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Dienstag, 17 Dezember 2019 07:00

UIC: Protokoll der Verbandssitzung vom 9. bis 11. Dezember

Die Mitglieder des Internationalen Eisenbahnverbandes (UIC) kommen zwei Mal im Jahr aus allen Teilen der Welt zu ihren satzungsgemäßen Sitzungen zusammen. Vom 9. bis 11. Dezember trafen sich die Vertreter der UIC-Regionen Afrika, Asien-Pazifik, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten und Nordamerika bei der UIC in Paris, um die Ergebnisse des Jahres 2019 und die künftige Strategie des Verbandes sowie seiner Regionen zu erörtern.

Das Exekutivkomitee und die 95. Generalversammlung wurden von UIC-Präsident Gianluigi Castelli, Verwaltungsratsvorsitzender der Ferrovie dello Stato Italiane (FS), im Beisein von Ali İhsan Uygun, Generaldirektor der Türkischen Staatsbahnen (TCDD) sowie UIC-Vize-Präsident, und UIC-Generaldirektor François Davenne geleitet. Die Präsidenten der einzelnen UIC-Regionen nahmen ebenfalls teil und stellten die Ergebnisse 2019 und die strategische Planung 2020 vor. Vor dem Hintergrund des jüngst mit dem Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP) unterzeichneten Memorandum of Understanding hielt der UITP-Generalsekretär Mohamed Mezghani eine beeindruckende Rede über die von Bahnen und öffentlichen Verkehrsmitteln mit vereinten Kräften angestrebten Strategien zur Stauminderung in Stadtzentren.

Bericht des UIC-Präsidenten

Gianluigi Castelli betonte: „UIC und UITP teilen Werte und Zukunftsziele für das Transportwesen. Als konkretes Ergebnis daraus unterzeichneten wir im letzten Jahr ein Vereinbarungsprotokoll und legten damit den Grundstein für eine Vielzahl von Initiativen in Bereichen gemeinsamen Interesses, wie Sicherheit, Umwelt, Digitaltechnologie, intermodaler Verkehr und zugängliche Bahnhöfe, Nahverkehr und Stadtverkehr, Kompetenzentwicklung, Personalplanung und Schulung. Dies zeugt davon, dass die UIC im Einklang mit ihrer Devise Einheit, Solidarität, Universalität die partnerschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation mit einer Vielzahl unterschiedlicher Stakeholder aktiv pflegt und fördert.“

Gianluigi Castelli fasste ferner die wichtigsten Ergebnisse 2019 als Basis für die Zukunft zusammen und wies insbesondere auf die erste FRMCS-Konferenz hin, die in diesem Jahr organisiert wurde. Das künftige mobile Bahnkommunikationssystem FRMCS ist der Nachfolger von GSM-R und Grundvoraussetzung für die Digitalisierung der Bahn. Er wies auf das erfolgreiche Innovationsforum der Region Asien-Pazifik hin, das im Mai in Manila stattfand, sowie auf den International Level Crossing Awareness Day (ILCAD) im Juni in den Niederlanden, die UIC Digital Days im Oktober in Paris, UIC nextstation im November in Teheran und die Teilnahme der UIC an der COP25 Anfang Dezember in Madrid.

Im Zentrum stehe allerdings die digitale Transformation der Bahnen. In diesem Zusammenhang betonte der UIC-Präsident, die UIC habe den Auftrag, das Potential der „digitalen Bahn“ freizusetzen. „Priorität ist die digitale und globale Bahn. Um diese strategische Achse unseres Verbandes werden Lösungen für die künftigen Herausforderungen der Mobilitätsentwicklung entworfen. Hierfür müssen wir weltweit mit allen Stakeholdern eine positive Spirale in Gang setzen. Die UIC fördert bereits Forschungs- und Innovationsinitiativen, Integration, Informationsverbreitung und technologischer Übersprungeffekte und unterstützt bei der Auswahl der Best Practice unserer Mitglieder.“

Vorstellung der strategischen Planung 2020-2022

François Davenne stellte die strategische Planung 2020-2022 und das detaillierte Arbeitsprogramm mit fünf Prioritäten vor:

• Förderung des Bahnverkehrs weltweit
• Weiterentwicklung der UIC als technische Plattform zur Erfüllung des Bedarfs der Mitglieder
• Innovation durch die Realisierung von Projekten
• Förderung des CO2-armen Verkehrs
• Effizientes und transparentes Management für die UIC-Mitglieder

François Davenne führte aus: „Wir müssen transparenter werden und die UIC zum Backoffice machen, das der Gemeinschaft der Bahnbetreiber Lösungen anbietet. Die UIC sollte eine benutzerfreundliche Toolbox werden. Ferner werden wir auch unsere Rechenschaftspflicht noch ernster nehmen. Unsere Aufgabe ist es, Instrumente bereitzustellen, die die Bahnen zum intelligenten Rückgrat der Mobilität machen. Dabei ist die Qualität der International Railway Solutions (IRS) von zentraler Bedeutung.“

Die strategische Planung wird als Kommunikationstool genutzt, um die Vision der UIC und die Kooperationsbereiche mit den Stakeholdern des Verbandes zu teilen.

