english

Dienstag, 18 Dezember 2018 14:04

Bayern: Bayerische Eisenbahngesellschaft erteilt Zuschlag im Vergabeverfahren 'Augsburger Netze'

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert, hat heute den Zuschlag für das Projekt "Augsburger Netze" im Los 1 an die Go-Ahead Verkehrsgesellschaft Deutschland GmbH und im Los 2 an die Bayerische Regiobahn GmbH erteilt. Der Zuschlag konnte wegen der Einspruchsmöglichkeiten der unterlegenen Bieter erst nach Ablauf einer zehntägigen Wartefrist nach der Zuschlagsankündigung vom 07. Dezember 2018 erteilt werden.

Die Go-Ahead Verkehrsgesellschaft Deutschland GmbH ist eine Gesellschaft der britischen Go-Ahead Group und hat bereits im August 2018 den Zuschlag für das im Dezember 2021 beginnende E-Netz Allgäu erhalten. Zudem wird Go-Ahead ab 2019 mehrere Verkehre in Baden - Württemberg, z.T. auch grenzüberschreitend nach Bayern, betreiben. Die Bayerische Regiobahn GmbH ist der aktuelle Betreiber der ausgeschriebenen Linien des Loses 2, der zudem seit dem 9. Dezember 2018 das angrenzende Dieselnetz Augsburg I betreibt.

Das Los 1 wurde gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg ausgeschrieben und umfasst folgende Linien:

• Ulm - Augsburg - München

• Würzburg - Ansbach - Treuchtlingen - Donauwörth - Augsburg

• Aalen - Nördlingen - Donauwörth

Das Los 2 befindet sich hingegen ausschließlich in Bayern und umfasst folgende Linien:

• Schongau - Weilheim - Geltendorf - Mering - Augsburg Hbf - Gessertshausen - Langenneufnach

• Augsburg - Aichach - Ingolstadt Hbf

• (Ingolstadt Hbf) - Eichstätt Bahnhof - Eichstätt Stadt

Die Vertragslaufzeit von neun Jahren (Los 2) bzw. zwölf Jahren (Los 1) setzt sich aus drei Betriebsstufen zusammen. Das Leistungsvolumen beträgt rund 10,7 Millionen Zugkilometer pro Jahr, davon 10,3 Millionen in Bayern.

Drei Betriebsstufen

Die Betriebsstufe 1 startet ab Ende 2022 zusammen mit der reaktivierten Staudenbahn. Nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke Stuttgart - Ulm und des Projekts Stuttgart 21 sowie der weiteren Umbauten am und um den Augsburger Hbf ("Mobilitätsdrehscheibe") wird die Betriebsstufe 2 gefahren. Die Betriebsstufe 3 beginnt mit Fertigstellung der 2. S-Bahn-Stammstrecke in München voraussichtlich Ende 2026.

In der 1. Betriebsstufe wird das bisherige Fahrplankonzept weitgehend fortgeführt. Neu ist hier insbesondere: Die Linie Treuchtlingen - Würzburg wird aus dem E-Netz Würzburg herausgelöst und gehört künftig zum E-Netz Augsburg. Dies ermöglicht die 2-stündliche umsteigefreie Verbindung von München und Augsburg Richtung Ansbach und Würzburg.

Das bereits bestehende, erfolgreiche Fahrplanangebot wird durch folgende Maßnahmen für die beiden Lose ergänzt:

• Umsteigefreie Fahrt auf der Strecke München - Augsburg - Nördlingen - Aalen im Zwei-Stunden-Takt (bisher nur am Wochenende). Die Züge von München nach Ulm verkehren tagsüber umsteigefrei ebenfalls im Zwei-Stunden-Takt. Zusammen mit zweistündlichen Umsteigeverbindungen bleibt die stündliche Fahrmöglichkeit erhalten.

• Mindestens stündliche Bedienung der reaktivierten Staudenbahn auf der Strecke Gessertshausen - Langenneufnach. Im Berufs- und Schülerverkehr gibt es nach Augsburg durchgehende Fahrten sowie zusätzliche Züge, die optimal an die Schulzeiten in Neusäß und Diedorf angepasst sind. Diese Züge ersetzen auch die heutigen Pendelfahrten zwischen Augsburg und Gessertshausen.

• Ganztägiger 30-Minuten-Takt an Samstagen von Augsburg nach Dinkelscherben und von Augsburg nach Aichach.

