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Freitag, 22 Januar 2021 11:22

Fairtiq: "Smart Stop" erkennt künftig, wenn ein Gast vergessen hat, die Fahrt zu beenden

Die innovative Ticketing-App FAIRTIQ wird noch komfortabler. Das intelligente System erkennt künftig, wenn ein Gast vergessen hat, die Fahrt zu beenden. Die wegweisende Technologie macht FAIRTIQ endgültig zur einfachsten Fahrkarte: FAIRTIQ-Kunden bekommen nach wie vor automatisch das richtige Ticket zum bestmöglichen verfügbaren Preis – und neu dazu einen praktischen Reisestopp- Helfer.

Ein Wisch auf dem Smartphone zu Fahrtbeginn und ein weiterer Wisch beim Aussteigen aus Bus, Bahn oder Tram genügen: Schon bislang macht die Ticketing-App FAIRTIQ die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz extrem einfach. Die App erkennt anhand der mobilen Standortermittlung die gefahrene Strecke und berechnet anschließend das preislich optimale Ticket. Nun wurde die Technologie gemeinsam mit den Pilotpartnern, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und seiner Tochter rms, noch einen bedeutenden Schritt weiterentwickelt: Auf Wunsch erinnert FAIRTIQ die Passagiere ans Fahrtende und nimmt ihnen sogar das Auschecken ab.

Die neue Funktion mit dem Namen „Smart Stop“ trägt einem wichtigen Nutzerbedürfnis Rechnung: Ein beträchtlicher Teil der Anfragen an den FAIRTIQ-Kundenservice stammt von Passagieren, die vergessen haben, ihre Fahrt zu beenden. „Wir haben damit eine starke technische Innovation geschaffen, die den Komfort für Fahrgäste noch weiter erhöht“, erklärt FAIRTIQ-CEO Gian-Mattia Schucan. „Sie brauchen sich keine Sorgen mehr zu machen, dass sie das Auschecken vergessen könnten.“ Hinter „Smart Stop“ steckt hochintelligente Technologie: Das System reagiert nicht schlicht darauf, dass eine Person aus einem Verkehrsmittel aussteigt – schließlich könnte die Fahrt ja nach kurzer Wartezeit und Umsteigen fortgesetzt werden. Stattdessen ist die Technologie darauf trainiert, Fortbewegungsarten zu identifizieren: Sie kann anhand der Auswertung von Ortsdaten nicht nur ermitteln, ob die Person sich zu Fuß oder gar nicht mehr bewegt – sondern auch, ob sie wahrscheinlich vom öffentlichen Verkehrsmittel in ein anderes Fortbewegungsmittel umgestiegen ist. In diesem Fall berechnet das System den Fahrpreis rückwirkend zum Ende der ÖV-Fahrt.

Bei aller Intelligenz dieser Technologie behalten die Nutzerinnen und Nutzer jederzeit die Kontrolle. „Smart Stop“ trifft keine Entscheidungen ohne den Fahrgast. Sobald das System vermutet, dass eine Fahrt im öffentlichen Verkehrsmittel endgültig beendet wurde, löst es einen Countdown aus und schickt eine Push-Mitteilung ans Smartphone der Kundin oder des Kunden. Sie oder er kann nun ohne weiteres Zutun das System die Reiseerfassung automatisch beenden lassen, manuell auschecken oder aber den Countdown abbrechen, falls eine Anschlussfahrt bevorsteht. Auch sonst haben die Fahrgäste jederzeit volle Kontrolle über „Smart Stop“: Das System läuft nur, wenn es in den Einstellungen der FAIRTIQ-App aktiviert wurde. Auch die Verantwortung, im Besitz eines gültigen Tickets zu sein, verbleibt natürlich bei den Nutzerinnen und Nutzern.

