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Sonntag, 12 August 2018 10:06

Baden-Württemberg: Verkehrsbetriebe Karlsruhe geben Bahnrädern den letzten Schliff

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Die Lok Voith Maxima 30CC von "Mertz Kies" im Radsatzbearbeitungszentrum der Verkehrsbetriebe Karlsruhe. Im Hintergrund werden die Räder eine Stadtbahn der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft reprofiliert. Foto VBK.

Pediküre für einen Giganten aus Stahl: Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) konnten gestern eine der größten Loks Europas in ihrem Radsatzbearbeitungszentrums begrüßen. Die Lok vom Typ Voith Maxima 30CC, die sonst im Güterverkehr für das Stuttgarter Mineralstoffunternehmen „Mertz Kies“ im Einsatz ist, war zu Wartungsarbeiten nach Karlsruhe überführt wurden.

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Bernd Kungl von den VBK überwacht an einem Rechnerstand unterhalb des Werkstattgleises die Arbeit der Unterflurdrehmaschine. Foto VBK.

In der fußballfeldgroßen Werkstatthalle am Rheinhafen brachten die Experten der VBK mit einer Unterflurdrehmaschine die Radprofile der 126 Tonnen schweren Diesel-Lok wieder in Form und beugten so weiterem Verschleiß bei den Bahnrädern vor.

„Bei Schienenfahrzeugen muss regelmäßig das Profil der Räder überprüft und bearbeitet werden, sonst gehen die Radsätze kaputt. Denn durch die Reibung auf den Schienen sowie die einwirkenden Brems- und Anfahrkräfte nutzt sich der Stahl sukzessive ab und die Profile verändern sich. Die Räder sind dann nicht mehr rund, sondern gleichen eher einem Vieleck“, erklärt Markus Heck, der Leiter des Radsatzbearbeitungszentrums in der Wikingerstraße. „Durch die Reprofilierung mit der Unterflurdrehmaschine sorgen wir dafür, dass die Räder wieder ‚rund laufen‘. So wird die Lebensdauer der Radsätze verlängert und die Fahrzeuge rollen insgesamt ruhiger und auch leiser auf den Schienen.“

Mit der Installation einer zweiten Unterflurdrehmaschine hatten die VBK Anfang des Jahres den Bau ihres Radsatzbearbeitungszentrums am Rheinhafen erfolgreich abgeschlossen und verfügen seitdem über ausreichende Kapazitäten, um die Radprofilierung auch externen Bahnbetreibern als Dienstleistung anzubieten. Dabei bieten die Unterflurdrehmaschinen den Vorteil, dass die Radsätze für die Reprofilierung nicht ausgebaut werden müssen. Das spart Zeit und vor allem Kosten. Deshalb nutzen bereits viele externe Verkehrs- und Eisenbahnunternehmen die moderne Infrastruktur der VBK und schicken ihre Fahrzeuge zur Pediküre ins Radsatzbearbeitungszentrum im Westen der Fächerstadt.

So nun auch die Heinrich Mertz Kies- und Sandwerke GmbH mit ihrer grauen Voith Maxima-Lok. „Solch ein großes Fahrzeug mit einer Radsatzlast von 21 Tonnen hatten wir auch noch nicht hier in unserer Halle. Die Dimensionen dieser Lok waren schon sehr beeindruckend. Wir können hier aber sogar Fahrzeuge mit einer Radsatzlast von bis zu 30 Tonnen mit der Unterflurdrehmaschine bearbeiten“, sagt Heck.

Damit das Profil von Rad und Schiene optimal zusammenpassen, verrichtet die Radbearbeitungsanlage Millimeterarbeit. Wenn das Profil der Radreifen den festgelegten Grenzwert unterschreitet, wird der Radreifen mithilfe der Unterflurdrehmaschine überdreht, Metall abgespant und das passende Profil wieder hergestellt. Je nachdem wie umfänglich die Arbeiten sind, kommen am Tag jeweils zwei bis fünf Bahnen auf eine der beiden Maschinen, an denen Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet wird. Sie sind in einer Grube montiert, so dass die Schienenfahrzeuge sie direkt befahren können.

Neben den Fahrzeugen von externen Bahnbetreibern werden in dem Radsatzbearbeitungszentrum vor allem die Tram- und Stadtbahnen der VBK und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft instand gehalten. „Die Unterflurdrehmaschinen tragen maßgeblich dazu bei, eine bestmögliche Einsatzfähigkeit unserer Fahrzeuge zu gewährleisten“, sagt Heck.

Im Mai 2014 hatten die VBK im Karlsruher Rheinhafen in unmittelbarer Nähe zum Betriebshof West mit dem Bau des modernen Radsatzbearbeitungszentrums begonnen und 8,5 Millionen Euro in das Projekt investiert. Auf einer Fläche von rund 1.550 Quadratmetern befinden sich in dem Gebäudekomplex neben den zwei Unterflurdrehmaschinen auch Lager-, Werkstatt-, Meister- und Sozialräume sowie eine Heizzentrale und ein Spänecontainer.

Pressemeldung VBK

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