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Samstag, 08 Dezember 2018 12:00

Hessen: GDL Frankfurt lobt RMV-Vorstand Ringat - Mitarbeiter bleiben Achillesferse

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Foto links P. Rehn.

Die Ortsgruppe Frankfurt der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer lobt die Äußerungen des RMV-Geschäftsführer Professor Knut Ringat. Dieser hatte sich in einem Interview der Frankfurter Neuen Presse eindeutig für die Stärkung des öffentlichen Nahverkehr ausgesprochen. Zugleich wies er aber auch darauf hin, dass das gewünschte und erforderliche Wachstum mit der aktuellen Infrastruktur und Fahrzeugflotte sowie dem vorhandenen Personalstamm nicht zu schaffen sei.

Lars Wachsmuth, Vorsitzender der Ortsgruppe kann ihm da nur beipflichten: "Herr Ringat ist seit fast 40 Jahren im Verkehrswesen ein anerkannter Experte, der in diesem Bereich auch als Professor aktiv ist. Wenn es darum geht Menschen sicher, pünktlich und zufrieden von A nach B zu bringen macht ihm keiner was vor. Wir freuen uns daher, dass er die Schwachpunkte explizit benennt."

Die GDL kritisiert bereits seit geraumer Zeit die bundesweit fehlende und unzureichende Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), wozu neben Bus, Straßen- und U-Bahnen auch die S-Bahnen und Regionalzüge gehören. Im Rhein-Main-Gebiet sind neben der Deutschen Bahn auch die Hessische Landesbahn und VIAS unterwegs, welche sich mit Güter- und Fernverkehrszügen - die ebenfalls von unterschiedlichen Unternehmen betrieben werden - jedoch zumeist nur ein Streckennetz teilen. Dieses gehört bis auf wenige Ausnahmen komplett der Deutschen Bahn, und wurde in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten im Vorfeld des einst geplanten Börsengang stark optimiert. Hinzu kommt der Anspruch der Bundesregierung als Eigentümer der Deutschen Bahn, dass diese jedes Jahr eine halbe Milliarde in den Bundeshaushalt einbringen soll. Wachsmuth: "Herr Ringat kritisiert zurecht, dass die Infrastruktur nicht mithalten kann mit den zu erwartenden Fahrgastzahlen. Kurzfristig bereit gestelltes Geld hilft jedoch nicht allein, denn der Ausbau dauert inklusive Planung meist Jahre. Dabei darf man die Bevölkerung und die Anwohner nicht übergehen, das hat die Vergangenheit immer wieder bewiesen."

Durch die Vorgabe der Europäischen Union, dass Verkehrsleistungen alle zehn bis zwanzig Jahre ausgeschrieben werden müssen kommt dabei zwar der günstigste, aber meist bei Weitem nicht immer der beste Anbieter von Nahverkehrsleistungen zum Einsatz - was die Fahrgäste täglich zu spüren bekommen. Zugausfälle, schlechte Reinigung oder fehlende Wagen und Zugteile paaren sich dabei mit Verspätungen, die Züge aufgrund der nicht ausreichenden Kapazitäten auf Strecken und Bahnhöfen sammeln.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist das Personal, wie Wachsmuth erläutert: "Gut qualifizierte, freundliche und pflichtbewusste Kolleginnen und Kollegen wachsen nicht auf Bäumen. In nahezu allen Unternehmen der Branche werden in jeder Berufsgruppe händeringend Leute gesucht. Im Wettbewerb mit anderen Unternehmen in Industrie und Handel ziehen die Verkehrsunternehmen jedoch durch die verschiedenen Sparvorgaben meist den Kürzeren. Das vorhandene Personal arbeitet daher meist an der Leistungsgrenze, was auch schneller zu Erkrankungen führt. Die Devise "Geiz ist geil" ist der Verkehrsverlagerung - und somit auch der Umwelt - absolut abträglich."

Die GDLer aus Frankfurt fordern daher beispielsweise die Festschreibung ihrer Tarifverträge als Standard im hessischen Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Wachsmuth: "Unser Tarifvertrag für das Zugpersonal hat mittlerweile bundesweit regelnden Charakter. Ergänzend gibt es einen Vertrag, welcher den Wechsel der Mitarbeiter von einem Unternehmen zum Nachfolger regelt. Dies gibt den Kolleginnen und Kollegen auch langfristig Sicherheit, denn wer kann schon eine wirklich verlässliche Zukunft für seine Familie und sich planen, wenn der Verkehrsvertrag beispielsweise in vier oder fünf Jahren endet?"

Für die Mitarbeiterinnen der in Hessen tätigen SPNV-Unternehmen gibt es allerdings auch andere Faktoren, die man einfließen lassen kann. Wachsmuth: "Vorstellbar ist beispielsweise auch, dass unsere Kolleginnen und Kollegen - unabhängig von ihrer Tätigkeit im jeweiligen Unternehmen - eine vergünstigte oder kostenfreie Fahrkarte bekommen. Mit dieser könnten sie zur und von der Arbeit wieder nach Hause fahren, egal in welchem Verkehrsmittel."

Ähnliches gibt es bereits mit dem Schülerticket Hessen für 365 Euro im Jahr oder dem kostenlosen LandesTicket Hessen, welches für die 150.000 Landesbediensteten gilt. Die Lohnsituation und der Wettbewerb um neue Mitarbeiter könnte hierdurch möglicherweise auch entschärft werden, denn in vielen Unternehmen zählen mittlerweile auch zahlreiche "weiche Faktoren" wie eben kostenlose oder vergünstigte Fahrkarten, Freizeitangebote, flexible Arbeitszeitmodelle und Mehr. Wachsmuth: "Aktuell ist es leider so, dass die Kolleginnen ihre Fahrkarten meist selbst zahlen müssen. Es liegt daher auch an der Landesregierung und den beiden Verkehrsverbünden RMV und NVV, die sich die Frage stellen müssen: Wollen wir die Verkehrswende auf gesunde Beine als Ganzes stellen, oder von einem Feuer zum nächsten eilen? Zufriedene Fahrgäste und Mitarbeiter kann man nicht kaufen, man muss sie auch langfristig an sich binden."

Pressemeldung GDL Frankfurt

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Letzte Änderung am Samstag, 08 Dezember 2018 21:10