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Freitag, 06 Dezember 2019 11:02

UIC: Internationaler Eisenbahnverband (UIC) an der COP25 in Madrid

Die Vertragsstaatenkonferenz (COP) findet unter dem Vorsitz der chilenischen Regierung und mit logistischer Unterstützung der spanischen Regierung vom 2. bis 13. Dezember 2019 statt. Als weltweite Eisenbahnorganisation wurde die UIC von den Vereinten Nationen als akkreditierte Organisation anerkannt, die sich an globalen Großveranstaltungen wie der COP beteiligen kann. Die UIC-Delegation wird dort vom 2. bis 7. Dezember vertreten sein, um die Aktivitäten ihrer Mitglieder für eine nachhaltigere Zukunft sowie ihre Verpflichtungen im Kampf gegen den Klimawandel bekannt zu machen.

Verpflichtungen der UIC: zunehmende Bestrebungen

Die COP25 bietet der UIC Gelegenheit, das Rampenlicht auf die Rolle der Bahn bei der Entwicklung eines nachhaltigen Verkehrssystems zu richten. 2019 waren die Aussagen der Wissenschaft zum Klimawandel alarmierend. Selbst wenn die 2015 für 2020 gesetzten Klimaziele der COP21 von den Staaten eingehalten würden, würde sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 3°C erwärmen. Um das Pariser Abkommen einzuhalten, müssen die Länder ihre Anstrengungen verdreifachen, die Kohlenstoff-Neutralität noch vor 2050 erreichen und ihre 2015 verkündeten Klimaverpflichtungen („nationale festgelegte Beiträge") bis Ende 2020 erneuern oder nach oben korrigieren. Gegenüber früheren Engagements müssen diese Verpflichtungen einen Fortschritt darstellen und „ehrgeizigste Zielsetzungen“ verfolgen. Die EU-Kommission hat für 2030 bereits hoch angesetzte Ziele beschlossen und will im Rahmen des European Green Deal daran arbeiten, bis 2050 der erste kohlenstoffneutrale Kontinent der Welt zu werden.

UIC-Generaldirektor François Davenne kündigte in der COP25 an, dass das globale Ziel der Eisenbahngemeinschaft für 2020 mit minus 40% spezifischer CO2-Emissionen im Personenverkehr bereits in greifbare Nähe gerückt sei und im Güterverkehr dieses Ziel bis Ende 2020 ebenfalls verwirklicht werde. Angesichts dieser Ergebnisse sei die UIC zu noch weitergehenden Verpflichtungen bereit.

Die UIC übernimmt eine Vorreiterrolle und aktualisiert die Verpflichtungen des Bahnsektors:

- sie schlägt vor, ihr CO2-Emissionsziel auf das auszurichten, was zunehmend als einvernehmliches Ziel zur Erreichung des Pariser Abkommens angesehen wird: Kohlenstoffneutralität bis 2050 (anstelle von minus 75% Kohlenstoffemissionen bis 2050).

- sie geht darüber hinaus noch einen Schritt weiter, indem sie sich bereit erklärt, die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG - Sustainable Development Goals) zu verwirklichen und über die wichtigsten Fortschritte in diesem Bereich zu berichten.

Alle UIC-Mitglieder werden aufgefordert, sich auf das Ziel der Kohlenstoffneutralität bis 2050 zu verpflichten und die SDG durch eine unterzeichnete Erklärung zu unterstützen.

Die Verpflichtung auf die Klimaverantwortung der Bahnen (Railway Climate Responsibility pledge) 2019 ist eine Erweiterung der 2015 im Rahmen der UIC COP21organisierten „Train to Paris“-Kampagne.

Ferner wird die UIC ihre Mitglieder auffordern, dem Klimabündnis (Climate Ambition Alliance beizutreten, das von Gonzalo Muñoz, dem hochrangigen chilenischen Klimaschützer, auf der COP25 ins Leben gerufen wurde.

UIC bei COP25

2. Dezember

UIC Generaldirektor François Davenne und Francisco Cardoso Dos Reis, Präsident der UIC-Region Europa, trafen den portugiesischen Umweltminister João Pedro Soeiro de Matos Fernande. François Davenne stellte die UIC-Arbeiten vor und schilderte, wie die Bahn weltweit gefördert werden kann, um eine modale Verlagerung im öffentlichen Verkehr zu erreichen, z.B. durch Bahnhöfe, die als Plattformen für multimodale Verkehrssysteme, ihre Vernetzung und Interoperabilität insbesondere im europäischen Güterverkehr genutzt werden. Francisco Cardoso betonte insbesondere, dass „sich Massenverkehrsprobleme nicht durch individuelle Lösungen beseitigen lassen”. Der Verkehrsminister Portugals betonte, wie wichtig Investitionen in den Schienenverkehr seien, wenn das Ziel der Klimaneutralität in Portugal bis 2050 erreicht werden soll. Angesichts der zunehmenden Klimakatastrophen, wie Waldbrände, verstehe die portugiesische Bevölkerung die Notwendigkeit eines verkehrspolitischen Wandels, zu dem die Bahn beitrage
n könne.

