisierungsprojektes im Nahverkehr zum wahren Desaster wurde. Die Fahrzeuge mussten in der Folge alle zurück ins Herstellerwerk, während im Oberland, teils abenteuerliche Ersatzkonzepte (dänische Rundnasen-Loks, TAG 7 Plandampf am Tegernsee etc.) gefahren wurden, ehe die DB mit ihren 218 zumindest interimsmäßig zurückkehrte.

Die Rechnung dafür, musste der Fahrzeughersteller, die eigentlich sehr traditionsreiche österreichische Fahrzeugschmiede "Jenbacher Werke" - bis dato quasi "Hoflieferant der ÖBB für Dieselloks und Triebwagen - begleichen. Dies ist auch der Grund, warum es ihn heute nicht mehr gibt und warum dieser Fahrzeugtyp, der von der Bayerischen Staatsregierung damals eigentlich als "Heilsbringer schlechthin"  für den bayerischen Nahverkehr gesehen wurde, heute als absolutes Unikat von nur 17 Fahrzeugen existiert.

Auch die sehr formschönen und bequemen Talent-Triebwagen finden sich heute in Deutschland mit nur sehr wenigen Exemplaren im Planeinsatz. Das Hauptproblem für die BOB: Talent und Integral sind betrieblich nicht kompatibel, darüberhinaus gelingt es der Werkstatt in Schliersee heute nur mehr mit größtem Aufwand die 17 Integrale am laufen zu halten, da es kaum noch Ersatzteile gibt.

Bei der Vorstellung der neuen Lint 54 am 2. August 2018, die ab Dezember 2018 für die ebenfalls zum Transdev-Konzern gehörige "Bayerische Regiobahn" im Allgäu auf den Strecken von München nach Füssen und Augsburg- Landsberg/Lech zum Einsatz kommen werden, kündigte der neue BOB-Chef Fabian Animi nun einen Paukenschlag an: Man plant ebenfalls die Anschaffung von 25 baugleichen neuen Lint 54 fürs Oberland, die dann auch kompatibel mit denen im Allgäu sein sollen, und so ab 2020 einen kostengünstigen, freizügigen Einsatz ermöglichen sollen.

Die jetzt im Oberland eingesetzten Fahrzeuge (Talent und Integral), sollen dem Vernehmen nach "ins Ausland verkauft " werden. Das alles ist umso bemerkenswerter, als dass sich die BOB ja in einem seit 2016 laufenden Verkehrsvertrag befindet (damals  war das Oberlandnetz bewusst mit den Integralen - ein anderer Betrieber hätte sie übernehmen müssen - ausgeschrieben worden). Diese Tatsache ließ auch alle anderen Bewerber damals zurückziehen und letztendlich die BOB als einzigen Betreiber übrigbleiben. Ein DB-Sprecher bezeichnete damals die Übernahme und den Betrieb der Talente für weitere 10 Jahre als "Himmelfahrtskommando" ...

Alexander Bauer

Zurück