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Freitag, 24 September 2021 11:26

RCG: Angebotsausbau und Forderung "Europa braucht mehr Bahn, und die Bahn mehr Europa"

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Foto ÖBB/Andreas Scheiblecker.

Rund 30% der heimischen CO2-Emissionen kommen aus dem Verkehr – Tendenz stark steigend. Im Güterverkehr zählt der Transit-Lkw zu den Hauptemittenten. Er verursacht in Österreich rund 40-mal mehr an CO2-Ausstoß als die Bahn. Europa soll bis 2050 CO2-neutral sein – Österreich bereits 2040.

Die Verlagerung des Warentransports von der Straße auf die Schiene ist daher ganz entscheidend, um die Klimaneutralität in Österreich und Europa im Verkehr zu erreichen. Im Rahmen der heutigen Jahrespressekonferenz der ÖBB Rail Cargo Group (RCG) unter dem Motto „ÖBB RCG im Fokus 21/22“ präsentierten ÖBB CEO Andreas Matthä und Clemens Först, Vorstandssprecher ÖBB Rail Cargo Group, Zukunftschancen und Herausforderungen für den Schienengüterverkehr in Österreich und Europa im Lichte der Klimakrise und die neuen digitalen Angebote der ÖBB Rail Cargo Group.

Andreas Matthä betonte die Bedeutung des Schienengüterverkehrs für die Bewältigung der Klimakrise: „Die Auswirkungen des Klimawandels haben wir alle heuer im Sommer hautnah spüren können. Wollen wir den Temperaturanstieg bei max. 1,5 Grad einbremsen, dann müssen wir vor allem im Verkehr eine Trendwende schaffen. Dafür wird die schnelle Verlagerung der Gütertransporte von der Straße auf die Schiene entscheidend sein. Das wird nur mit fairen Wettbewerbsbedingungen und Kostenwahrheit im Verkehr gehen. Die EU-Kommission hat mit ihrem „fit for 55“-Programm schon aufgezeigt, wohin die Entwicklung gehen muss: Es braucht ein Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr – und die soziale Abfederung dafür. Ein Viertel der Einnahmen daraus soll meiner Ansicht nach aber auch direkt für Digitalisierung und Ausbau des Bahnsystems zweckgebunden werden.“ Was die Höhe einer CO2-Bepreisung betrifft, begrüßt der ÖBB-Chef den Vorschlag der europäischen Investitionsbank von 250€ pro Tonne CO2 bis zum Jahr 2030.
Für CEO Matthä muss ein Ruck durch die gesamte Staatengemeinschaft gehen, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen: „Europa braucht mehr Bahn und die Bahn mehr Europa - ein im Schienenverkehr harmonisiertes Europa. Dafür müssen auch grenzüberschreitend technische, organisatorische und legistische Hürden abgebaut werden. Das Ziel ist klar: Einen Zug durch Europa zu fahren muss so einfach werden wie einen Lkw.“

Der Vorstandssprecher der ÖBB Rail Cargo Group, Clemens Först, ging in der Folge näher auf Bedeutung und Angebot der RCG ein. „Die ÖBB Rail Cargo Group ist der zweitgrößte Bahnlogistiker Europas und das nachhaltige logistische Rückgrat der europäischen Wirtschaft. In diesem Auftrag treiben wir die Digitalisierung und Innovationen im Schienengüterverkehr voran, erweitern unser Netzwerk stetig weiter und tragen damit erheblich zur Erreichung der Ziele des europäischen Green Deals bei.“ Först ging - als Beispiele für das Digitalsierungsangebot der RCG – auf die SMART LINK, TransFER und MIKE näher ein:

Smart Link

Für Neu- und Bestandskunden der ÖBB Rail Cargo Group bietet SmartLINK das übersichtliche digitale Leistungsspektrum. SmartLINK ermöglicht dabei nicht nur den einfachen Zugang zum System Schiene, sondern auch die klare Übersicht aller möglichen Bausteine, die es für den Güterverkehr auf Schiene benötigt.

TransFER

Neben dem Standardangebot, das Ganzzüge und den Einzelwagenverkehr abdeckt, bietet die RCG ein Premium-Produkt – die TransFER Verbindungen im TransNET. Es gibt derzeit über 60 TransFER Verbindungen für alle Transporte zwischen den großen Ballungszentren, die sich über den gesamten eurasischen Kontinent erstrecken. Verschiedene Verkehrsmodalitäten verbinden dabei Häfen, Wirtschafts- und Industriezentren. Stetig kommen neue TransFER Verbindungen dazu.

MIKE

In den letzten Jahren hat die ÖBB Rail Cargo Group intensiv in die End-to-end-Digitalisierung investiert, um das Angebot in digitaler Form für Kunden noch zugänglicher zu machen. Im engen Austausch mit den Bestandskunden und deren Bedürfnissen entwickelt die RCG MIKE, den digitalen Assistenten, welcher ebenfalls im SmartLINK integriert ist. MIKE bietet laufend neue Funktionalitäten, die die Abwicklung von Verkehren – von der Transportanfrage bis zur Abrechnung – einfacher, effizienter und transparenter machen. Der digitale Assistent bietet eine einfache und intuitive Eingabe von Transportanforderungen, effiziente Kommunikation zwischen Logistikpartnern und Kunden sowie einen transparenten Überblick über Sendungen – all das übersichtlich auf einer Plattform.

Wettbewerbsbedingungen verbessern

Für die notwendige Verkehrswende braucht der Schienengüterverkehr faire Wettbewerbsbedingungen verbessert werden. Zu den wichtigsten Punkten zählt dabei u.a. die Kostenwahrheit im Verkehrssektor. Allein in Österreich sind die externen Kosten (u.a. Lärm-, Stau- und Unfallkosten) beim Lkw dreimal höher als bei der Bahn. Diese Kosten werden aber nicht von den Verursachern getragen, sondern von den Steuerzahlern. Zusätzlich bezahlt der Lkw auf der Landstraße in Österreich keine Maut – die Bahn hingegen auf jedem Gleiskilometer. Um die CO2 neutrale Ver- und Entsorgungskette für Gewerbe- und Industrieparks sicherzustellen, schlagen die ÖBB zusätzlich vor, in Zukunft einen Bahnanschluss zur Voraussetzung die Standortgenehmigung zu machen. Raumordnung und Betriebsanlagenrecht kommt bei der Verlagerung auf die Schiene und Dekarbonisierung von Transporten eine wesentliche Rolle zu. Die Steuerungsmöglichkeiten in diesem Rahmen werden bisher nicht genutzt. Die Gesamtattraktivität des Netzes der Güterbahnen steigt mit jedem zusätzlichen Betrieb, der mittels Anschlussbahn mit anderen Betriebsstandorten in ganz Europa verbunden ist. Aktuell kommen in Österreich etwa 80% des Gesamtgüteraufkommens, das mit der Bahn transportiert wird, über Anschlussbahnen in das System. Was einmal im System Bahn ist, verbleibt also auch zum überwiegenden Teil im System. Daher sollen Betriebe verstärkt durch Förderungen und rechtliche Anreize dazu motiviert werden, Anschlussbahnen zu errichten bzw. bestehende Anschlussbahnen weiter aufrecht zu erhalten. Derzeit ist der Bau und Betrieb einer Anschlussbahn für Unternehmen mit hohen Kosten verbunden, die maximal zur Hälfte durch Förderungen im Nachhinein gedeckt werden. Demgegenüber werden Straßenanschlüsse für Unternehmen meist gratis (= auf Kosten der Steuerzahler) von Gemeinden bis zum Firmentor gelegt.

Pressemeldung ÖBB

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