Bellotti: Technologie für mehr Komfort im Reisezugverkehr


Fotos Bellotti.
Der Eisenbahnverkehr war seit seinen Anfängen ein Symbol für den Fortschritt. Mit insgesamt mehr als 900.000 Direktbeschäftigten und einem Transportvolumen von 1,6 Milliarden Tonnen an Gütern und 7,1 Milliarden Passagieren pro Jahr hat dieser Sektor auch heute noch einen wichtigen Anteil an der europäischen Wirtschaft.


Auch die Roadmap des Green Deal, mit der die europäische Politik die Klimaneutralität erreichen will, ist ein starker Impuls für die verstärkte Nutzung dieses Verkehrsmittels. Denn tatsächlich gilt der Schienenverkehr als das nachhaltigste Transportmittel und könnte daher von zentraler Bedeutung sein, um das ehrgeizige Ziel der EU, nämlich die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 90% bis zum Jahr 2050, auch tatsächlich zu erreichen.

In diesem Zusammenhang spielt ein guter Service für die Bahngesellschaften eine wichtige Rolle, denn er macht den Schienenverkehr für eine größere Anzahl an Reisenden attraktiv. Hier leisten die technologische Entwicklung und der Einsatz innovativer Materialien einen wichtigen Beitrag, um für die Passagiere eine einladende Umgebung zu gestalten. Die Erstausrüster, die an der Planung und am Bau neuer Züge beteiligt sind - egal ob für den Hochgeschwindigkeits-, Nah- oder Stadtverkehr - sind daher ständig auf der Suche nach Lösungen, die den Raumkomfort innerhalb der Zugwaggons verbessern.
Auch Bellotti - das auf die Herstellung von Sperrholz, leichten Verbundplatten und speziellen Einbausystemen für die Bereiche Bootsbau, Eisenbahn, Transport und Industrie spezialisierte Unternehmen - verfolgt diesen Ansatz und arbeitet mit den wichtigsten Akteuren im Schienenverkehr zusammen, um komplette Hightech-Systeme für die Fußböden im Personentransport zu entwickeln.
Welche Rolle spielen die Fußbodenbeläge eines Reisezuges? Und welche sind aktuell die wichtigsten Anforderungen an die Konstrukteure? Die Antwort liefert der Ingenieur Giovanni Raffone – Sales Manager und bei Bellotti S.p.A. verantwortlich für den Bereich Schienenverkehr.
"Der Bodenbelag spielt für den Komfort der Reisenden eine ganz zentrale Rolle. Mit der Entwicklung neuer technischer Lösungen verfolgt Bellotti daher das Ziel, den Lärm und die Vibrationen innerhalb der Waggons so weit wie möglich zu reduzieren. Dieser Ansatz entspricht auch den aktuellen Marktanforderungen, die sich genau wie die technologischen Innovationen im Bahnsektor konstant weiterentwickeln. So hat zum Beispiel der Vormarsch der Hochgeschwindigkeits-züge mit Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h dazu geführt, dass auch für die Wärme- und Schalldämmung leichtere und leistungsfähigere Materialien eingesetzt werden müssen. Daher hat Bellotti für den ETR1000, den Hochgeschwindigkeitszug der Italienischen Staatseisenbahnen, einen speziellen Bodenbelag aus Holz entwickelt, der genau diese Ansprüche erfüllt und ein Schalldämmmaß von 34Rw gewährleistet. Um dieses Ergebnis zu erreichen, hat das Projektteam von Bellotti ein maßgefertigtes Sandwichpaneel mit integrierter Korkschicht konzipiert, Lariphon® Eco Light: Dieses Material hat sich als ideal erwiesen, um die Schallwellen zu dämpfen und gleichzeitig zu verhindern, dass sie sich in das Waggoninnere übertragen. Ein weiterer Vorteil ist die erhebliche Gewichtsreduzierung, denn das Paneel wiegt pro qm nur 10,6 kg. Aktuell wird diese Lösung sehr häufig auch für Regionalzüge und U-Bahnen eingesetzt, denn hier ist das geringe Materialgewicht gleichbedeutend mit einer erhöhten Ladekapazität von 75 kg, das entspricht einem zusätzlichen Fahrgast."
Welchen Support brauchen die Akteure der Branche denn konkret, um die Herausforderungen bei der Entwicklung moderner Schienenfahrzeuge zu meistern?
"Sowohl die großen Erstausrüster als auch die kleinen technischen Betriebe - die sich um die Wartung und/oder die Ertüchtigung veralteter Waggons kümmern - suchen heute mehr denn je einen Partner ihres Vertrauens, der ihr alleiniger Ansprechpartner bei der Entwicklung modernster und kompletter Fußbodensysteme ist. Bellotti begleitet diese Unternehmen und bietet ihnen einen Rundum-Support: Das beginnt bei der Forschungs- und Entwicklungsarbeit für neue Materialien und Lösungen und reicht über die Projektierung integrierter Lösungen und Lieferung der Komponenten gemäß Leistungsbeschreibung bis hin zur Unterstützung bei der Montage selbst. In diesem Zusammenhang bedeutet die Entwicklung von Plug&Play-Konzepten, bei denen bereits sämtliche Elemente integriert und installationsfertig sind, für die Konstrukteure eine erhebliche Verkürzung der Produktentwicklungszeit."
