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Freitag, 12 Oktober 2018 13:06

Hessen: RMV sieht Lokführermangel als bundesweites Problem

Der aktuelle Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen, vor der der öffentliche Nahverkehr derzeit steht – und das bundesweit. Egal, ob in Norddeutschland, Nordrhein- Westfalen oder dem RMV-Gebiet, überall kommt es vor, dass Fahrten wegen Lokführermangel ausfallen, obwohl alle Unternehmen große Anstrengungen unternehmen, um neues Personal anzuwerben.

"In ganz Deutschland ist der Arbeitsmarkt für Lokführer leergefegt", sagt Prof. Knut Ringat, Geschäftsführer des RMV. "Wir haben es wie im Gesundheitswesen und der Pflege mit einem Mitarbeiternotstand zu tun, der direkte Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat, denn ohne öffentliche Mobilität steht unser Land still. Anders als manche behaupten, liegt der Lokführermangel keineswegs daran, dass die Verkehrsunternehmen zu wenig Personal einstellen. Die Arbeitgeber werben seit Jahren händeringend um jeden Mitarbeiter, finden aber nicht mehr ausreichend Personal."

Demografischer Wandel verschärft Lage

Die Gründe hinter dem Fachkräftemangel sind vielfältig: Zu wenig Nachwuchskräfte, eine hohe Fluktuation und hohe Krankenstände, beispielsweise aufgrund suizidaler Unfälle, sorgen dafür, dass die Personaldecke dünn ist. Gleichzeitig wächst der ÖPNV in ganz Deutschland: Immer mehr Menschen nutzen Busse und Bahnen. Der RMV reagiert auf diese positive Tendenz mit zusätzlichen Verbindungen und engeren Taktungen, damit alle komfortabel ans Ziel gelangen. Auch wenn der höhere Stellenwert des öffentlichen Nahverkehrs erfreulich ist – die dafür verstärkt auch in den Nachtstunden und am Wochenende erforderlichen Schichten müssen mit zusätzlichem Personal besetzt werden. Auch Tarifvereinbarungen wie sie beispielsweise bei der Deutschen Bahn seit 2018 gelten und kürzere Arbeitszeiten oder zusätzliche Urlaubstage vorsehen, sorgen für einen höheren Personalbedarf. Der demografische Wandel verschärft die Lage: Nach einer Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sind fast 40 Prozent der Beschäftigten in Verkehrsunternehmen älter als 50 Jahre und gehen damit in kommenden 15 Jahren in den Ruhestand.

Unterstützung von Bund und Gesellschaft nötig

Bis zu 30.000 Neueinstellungen planen die deutschen Nahverkehrsunternehmen laut der VDV- Studie bis zum Jahr 2020 und ziehen dafür viele Register: Umschulungen und Quereinstiege bieten auch Menschen in höherem Alter und aus anderen Branchen Perspektiven, großangelegte Werbekampagnen machen auf die Berufe aufmerksam und die Gehälter gehen nach oben.

"Als Branche steuern wir hier bereits mit Lohnplus und besseren Arbeitsbedingungen gegen, um aber wirklich den Hebel herumzureißen, brauchen wir Unterstützung, insbesondere vonseiten des Bundes und der gesamten Gesellschaft", so Ringat, der in seiner Funktion als Vizepräsident des VDV auch überregional gegen den Fachkräftemangel kämpft. "Busfahrer und Lokführer müssen als Mangelberufe anerkannt und somit in Ausbildung, Umschulung, Qualifizierung und Quereinstieg auch von staatlicher Seite umfassend gefördert werden. Zudem ist eine höhere Wertschätzung der Berufe vonseiten der Gesellschaft ein ganz zentraler Punkt, um mehr Menschen für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern. Damit das funktioniert, muss die Branche die Bedeutung des ÖPNV und der Beschäftigten für die Daseinsvorsorge und eine nachhaltige, zukunftsfähige Mobilität noch stärker deutlich machen."

Pressemeldung RMV

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