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Samstag, 13 Oktober 2018 08:00

Sachsen / Böhmen: Nationalparkbahn

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Der staatlich anerkannte Kurort Bad Schandau liegt als Zentrum des Nationalparks Sächsische Schweiz direkt an der europäischen Magistrale, die den Nord-Ostseeraum mit dem östlichen Mittelmeer verbindet. Zum dortigen Nationalparkbahnhof kann man jedoch nicht nur direkt mit dem Eurocity von Hamburg, Berlin, Dresden, Prag oder Budapest aus reisen. Von hier zweigt auch die 1877 eröffnete Bahnstrecke nach Bautzen ab.

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Während die auch als Sächsische Semmeringbahn bekannte Verbindung bis Neustadt noch in Betrieb ist, wurde der weitere Verkehr nach Bautzen durch den Neubau einer Bundesstraße im Jahr 2006 endgültig unterbrochen, nachdem der Personenverkehr bereits zwei Jahre vorher von den dortigen Aufgabenträgern abbestellt wurde.

Im Jahr 2014 dagegen konnte erfreulicherweise die Wiedereröffnung der in Sebnitz abzweigenden grenzüberschreitenden Verbindung nach Rumburg über Dolní Poustevna (Nieder Einsiedel) und Šluknov (Schluckenau) gefeiert werden. In Rumburg besteht in Richtung Süden Anschluss an den tschechischen Fernverkehr nach Kolin über Česká Lípa (Böhmisch Leipa) und Mladá Boleslav (Jungbunzlau). In Richtung Norden verläuft die von der Böhmischen Nordbahn-Gesellschaft (BNB) gebaute Strecke bis nach Ebersbach (Sachsen) bzw. nach Jiříkov (Georgswalde) zum in der Zwischenkriegszeit von der ČSD errichteten und bis 2006 genutzten Bahnhof. Derzeit gibt es verschiedene Überlegungen, die in Rumburg endenden Züge der Nationalparkbahn zu verlängern: Langfristig über eine Neubaustrecke nach Varnsdorf (Warnsdorf), womit eine schnelle Verbindung über Zittau nach Liberec (Reichenberg) hergestellt werden könnte.

Bis zur Realisierung dieses Lückenschlusses könnte die vor allem von tschechischer Seite forcierte Direktverbindung von Děčín (Tetschen) nach Liberec zum einen über Krásná Lípa (Schönlinde) und Rybniště (Teichstatt) hergestellt werden. Somit könnte das Nationalparkzentrum der Böhmischen Schweiz ebenfalls eingebunden werden, und in Rybniště wäre die Verbindung zum heutigen Endpunkt des südlichen Trilex-Astes gegeben. Zum anderen gibt es die bemerkenswerte Idee, den momentan nicht im Regelverkehr befahrenen Ast der BNB nach Ebersbach zu nutzen. Damit wäre eine weitere grenzüberschreitende Verbindung wiederhergestellt, zudem besteht dort Anschluss an die Regionalexpresszüge nach Dresden sowie Zittau-Liberec. Von dort aus könnte die Bahn über Eibau und das seit 2006 nicht mehr bediente Teilstück der Mandaubahn nach Seifhennersdorf Anschluss an den nördlichen Trilex-Ast herstellen (seit 2015 enden die Züge aufgrund einer fehlenden Sicherheitsbescheinigung für den grenzüberschreitenden Abschnitt am privat finanzierten Haltepunkt Varnsdorf Pivovar Kocour). Darüber hinaus wäre unter Berücksichtigung der Ebersbacher Variante auch eine Durchbindung von Zügen über die derzeit ebenfalls nicht im Regelverkehr befahrene Strecke nach Löbau denkbar.

Die Fotos zeigen den Bahnhof Bad Schandau mit Elbfähre (im Bahnhof selbst befinden sich ein Informationszentrum und ein Café), den Marktplatz in Krásná Lípa mit empfehlenswertem Brauhaus, den Bahnhof Rumburg mit Nationalparkbahn und soeben eingefahrenen Zug aus Mikulášovice (Nixdorf - die Nebenstrecke wird nur an Wochenenden bedient), das Stellwerk St2 in Richtung Ebersbach, den Bahnhof Jiříkov mit dem "Blauen Wunder", den Bahnhof Ebersbach vom Blauen Wunder aus gesehen, den seit 2015 bestehenden SEV zwischen Varnsdorf und Seifhennersdorf und den Bahnhofsvorplatz in Seifhennersdorf mit Empfangsgebäude, Postamt und einer seltenen, zweiarmiger Variante der Rostocker Straßenleuchte (RSL). Auf den letzten beiden Fotos sind der derzeitige nördliche Endpunkt des Trilex in Varnsdorf sowie der im Umbau befindliche "Hauptbahnhof" (zahlreiche Nebengebäude wurden abgerissen, der Anschluss zum Kraftwerk scheint außer Betrieb zu sein) zu sehen.

Moritz Hundsdoerfer

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Letzte Änderung am Freitag, 12 Oktober 2018 17:29