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Mittwoch, 23 Januar 2019 14:12

Bayern: Winterchaos im Oberland - BOB will gegen DB-Netz klagen

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Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) erwägt, sich die Einnahmeausfälle und Pönalen, die sie durch das Schneechaos im Bayerischen Oberland an den Freistaat Bayern zahlen musste, auf dem Klageweg von DB-Netz zurückzuholen. Der Hintergrund: Vom 08.01.19 an konnten fast zwei Wochen auf dem Oberlandnetz südlich von Holzkirchen, also nach Bayrischzell, Lengries und Tegernsee keine Züge verkehren, da DB-Netz die Schneeräumung der betreffenden Strecken komplett eingestellt hatte.

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Dort begründet man das bisher in der Geschichte der Strecken beispiellose Vorgehen mit den enormen und sehr nassen Schneemengen, die die tagelang über die Region herniedergegangen sind, und letztendlich auch zur Ausrufung des Katastrophenfalles im Landkreis Miesbach und etlichen anderen Landkreisen geführt hatten. Man wollte sich auf die Hauptstrecken konzentrieren und diese freihalten, so ein DB Sprecher. "Da können wir schwach befahrene Nebenstrecken nicht mehr berücksichtigen...."  (Anmerkung: Im Oberlandnetz, verkehren die BOB-Züge in der Hauptverkehrszeit normalerweise im Halbstundentakt. Ein Hohn für alle betroffenen Pendler, darunter auch dem Autor). Die DB Netz räumt ein, die Lage "anfangs unterschätzt" zu haben.

Fabian Animi, seines Zeichens Chef der" Bayerischen Oberlandbahn" (BOB), möchte DB Netz nun für den entstandenen wirtschaftlichen Schaden haftbar machen: "Die Bahn hat zu spät und zu wenige Kapazitäten zur Schneeräumung zur Verfügung gestellt und dann, als nichts mehr ging, die Räumung einfach komplett eingestellt..."

Das Problem der BOB: Zugausfälle werden vom Besteller, also dem Freistaat mit Pönalen geahndet. Diese kann die BOB aber nicht an DB-Netz weiterreichen. Das möchte man nun eventuell auf dem Klageweg ändern.

Interessant ist hierbei, daß es die private Tegernseebahn, die für die Strecke Schaftlach - Tegernsee verantwortlich zeichnet, trotz der zugegebenermaßen extremen Witterung sehr wohl geschafft hat, ihre Strecke befahrbar zu halten (was letztendlich aber nichts genutzt hat, da die zuführenden DB-Strecken "dicht "waren). Deren Chef Heino Seeger  wird in einem Bericht des Münchner Merkur zitiert: "Schneeräumen am Gleis, ist halt auch noch Handarbeit. Nach einem Schneepflugeinsatz benötigt es viele Kräfte, die auch die Weichen freischaufeln. Genau die gibt es bei DB-Netz heute meist nicht mehr ..."

Die Vorkommnisse im Oberland und in vielen weiteren Gebieten Südbayerns (zeitweise war München nur noch von Norden her auf der Schiene erreichbar) entfachten nun in der Lokalpresse erneut die Diskussion, ob regionale Netze beim Bund und seinem Infrastrukturbetreiber noch gut aufgehoben sind oder nicht besser in Landeshoheit überführt werden sollten.

Bilder obere Reihe: Erst ab 17 .Januar war das BOB-Netz wieder leidlich befahrbar. Im Bf. Schaftlach (auch als "Schneeloch" des Bayerischen Oberlandes bekannt) waren gewaltige Mengen nassen, mittlerweile teilweise gefrorenen Schnees zu bewältigen.

Bilder untere Reihe: Im Februar 2013, war die BOB noch selbst für die Traktion des DB-Netz-Schneepfluges verantwortlich und konnte so noch etwas flexibler auf bestimmte Wettersituationen reagieren (hier ein Räumeinsatz bei Osterhofen zwischen Schliersee und Bayerischzell). Aus wirtschaftlichen Gründen hat man die dafür vorgehaltene V 126 jedoch im letzten Jahr verkauft. Die zweite bei der BOB/BRB befindliche V 100 ist derzeit nicht einsatzfähig.

Alexander Bauer

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