english

Donnerstag, 13 September 2018 20:04

Sachsen: Abschied vom Zugverkehr Chemnitz - Aue

20180912 001a

Am 14. September 2018 fahren die letzten "richtigen" Züge zwischen Chemnitz Hbf und Aue (Sachs). Ab dem 15. September wird die Strecke für Baumaßnahmen gesperrt und Schienenersatzverkehr voraussichtlich bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt wird der Streckenabschnitt Technopark Chemnitz - Aue dann "als Straßenbahn" wieder ans Netz gehen, der ca. 3,6 km lange Abschnitt der Strecke 6645 nördlich des neuen Verknüpfungspunkts mit der Straßenbahn über Chemnitz Süd verliert dagegen den Personenverkehr.

Damit ist bis auf das kurze Teilstück Muldenberg - Zwotental, das weiterhin von Zügen der Vogtlandbahn bedient wird, die gesamte sächsische CA-Linie (Chemnitz - Adorf) ohne regulären Reisezugverkehr. Die einst von der Chemnitz-Aue-Adorfer Eisenbahn-Gesellschaft (CAAE) erbaute Strecke wurde im betreffenden Abschnitt am 15.11.1875 eröffnet, infolge des Baus der Talsperre Eibenstock ist die Hauptbahn aber schon seit 1975 unterbrochen. Der einst vorgesehene durchgängig zweigleisige Ausbau, sämtliche Brückenwiderlager und die beiden Tunnel waren dafür vorbereitet, wurde nie ausgeführt, lediglich die Abschnitte Chemnitz - Einsiedel und Siebenbrunn - Adorf waren zwischenzeitlich zweigleisig.

Zwar wird das ursprüngliche Konzept, auf dem vorderen Abschnitt Chemnitz - Aue die Chemnitzer Straßenbahn nur bis Thalheim fahren zu lassen und den Rest stillzulegen, nun doch nicht so umgesetzt, aber normale Zuggarnituren wird der ebenfalls im Dezember 2019 wieder in Betrieb gehende Abschnitt Thalheim - Aue dann wohl nicht mehr oder nur noch sehr selten zu Gesicht bekommen. Fortan sollen die Hybrid-Stadtbahnwagen vom Typ Citylink der "Chemnitz Bahn" (CB) den gesamten Abschnitt Chemnitz - Thalheim - Aue bedienen, bis Aue dann im Stundentakt, bis Thalheim halbstündlich.

Kommentar

Es stellt sich die Frage, ob das ein Fortschritt sein wird, und ob das eher auf den Status-Quo-Erhalt ausgelegte Grundkonzept des sogenannten "Chemnitzer Modells" hier wirklich punkten kann. Das bisherige Zugangebot der Erzgebirgsbahn, lediglich im Zweistundentakt bis Aue zu fahren, war völlig unzureichend. Mit Zwönitz, Lößnitz und Aue wurden die größten Siedlungen an der Strecke mit zusammen ca. 37.000 Einwohnern bisher regelrecht "abgespeist", die nun geplante Einführung eines Stundentakts wäre auch ohne Straßenbahnverknüpfung seit langem überfällig gewesen. Von daher ist es unverständlich, wie überhaupt bis 2017 daran festgehalten wurde, den Abschnitt Thalheim - Aue später einzustellen.

Doch offenbar besann man sich, oder kam rechnerisch zu dem Schluss, dass die prognostizierten Fahrgastzahlen bis Thalheim den Umbauaufwand nicht rechtfertigen würden. Mit dem neuen Konzept für die Gesamtstrecke kommen nördlich Thalheim noch vier neue Zwischenstationen hinzu und auf der 51 km langen Strecke mit einer Fahrzeit von über einer Stunde (!) werden die CB-Stadtbahnwagen dann jeweils 21 Mal unterwegs anhalten. Von einer Expresszugverbindung Aue - Chemnitz ohne "Zuckelei" (vielen Zwischenhalten) mit Fahrzeiten unter einer Stunde, oder gar durchgehenden RE-Zugverbindungen Schwarzenberg - Aue - Chemnitz bzw. Chemnitz - Aue - Karlsbad wird der Erzgebirgler wohl weiterhin nur träumen können, es sei denn die DB-Tochter Erzgebirgsbahn erhält hier neue Perspektiven. Es bleibt zu hoffen, dass der jetzige Infrastrukturausbau im Zwönitztal dies nicht technisch unmöglich macht.

Sinnvoll wäre es auch, in einer späteren Ausbaustufe die wie Aue fast gleichgroße benachbarte Stadt Schneeberg noch mit an die Schiene anzuschließen. Gerade hier könnte aufgrund der baulichen Situation ein BOStrab-Betrieb notwendig werden. Bis Aue dagegen könnte ein wesentlich verbessertes Zugangebot mit herkömmlichen Zügen den gleichen Effekt wie der Straßenbahneinsatz erzielen, wenn andere Maßnahmen wie abgestimmte Ortsbussysteme in Zwönitz und Lößnitz sowie städtebauliche Maßnahmen (Einrichtung von Fußgängerzonen in Zwönitz, Lößnitz und Aue sowie die Erweiterung jener in Chemnitz bis zu den Bahnhöfen Mitte und Hauptbahnhof) dies ergänzen würden.

Hans-Jürgen Schulz

Zurück