• Zusätzliche Züge im Berufs- und Schülerverkehr auf den Strecken Ansbach - Würzburg und Ansbach - Treuchtlingen.

• Zusätzliche Verbindung im Berufsverkehr gegen 17:00 Uhr zwischen (München-) Dinkelscherben und Ulm. Die Verbindung gegen 21:30 Uhr von Augsburg nach Ulm entfällt.

• Zusätzlicher Zug im Berufsverkehr gegen 06:30 Uhr ab Donauwörth nach Augsburg ( - München). Die Verbindung gegen 17:30 Uhr auf der Linie Donauwörth - Augsburg entfällt.

• Neuer Express-Zug Montag bis Freitag gegen 19:00 Uhr von Donauwörth über Nördlingen nach Aalen mit schnellem Anschluss nach Stuttgart

• Neues Fahrplankonzept auf der Ammerseebahn zur Anpassung an den neuen Fahrplan Buchloe - Geltendorf - München nach der Elektrifizierung der Strecke München - Memmingen - Lindau mit um 30 Minuten versetzten Fahrplanzeiten sowie geänderten Anschlüssen, insbesondere in Geltendorf und Weilheim

• Bedienung der geplanten neuen Halte in Brunnen und Würzburg-Heidingsfeld Ost

In der Betriebsstufe 2 wird aufgrund der erheblich verkürzten Fahrzeit ein deutlich ausgeweitetes Fernverkehrsangebot zwischen Stuttgart und München erwartet. Solange die Strecke Augsburg - Ulm nicht ausgebaut ist, wird dies voraussichtlich vermehrt zu Überholungen und Fahrzeitverlängerungen im Regionalverkehr führen.

In Betriebsstufe 3 wird die Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke der S-Bahn München zu einem abermals neuen Fahrplankonzept zwischen München und Buchloe führen mit neuer Regional-S-Bahn im 30-Minuten-Takt von Buchloe über Geltendorf in die neue Stammstrecke in München. Damit kann auf der Ammerseebahn wieder zu dem bewährten heutigen Fahrplankonzept zurückgekehrt werden.

Fahrzeuge

In beiden Netzen werden Neufahrzeuge zum Einsatz kommen:

Im Los 1 wird eine Mischflotte aus einstöckigen Triebzügen des Typs Mireo sowie doppelstöckigen Triebzügen des Typs Desiro HC von Siemens eingesetzt. Die Fahrzeuge sind für 160 km/h zugelassen und können flottenübergreifend untereinander gekuppelt werden. Die Fahrzeuge verfügen an jedem Einstieg über einen Mehrzweckbereich. Eine umfassend barrierefreie Ausstattung ist selbst-verständlich. Großzügige Sitzteiler, ein hoher Vis-à-vis-Anteil, teilweise klappsitzfreie Mehrzweckbereiche und Gepäckracks erhöhen den Komfort zusätzlich.

Im Los 2 werden neue Dieseltriebzüge vom Typ Lint 41 von Alstom eingesetzt. Die Fahrzeuge sind für 140 km/h zugelassen. Auch diese Fahrzeuge verfügen an jedem Einstieg über einen Mehrzweckbereich. Eine umfassend barrierefreie Ausstattung ist ebenso selbstverständlich. Großzügige Sitzteiler, ein hoher Vis-à-vis-Anteil, teilweise klappsitzfreie Mehrzweckbereiche und Gepäckracks erhöhen den Komfort auch im Los 2 zusätzlich.

Barrierefreiheit

Besonderen Wert legt die BEG auf die Barrierefreiheit. Die neuen Fahrzeuge ermöglichen einen stufenfreien Einstieg an Bahnsteigen mit einer Höhe von 76 Zentimetern (Los 1) bzw. 55 Zentimetern (Los 2) über Schienenoberkante. Während die Fahrgäste im Los 1 beim Einstieg an den bereits barrierefrei ausgebauten Stationen heute noch eine Stufe nach unten überwinden müssen, gelangt man künftig stufenfrei in die neuen Züge. Zudem lässt der Freistaat einige heute noch sehr niedrige Bahnsteige aufhöhen. Außerdem sind alle Züge mit rollstuhlgerechten Einstiegshilfen, rollstuhlgerechten Toiletten, Rollstuhlplätzen und Vorrangsitzplätzen für mobilitätseingeschränkte Reisende ausgestattet. Die Fahrzeuge entsprechen den neuesten Vorschriften zur Barrierefreiheit.