3. Dezember

Die spanischen Bahnen RENFE ersuchten UIC-Generaldirektor François Davenne um einen Vortrag zu den Aktivitäten der UIC im Rahmen der Eröffnung. RENFE hatte nationale und internationale Experten und Fachleute für nachhaltige Verkehre und Energieeffizienz zum Verkehrsministerium in der Grünen Zone der COP25 eingeladen. François Davenne gab dem Sender der RENFE bei dieser Gelegenhiet ein kurzes Interview.

4. Dezember

Eine der Schlüsselaktivitäten der diesjährigen COP25 war die Ausrichtung einer gemeinsamen Veranstaltung durch UIC und UITP, dem Internationalen Verband der öffentlichen Verkehrsunternehmen und ITF, dem International Transport Forum zum Thema Verkehrsberuhigung in Großstädten. Die meisten Verkehrswege werden heute in städtischen Ballungsräumen zurückgelegt, und es wird erwartet, dass ihre Zahl im Zuge des Bevölkerungswachstums und der wirtschaftlichen Entwicklung weiterhin steigt. Die Wahl der Verkehrsmittel ist daher kritisch für das Niveau der Kohlenstoffdioxidemissionen. Kohlenstoffarme Verkehrsoptionen müssen in die bestehenden Verkehrs- und Klimaaktionspläne der Städte aufgenommen werden, die bereits solide Verkehrsmaßnahmen haben. Diese Sitzung befasst sich in erster Linie mit effizienten Lösungen für den kohlenstoffärmeren Personennah- und Güterverkehr durch neue Technologien und neue Verhaltensweisen.

Mario José Molina-Pasquel Henríquez, dem 1995 der Nobelpreis in Chemie für seine Rolle bei der Aufdeckung der Bedrohung der Ozonschicht durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe verliehen wurde, eröffnete die Veranstaltung mit einer Schilderung der Lage, wobei er auch betonte, dass „wir zusammenarbeiten müssen, um das Klimaproblem zu lösen”.

Die ersten Maßnahmen zur Senkung des Kohlenstoffs in städtischen Ballungsräumen wurde in einer von Debashish Bhattacharjee, Leiter von Urban Mobility, United Nations Human Settlements Programmes (UN-HABITAT) moderierten hochrangigen Sitzung behandelt. Sprecher waren u.a. Young Tae Kim, Generalsekretär des International Transport Forums (ITF), Mohamed Mezghani, Generalsekretär des Internationalen Verbandes der öffentlichen Verkehrsunternehmen (UITP), François Davenne, Generaldirektor des Internationalen Eisenbahnverbandes (UIC) und Karen Vancluysen, Generalsekretärin von POLIS (Verbund europäischer Städte und Regionen).

François Davenne betonte in diesem Zusammenhang die Schlüsselmaßnahmen der UIC:
• Attraktivere Gestaltung des öffentlichen Verkehrs und der Bahn
• die Bahn ist sparsam im Bezug auf den öffentlichen Platzbedarf und Lebenszyklus
• Bahn und öffentlicher Verkehr haben im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern eine positive Umweltbilanz und müssen deshalb zum Rückgrat der Mobilität werden
• um nachhaltigen Verkehr voranzutreiben, muss ein Umdenken bewirkt und die Demokratie als Hebel benutzt werden
• auch der Schienengüterverkehr darf nicht übersehen werden, da das Ziel vieler Schienengüterverkehrsorganisationen in Europa darin besteht, bis 2030 eine modale Verlagerung von 30% auf die Schiene zu bewirken, um die negativen Auswirkungen des Güterverkehrswachstums auszugleichen. In diesem Zusammenhang nannte er als Beispiel die Rail Freight Forward Initiative.

Das zweite Panel befasste sich mit eher technischen Fragen. Es ging darum, mit welchen Maßnahmen sich eine Verkehrsberuhigung in Großstädten erreichen lässt. Moderiert wurde dieser Teil von Jari Kauppila, Leiter der Quantitative Policy Analysis and Foresight, ITF. Sprecher: Jennifer Lenhart, Cities Lead, WWF, Alicja Pawłowska, E-mobility Expert, Klimaministerium, Büro der COP 24 Präsidentschaft, Polen, Hanan Fridman, CEO, Trucknet, sowie Walid Oueslati, Senior Economist, Umweltabteilung, OECD.

7. Dezember

Am 7. Dezember wird die UIC aktiv zur Veranstaltung ‚Marrakesch Partnerschaft‘ beitragen: dieser globale Event zum Klimaschutz im Verkehrswesen findet von 10 bis 13 Uhr in der Blauen Zone des IFEMA-Messegeländes in Madrid statt. François Davenne wird sich an den Diskussionen zur Anpassung an den Klimawandel beteiligen. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden die Bemühungen der verschiedenen Verkehrsakteure vorgestellt, die Grundlagen für eine kohlenstoffarme, nachhaltige Ausrichtung des Verkehrs bis 2050 zu schaffen. Dabei werden die unmittelbaren, mutigen und ehrgeizigen Unternehmungen in aller Welt vorgestellt, und ferner wird darüber diskutiert, wie diese Dynamik in 2020 und darüber hinaus aufrechterhalten werden kann. Es geht sowohl um verkehrsberuhigende und Anpassungsmaßnahmen sowie um bereichsübergreifende Fragen wie Gender und Zugänglichkeit.

Pressemeldung UIC

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Letzte Änderung am Freitag, 06 Dezember 2019 11:08