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Dienstag, 12 Februar 2019 09:10

Hessen: Mit den ESWE Verkehrsbetrieben von Wiesbaden nach Strasbourg

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Fotos Franz A. Roski, ESWE.

Am 26.1.2019 bot die ESWE Verkehrsbetriebe Wiesbaden eine Info-Tour nach Kehl und Strasbourg, um Parallelen zwischen der Rhein- und grenzüberschreitenden Straßenbahn dort und der geplanten Citybahn Mainz - Wiesbaden - Taunus zu zeigen und zu erörtern. Die Verkehrsbetriebe Wiesbaden stellten einen Reisebus, der gut 20 Bahninteressierte aufnahm, sowie die Pressesprecherin, Mitglieder des Vorstandes, und Fotografen.

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Fotos Franz A. Roski.

Im großen Sitzungssaal des Kehler Rathauses wurden wir erwartet von dem Technischen Direktor der CTS = Verkehrsbetriebe Strasbourg, Alain Giesi, dem Leiter der TDK=Straßenbahn Kehl, Harald Krapp, und der Kehler Mitarbeiterin, die auf deutscher Seite Planung, Bauausführung und Abrechnung betreut.

Rund zwei Stunden lang stellten sie die grenzüberschreitende Strasbourger Straßenbahn bis "Kehl-Rathaus" vor und beantworteten die vielen Fragen der Teilnehmer.

In Frankreich führt man für Straßenbahnanlagen und -bauwerke Planfeststellungsverfahren durch, die am Ende alle nötigen Verfahren und Genehmigungen einschließen. Das ist einfacher und geht schneller als die Verfahren in Deutschland mit vielen Einzel-Beteiligungen und Einzel-Genehmigungen.

Die Brücke über den Rhein wurde von der CTS an einen Generalunternehmer vergeben, der sie nicht nur planen, sondern auch zu einem Maximalpreis von 28 Mio. Euro komplett erstellen musste. Am Ende hat die Brücke weniger als 25 Mio. Euro gekostet.Man beachte die relativ kurze Zeit von Planung bis zum Betriebsbeginn auf der grenzüberschreitenden Verlängerung.

Die Straßenbahn fährt zweigleisig über die südliche Hälfte der grenzüberschreitenden Rheinbrücke. Die nördliche Hälfte der Brücke wurde als Notfahrbahn für Fahrzeuge zur Rettung in Not geratener Straßenbahnen beantragt, genehmigt und gebaut. So erhielt man den breiten Rad- und Fußweg auf der Nordhälfte der Straßenbahnbrücke zwischen Kehl und Strasbourg.

Bei der von Strasbourg kommende Tramlinie D sollte nur jeder zweite Zug über die Rheinbrücke nach Kehl fahren, nach Plan alle 14 Minuten. Die anderen Züge sollten in "Port du Rhin" enden und vor der Rheinbrücke wenden.Der Fahrgastandrang ist aber so groß, dass häufig alle Straßenbahnen bis zur Endstelle Kehl-Rathaus durchfahren müssen, alle 7 Minuten!

Wie wir selbst erlebten, waren diese Bahnen selbst bei regnerischem und kaltem Wetter am Samstagmittag und -nachmittag so voll, dass noch viele Fahrgäste stehen mussten.

Die Stadt Kehl muss der französischen CTS jährlich 700.000 Euro für Betriebskosten auf dem deutschen Straßenbahnteil zahlen.Dieser Betrag reduziert sich durch Fahrgeld-Einnahmen. Zum Vergleich: Für die grenzüberschreitende Buslinie 21 musste Kehl bislang jährlich rund 320.000 Euro zahlen, für ein deutlich geringeres und weniger komfortables Fahrgastangebot sowie weniger und schlechtere Verbindungen.

Auf Nachfrage erzählte der Technische Direktor der CTS, Alain Giesi, man habe in Strasbourg überlegt und getestet, 2 Züge gekoppelt zu fahren, in Doppeltraktion. Zwei kurze Eurotrams gekoppelt hätten so einen fast 70 m langen Zug ergeben. Solch lange Züge und die dafür nötigen langen Haltestellen hätten aber nicht ins Stadtbild gepasst. Die Bürger wären nicht damit einverstanden gewesen. Daher habe man sich zu Zügen in Monotraktion entschlossen. Es sei zwar möglich, die Straßenbahnzüge durch Einbau zusätzlicher Glieder zu verlängern - Beispiel Montpellier oder in Strasbourg die 10-achsigen Eurotrams -, aber mit den 45 m langen Citadis-Bahnen sei das maximal Mögliche erreicht. Noch längere Bahnen mit noch mehr Gliedern würden bei höheren Geschwindigkeiten unruhig laufen.Wenn der Fahrgastandrang größer werde, müsse man also mehr Züge fahren.

Die kürzeren 8-achsigen Eurotrams werden bald nicht mehr eingesetzt.

Alain Giesi begleitete uns danach noch bei der Straßenbahnfahrt über den Rhein bis ins Strasbourger Zentrum (Knotenpunkt Homme-de-Fer), wo in Spitzenzeiten alle 22 Sekunden eine Bahn fährt. Er erläuterte auch, dass wegen der Ästetik und des Denkmalschutzes die Fahrleitung häufig nur aus einem durchgehenden Draht bestehe, keine Kettenfahrleitung.

Franz A. Roski 

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