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Mittwoch, 12 September 2018 13:50

Bayern: Mainschleifenbahn seit 2003 eigenwirtschaftlich in Betrieb

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Feierliche Eröffnung der neuen Mainschleifenbahn am 13. September 2003. Mit dabei: die damaligen Landtagsabgeordneten Karin Radermacher (SPD) und Franz Brosch (CSU). Beide hatten sich damals parteiübergreifend für die neue Tourismusbahn eingesetzt und gemeinsam mitgeholfen in München diverse Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Ein „großer Bahnhof“ war für eine kleine Bahn auf die Füße gestellt worden, als am 13. September 2003 die Mainschleifenbahn wieder in Betrieb ging. Nach dreijährigen, intensiven Vorarbeiten rollte der Schienenbus des Fördervereins Mainschleifenbahn zu seiner ersten planmäßigen Fahrt nach Seligenstadt bei Würzburg.

Inzwischen gehört er zu den überregional bekannten touristischen Alleinstellungsmerkmalen der Volkacher Mainschleife und der angrenzenden Orte. Das Interesse an den nostalgischen Fahrten ist nach wie vor ungebrochen – auch wenn Skeptiker damals unkten: „Da fahren die Leut’ halt einmal mit und dann ist’s wieder vorbei“. Doch über die Jahre konnte der rote Schienenbus kontinuierlich steigende Fahrgastzahlen verzeichnen und zieht inzwischen Reisende aus ganz Bayern an. Das belegt auch die Zahl der Fahrgäste, die mit der Bahn nach Seligenstadt fahren und dort umsteigen. Inzwischen ist jeder vierte Passagier ein Umsteiger – Tendenz zunehmend! Zu einem weiteren Standbein der Mainschleifenbahner haben sich inzwischen werktägliche Sonderfahrten entwickelt. Auch die Region profitiert von der ehrenamtlichen Tourismusbahn. Allein durch die Mainschleifenbahn fließen jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Euro Mehrumsatz in die Region – so eine wissenschaftliche Studie.

Stolz ist der Verein bis heute darauf, dass er den Fahrbetrieb völlig eigenwirtschaftlich durchführt, also ohne einen einzigen Cent an Betriebskostenzuschüssen. Seit 2003 hat sich nicht nur an der Strecke viel getan: 2004 kaufte der Förderverein seinen eigenen Schienenbus und wenig später noch einen Steuerwagen. Zudem wurden in Prosselsheim ein neues Abstellgleis mit Weiche (2007/2008) und eine Halle (2010) gebaut, die Strecke gekauft (2011), der Haltepunkt Astheim an das Brückenhaus verlegt und begrünt (2013/2014) sowie der Bahnsteig in Seligenstadt angehoben und damit fahrgastfreundlicher gemacht (2017). Bereits 2007 hatte die Marktgemeinde Eisenheim im Bereich des alten Bahnhofs einen neuen Bahnsteig angelegt.

Mit der Verleihung des Weintourismuspreises 2018 würdigte der Tourismusverband Franken dieses langjährige Engagement der ehrenamtlichen Eisenbahner und deren Angebot.

Wie in jedem Jahr fährt die Mainschleifenbahn ab diesem Wochenende auch wieder an Samstagen. Es gilt der Regelfahrplan, allerdings beginnen die Fahrten samstags in Seligenstadt erst um 12.45 Uhr und in Astheim um 14.00 Uhr. Der Sonntagsfahrplan bleibt unverändert. Wer mit der Deutschen Bahn über Seligenstadt anreist, erhält gegen Vorlage seiner tagesaktuellen Fahrkarte im Schienenbus einen ermäßigten Tarif. Die Bahnsaison an der Mainschleife endet am 28. Oktober.

Was die seit 2013 angestrebte Reaktivierung der Strecke für eine direkte Verbindung nach Würzburg angeht, ist allerdings anhaltender Stillstand zu verzeichnen. Zwar hatten die Ländräte Nuß, Bischof und Töpper, Würzburgs OB Schuchard sowie die Bürgermeister anliegenden Gemeinden im Frühsommer, die zuständige bayerische Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr Ilse Aigner, angeschrieben und um sie eine Reaktivierung der Strecke mit neuen, umweltfreundlichen elektrischen Hybridtriebwagen gebeten – bislang jedoch vergebens.

Knackpunkt ist derzeit die Berechnung des Fahrgastpotentials. Die erforderliche Schwelle liegt in Bayern bei 1.000/Tag. Doch bevor die für den SPNV zuständige Bayerische Eisenbahn Gesellschaft (BEG) abschließende Zahlen ermitteln kann, benötigt sie noch Informationen zu möglichen Reisenden aus Richtung Gerolzhofen und Wipfeld. Die dafür erforderlichen Angaben bzw. Zusagen aus dem - von einer Reaktivierung nicht direkt betroffenen - Schweinfurter Landratsamt stehen aber seit Monaten aus. Somit wird in München nicht weitergerechnet und schon gar nichts beschlossen.

Dagegen ist im westlichen Mittelfranken die Reaktivierung der Bahnstrecke von Dinkelsbühl nach Dombühl inzwischen genehmigt, auch die Reaktivierung zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen geht voran. Im Bayerischen Wald hatte die BEG erst im Mai den ursprünglich zweijährigen Probebetrieb zwischen Viechtach und Gotteszell bis 2021 verlängert.

Pressemeldung Mainschleifenbahn

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