„Für den RMV stehen Digitalisierung und innovative Mobilitätslösungen schon lange ganz oben auf der Agenda“, sagt RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat. „Darum freuen wir uns besonders, dass wir FAIRTIQ als Pilotpartner bei der Entwicklung des automatischen Check-Outs mit unserer fachlichen Erfahrung und Testkompetenz unterstützen und wesentliche Impulse zur Entwicklung beisteuern konnten.“

RMV und rms haben bereits im Förderprojekt „EiLo – Einsteigen und Losfahren“ intensiv am Ticketing per Standortermittlung gearbeitet. Viele dort gewonnene Erkenntnisse konnten in Kombination mit der FAIRTIQ-Technologie im seit November 2019 laufenden Projekt „RMVsmart In/Out“ in die Praxis umgesetzt werden. „Seitdem haben wir viele weitere wertvolle Hinweise von unseren Testnutzerinnern und -nutzern erhalten“, so Ringat weiter.
„Einen wesentlichen Wunsch, nämlich den Check-Out überflüssig zu machen, hat FAIRTIQ nun in Rekordzeit mit der „Smart Stop“-Funktion umgesetzt. Wir sind glücklich, einen solch innovativen Partner an unserer Seite zu haben und freuen uns, die automatische Check- Out-Funktion bald auch unseren In/Out-Pilotkunden unter den Namen „Be-Out“ in der
„RMVsmart“-App anbieten zu können.“

Der intelligente Reise-Stopp wird in den kommenden Wochen ebenfalls in der FAIRTIQ-App schrittweise verfügbar. Weitere Informationen zur Funktionsweise und den technischen Details des neuen Features finden Sie im beiliegenden Interview mit FAIRTIQ-CEO Gian- Mattia Schucan und Data Scientist Johannes Josi.

Interview: „Ein Meilenstein auf dem Weg zum vollautomatischen Ticketing“

FAIRTIQ-CEO Gian-Mattia Schucan und Entwickler Johannes Josi erklären, wie die Funktion Smart Stop entstanden ist, wie sie technisch funktioniert – und wie die Reise weitergeht

Wieso hat FAIRTIQ mit Smart Stop eine Funktion entwickelt, die den Fahrgästen nach dem Ende ihrer Reise das Ausschecken per Smartphone abnehmen kann?
Gian-Mattia Schucan: Seit der Gründung von FAIRTIQ ist es unser Ziel, das Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) so einfach wie möglich zu machen. Unsere langfristige Vision war und ist das vollautomatische Ticketing: Die Fahrgäste steigen nur noch ein und aus, alles andere übernimmt die Technik. Dem kommen wir mit Smart Stop einen wesentlichen Schritt näher. Aber natürlich bietet die neue Funktion auch sehr kurzfristige, praktische Vorteile.

Was ist der wichtigste Vorteil?
G-M Schucan: Wir wirken dem Vergessen entgegen. Vergessene Check-outs sind der häufigste Grund, warum sich Passagiere beim Kundendienst melden. Durch die neue Funktion bieten wir ihnen wesentlich mehr Sicherheit.

Dafür muss sie anspruchsvolle Aufgaben bewältigen. Wie erkennt Smart Stop zum Beispiel, dass ich vom Bus in mein Auto umgestiegen bin – selbst wenn ich auf derselben Straße weiterfahre?
Johannes Josi: Tatsächlich haben wir ein Machine-Learning-System entwickelt, das Auto und Bus gut unterscheiden kann. Das ist vor allem deshalb möglich, weil es die Fahrplandaten und die Haltepunkte kennt – und weil das Auto eben normalerweise nicht an Haltestellen stehen bleibt.

Wie arbeitet Smart Stop grundsätzlich, um zu ermitteln, dass eine ÖV-Fahrt zu Ende ist?
J Josi: Unser Algorithmus analysiert permanent und in Echtzeit Standort- und Bewegungsdaten. Auf deren Basis beurteilt es, ob eine Person mit hoher Wahrscheinlichkeit die Reise beendet und den Check-out vergessen hat. Sobald das System sicher genug ist, erhält der jeweilige Fahrgast eine Push-Nachricht. Sie informiert darüber, dass die Reise in fünf Minuten automatisch beendet wird. Das passiert zwar in der Regel erst wenn der Reisende sich länger an einem Ort aufhält - das FAIRTIQ System filtert den ‘nicht-öV’ automatisch raus.