François Davenne stellte die UIC auch als potenziellen Karriereförderer für die Mitarbeiter der Mitglieder dar und betonte, für eine gegenseitige Bereicherung sei es von vitaler Bedeutung, dass Experten aus aller Welt zur UIC entsandt werden, um die Leistungsfähigkeit der Bahnen weiterhin sicherzustellen.

Anlässlich der Generalversammlung wurde darüber hinaus ein Überblick über die Fortschritte in diversen Bereichen gegeben. In diesem Zusammenhang wurde die zweite Phase des zum Bereich Digitale Technologien gehörenden Projekts DIGIM vorgestellt. Im Rahmen dieses Projekts wird die Blockchain als Dienstleistung entworfen und als Pilot auf einem eurasischen Güterverkehrskorridor getestet.

Im Hinblick auf die Korridore wurde verlautbart, die UIC sei die geeignete Plattform zur Vertretung der Interessen des Sektors. Dabei ist Förderung nachhaltiger Bahnkorridore von grundlegender Bedeutung, da die Bahn das beste Verkehrsmittel für die nachhaltige, sichere und geschützte Mobilität von Reisenden und die transkontinentale und zudem zeitsparende Massenbeförderung von Gütern über sehr lange Strecken sei.

Im Rahmen der Nachhaltigkeit strebt die UIC auf der Grundlage ihres Klimaschutzengagements ehrgeizige Ziele und einen CO2-armen Schienenverkehr an. Mit dem Klimaschutzengagement erneuerte die UIC ihre Erklärung für nachhaltige Mobilität und verpflichtet sich zur Klimaneutralität bis 2050 sowie zur Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen. Alle Mitglieder werden nachdrücklich aufgefordert, das Klimaengagement 2019 zu unterzeichnen, um den Willen der Bahnen zur Erreichung ihrer Ziele zu bestärken und wirklich etwas zu bewirken.

Zum Thema Standardisierung nahmen die UIC-Mitglieder die Arbeiten zur Modernisierung der Standardisierungsinstrumente der UIC zur Kenntnis. Bis Ende 2022 sollen alle UIC-Merkblätter in IRS (International Railway Solutions) überführt sein.

Im Bereich der Kooperation mit Dritten wurde auf die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding mit dem Europäischen Tourismusverband (ETOA) hingewiesen, womit die Bahn als strategischer Partner der Tourismusbranche zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele Anerkennung findet. Ein zweites MoU wird Anfang 2020 mit der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) unterschrieben, um die Intermodalität von Bahn und Flugzeug zu fördern.

Ernennungen

Edwige Cendres, Rechnungsführerin der SNCF, wurde zur Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses der UIC ernannt.

Vladimir Andreev, JSC RZD, wurde zum Präsidenten des Internationalen Forschungsausschusses (International Rail Research Board - IRRB) ernannt. Er wird von den Vize-Präsidenten Prof. Mark Robinson (Universität Newcastle), Zhou Li (CARS), Atila Keskin (TCDD), Andrew Meier (ACRI) und Dr. Andrzej Zurkowski (IK) unterstützt.

Finanzen

Die Generalversammlung genehmigte den Haushalt 2020.

Mitglieder

Die Generalversammlung genehmigte den Beitritt 7 neuer Mitglieder:

Asien-Pazifik:
• RAC (Indonesische Bahnbehörde) als angegliedertes Mitglied
• Public Transport Authority, Westaustralien, als angegliedertes Mitglied
• Verkehrsministerium der Philippinen als angegliedertes Mitglied

Europa
• Jernhusen (Eigentümer, Manager und Entwickler der schwedischen Bahnimmobilien) als angegliedertes Mitglied
• ZPCG (Personenverkehrsbetreiber, Montenegro) als angegliedertes Mitglied

Mittlerer Osten:
• Saudi-Arabische Bahnen (SAR) als aktives Mitglied

Die nächste Generalversammlung der UIC findet am 29. Juni 2020 in Beijing vor dem weltweiten Hochgeschwindigkeitskongress der UIC statt.

Pressemeldung UIC

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