Hohe Qualitätsanforderungen

Um den Fahrgästen einen hohen Komfort und umfangreichen Service zu bieten, gel-ten hohe Anforderungen hinsichtlich Pünktlichkeit und Anschlusssicherung, Störfallmanagement, Sitzplatzkapazitäten, Sauberkeit und Serviceorientierung. Im Interesse einer hohen Pünktlichkeit wurden sogenannte Mindestwendezeiten vorgegeben. So darf beispielsweise ein Zug, der in München ankommt, frühestens nach 20 Minuten zurück Richtung Augsburg fahren. Damit wird vermieden, dass sich die Verspätung eines angekommenen Zugs auf Gegenzüge überträgt. Die Zug-begleitquoten werden in beiden Losen gegenüber dem Status quo deutlich erhöht, im Los 1 auf eine Gesamtquote von rund 180 % statt bisher 60 % und im Los 2 auf 50 % statt 30 %. Zudem wird in - unter Sicherheitsgesichtspunkten - ausgewählten Zügen bedarfsorientiert zusätzliches speziell geschultes Sicherheitspersonal eingesetzt.

Die Sitzplatzkapazitäten, die schon in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht wurden, werden entsprechend der erwarteten Nachfrage, unter besonderer Berücksichtigung des Berufs- und Schülerverkehrs sowie des Freizeitverkehrs an Wochenenden, festgelegt. Zwischen München und Augsburg werden in den Hauptverkehrszeiten Züge mit über 1000 Sitzplätzen verkehren. Abweichungen von den vertraglich vereinbarten Leistungen werden durch Entgeltminderungen (sogenannte Pönale) bestraft. In diesem Vertrag kommt das neue Pünktlichkeits­messsystem der BEG zur Anwendung, durch das u.a. Verspätungen abhängig von ihrer tatsächlichen Dauer pönalisiert werden. Des Weiteren muss das Verkehrsunternehmen am Qualitätsmesssystem der BEG teilnehmen. Damit prüft die BEG die Sauberkeit der Züge, die Funktionsfähigkeit der Ausstattung, die Fahrgastinformation im Zug, die Kompetenz und Serviceorientierung der Zugbegleiter, den Vertrieb, d. h. Fahrschein-automaten und personenbediente Verkaufsstellen als auch die Kundenorientierung bei Beschwerden.

Vorgaben zur Fahrgastinformation

Die Züge müssen mit einem kundenfreundlichen Echtzeit-Fahrgastinformationssystem ausgestattet werden: Monitore in den Zügen sollen über aktuelle Ankunfts- bzw. Abfahrtszeiten sowie Anschlussbeziehungen an den jeweiligen Bahnhöfen informieren. Alle relevanten Soll- und Echtzeitdaten müssen zudem an DEFAS Bayern, den bayernweiten Datenpool für Auskunftssysteme, fließen. Die Fahrzeuge sind auf die Nachrüstung von Fahrgast-WLAN und Repeatern vorzubereiten.

Tarif und Vertrieb

Die Fahrgäste müssen ohne besonderen Aufwand jederzeit Tarifinformationen erhalten und einen Fahrschein kaufen können. Das gilt für Verbundfahrscheine und solche nach dem Nahverkehrstarif für Regionalzugfahrten über Verbundgebiete hinaus. Gewünscht wird auch der zusätzliche Verkauf von Fernverkehrsfahrscheinen. Im Interesse der Fahrgäste gibt die BEG für personenbediente Verkaufsstellen Mindest-öffnungszeiten vor. Alle Stationen verfügen über mindestens einen Fahrausweis-automaten.

Personalübergang

Die BEG gibt den Bietern vor, dass sie vom Altbe­treiber die für die Erbringung der Verkehrs­leistung beschäf­tigten Arbeit­neh­me­rinnen und Arbeit­nehmer zu übernehmen haben.

Bruttovertrag mit Anreizelementen

Die BEG schließt mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) einen Bruttovertrag mit Anreizelementen ab. Dieser garantiert den Betreibern ein festes Bestellerentgelt. Die BEG übernimmt bei dieser Form des Vertrags das Erlösrisiko, die Betreiber können eine Prämie bei gestiegenen Fahrgastzahlen erhalten. Bei steigendem Fahrgast-aufkommen profitieren damit sowohl der Freistaat als auch die EVU.

Pressemeldung BEG

Zurück

Letzte Änderung am Dienstag, 18 Dezember 2018 14:14