Es beginnt also ein Countdown?
J Josi: Genau. Während dieser Zeit kann der Fahrgast widersprechen, wenn er doch weiterreisen will, oder sofort den Check-out veranlassen.

Und wie lange dauert es, ehe Smart Stop nach vergessenem Ausschecken die Push- Nachricht sendet?
J Josi: Dafür gibt es keinen fixen Zeitrahmen. Der Algorithmus braucht in der Regel einige Minuten, bis er genug Daten gesammelt hat, um seine Einschätzung zu treffen.

Welchen Fahrpreis ermittelt das System, wenn es zehn bis 15 Minuten nach dem Aussteigen mein Fahrtende bemerkt?
J Josi: Sobald die Sensordaten den Schluss zulassen, dass die Reise beendet ist, schauen wir in einem zweiten Schritt über den Reiseverlauf. Dann wird im Nachhinein der Reiseteil herausgeschnitten, der nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wurde. Es wird also rückwirkend der tatsächliche Ticketpreis berechnet.

Wie sieht es bei Smart Stop mit dem Datenschutz aus?
J Josi: Wir erheben grundsätzlich nur Daten, die wir wirklich brauchen. In dem Fall bedeutet das: Wir erheben gar keine zusätzlichen Daten. Denn Smart Stop arbeitet ausschließlich mit den Daten, die bereits zur Reiseerkennung genutzt werden: Standortdaten, Bewegungsdaten und punktuell auch mal Beacon-Daten von Haltestellen. Und sobald der Smart Stop die Reise beendet, endet auch die Datenaufzeichnung.

Wie werden die Daten gespeichert?
G-M Schucan: Die Daten lagern verschlüsselt auf sicheren Servern. Sie müssen zunächst personalisiert gespeichert werden, damit wir beispielsweise auf Reklamationen reagieren können. Nach Ablauf der sogenannten Kundendienstpflicht werden die Daten vollständig anonymisiert.

Wie lang arbeitet FAIRTIQ bereits an Smart Stop?
G-M Schucan: Die Idee beschäftigt uns schon seit 2014. Im Mai 2019 begannen wir mit der Entwicklung. Seit dem Sommer 2020 testen wir den Prototypen des Systems erfolgreich mit unserem Pilotpartner, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

Nun wird Smart Stop als reguläre Version für alle FAIRTIQ-Nutzer ausgeliefert. Ist das Produkt damit fertig, oder wird es noch weiter entwickelt?
G-M Schucan: FAIRTIQ ist immer fairtiq – wollen aber trotzdem immer besser werden. Im Ernst: Wir lernen im Praxiseinsatz, wie gut Smart Stop aus Kundensicht funktioniert. Dabei werden wir die Funktion laufend perfektionieren und optimal auf die Kundenbedürfnisse ausrichten.

Wäre nicht der logische nächste Schritt, auch den Beginn der Fahrt zu automatisieren?
G-M Schucan: Ja, auf jeden Fall wollen wir auch den Start automatisieren. Das nehmen wir in Angriff, wenn der Smart Stop perfekt ist.

Welche strategische Bedeutung hat Smart Stop für FAIRTIQ?
J. Josi: Es ist das erste Mal, dass wir so umfassend künstliche Intelligenz einsetzen. Und wir gehen einen neuen Schritt, indem wir Daten in Echtzeit analysieren und sofort reagieren können.
G-M Schucan: Es handelt sich um eine echte Innovation, mit der wir unsere Marktführerschaft weiter festigen. Denn für das fast Hardware-freie Ticketing, wie es FAIRTIQ anbietet, existiert diese Funktionalität bislang nicht. Vor allem aber ist Smart Stop ein Meilenstein auf dem Weg zum vollautomatischen Ticketing. Es vereinfacht also den öffentlichen Verkehr – und das liegt uns allen bei FAIRTIQ sehr am Herzen.

Pressemeldung Fairtiq

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