Könnten Sie uns einige Beispiele nennen?
"Nach dem erfolgreichen Auftrag für den ETR1000 war Bellotti z.B. an dem ehrgeizigen Projekt beteiligt, einen speziellen, einbaufertigen und komplett vorgerüsteten Testboden für den Waggon eines XCC- Zuges zu entwickeln. Bei dieser Lösung war das Zubehör bereits vollständig mit inbegriffen: Dazu zählten auch die Stufen, spezielle Halterungen zum Ausgleich der durch die Stufen bedingten Höhenunterschiede, Gummibeläge, Stützen und abgedichtete Wandabschlüsse für eine wasserdichte Bodenwanne. Für uns war dieser Auftrag eine perfekte Gelegenheit, um unsere Expertise bei der Entwicklung und Lieferung von immer anspruchsvolleren und komplexeren Fußbodensystemen noch zu vergrößern. Ein konkretes Beispiel hierfür sind die Regionalzüge von Hitachi, für die wir komplett vormontierte, bis zu 6 Meter lange Module fertigen, die wir anschließend in einem Stück liefern. Auch in Deutschland ist Bellotti aktiv an verschiedenen Projekten für Regionalzüge der Hersteller Siemens und Alstom, vormals Bombardier, beteiligt. Diese Unternehmen beauftragen gerne Anbieter in der Nähe der jeweiligen Produktionsstätten mit der Vormontage. Bellotti hat alle Qualitätsprüfungen als Tier2-Supplier bestanden und bietet Lösungen, die auch den strengsten Industriestandards entsprechen.
Außerdem wurde unser Unternehmen für unseren Kleber für Bauzwecke bereits 2016 vom Fraunhofer-Institut zertifiziert. Mittlerweile lassen wir uns von den renommiertesten Branchenexperten Italiens beraten, um unsere Produktions-prozesse noch weiter zu verbessern und unsere Zertifizierung nach DIN6701-2 zu erneuern: Dabei handelt es sich um die erste vom Eisenbahnbundesamt (EBA) eingeführte Norm für die Qualität von Klebeverbindungen für Schienenfahrzeuge und -fahrzeugteile. Anfangs war diese Norm nur in Deutschland bekannt, doch mittlerweile hat sie sich in der Branche auch international durchgesetzt. Und schließlich möchte ich noch das Projekt für die Regionalzüge der Italienischen Staatseisenbahnen als Beispiel anführen, an dem sowohl Alstom als auch Hitachi beteiligt waren. Bei diesem Projekt haben wir in Zusammenarbeit mit dem Kunden Bodenbeläge für den Führerstand des Regionalzugs von Alstom sowie für die Personenwagen und den Führerstand des Regionalzugs von Hitachi entwickelt. Dabei haben wir Aluminiumträger mit schwingungsdämpfenden Polymerstreifen, einer Isolierung und einer Gummibeschichtung fertig vormontiert, sodass der Boden ohne weitere Vorarbeiten in den Zügen installiert werden konnte. Mit dieser Lösung ist es uns gelungen, die Einbauzeit für die Bodenbeläge von drei Tagen auf 16 Stunden zu verkürzen.
Herr Raffone, welche anderen Maßnahmen gibt es noch, um den Reisekomfort zu erhöhen? Und was sind Ihrer Meinung nach die künftigen Entwicklungen bei den Fußbodensystemen?
"Bellotti hat in den letzten Jahren mit verschiedenen Anbietern von leichten, dünnen, aber leistungsstarken Isoliermaterialien zusammengearbeitet. Diese können unter dem Bodenbelag vorinstalliert werden und bieten so eine zusätzliche Wärmedämmung und einen erhöhten Komfort für die Reisenden. Um den wachsenden Komfortansprüchen gerecht zu werden, wurde außerdem ein innovativer Belag mit integrierter Fußbodenheizung entwickelt, der ebenfalls nach dem Plug-and-Play-Prinzip konzipiert wurde und sofort einsatzbereit ist. Dadurch bietet der Bodenbelag nicht nur eine Wärmeisolierung nach außen, sondern er reguliert in Verbindung mit der Klima- und Heizungsanlage auch die Innentemperatur der Waggons und gewährleistet damit ein Höchstmaß an Innenraumkomfort. Wir wollen auch in Zukunft weitere Innovationen entwickeln, indem wir neue Materialien und Techniken für die Konstruktion und das Kleben testen. Eine große Herausforderung dabei bleibt die maximale Gewichtsreduzierung der Böden, daher arbeiten wir bei Bellotti an der Entwicklung zahlreicher Paneele aus Aluminium, Verbundwerkstoffen und Harzen. Zu den wichtigsten Neuheiten gehören schließlich auch unsere Angebote zur Umrüstung von Bodensystemen, einschließlich der Beleuchtung."
Pressemeldung Bellotti




