english

Montag, 12 März 2018 11:09

TecSol: Expansion mit Umbau von Hybrid-Lokomotiven

Das steirische Technologieunternehmen TecSol erlebte ein turbulentes vergangenes Jahr. Nach einem erfolgreichen Sanierungsverfahren stehen die Weichen nun wieder auf Wachstum. Mit dem Einstieg von finanzstarken Investoren erfolgte eine Fokussierung auf den Bereich Bahntechnik. Vor allem die weltweit einzigartige Technologie für die Umrüstung von Lokomotiven auf Hybrid-Antrieb bietet gewaltiges Marktpotential.

Der Umbau auf Hybrid-Antrieb gilt im Eisenbahnbereich als technologisch enorm anspruchsvoll. Die bestehenden Lokomotiven werden dabei mit einem Batteriesatz und Hochleistungskondensatoren ausgerüstet. „Wir haben als einziger Anbieter weltweit in einem Pilotprojekt mit den ÖBB die Wirksamkeit unserer Technologie bewiesen“, betont CEO Willibald Maier. Der TecSol-Gründer sieht für sein Unternehmen einen technologischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz von rund einem Jahr. Das Marktpotential erscheint enorm. So sind Hybrid-Lokomotiven künftig geradezu prädestiniert für den Einsatz in Häfen, bei Anschlussbahnen von Industriebetrieben oder auf Verschubbahnhöfen. „Aber auch auf Strecken ohne durchgängige Elektrifizierung, im Bahnbau oder bei Bergefahrzeugen kann unsere Technologie zum Einsatz kommen“, zeigt sich Maier von den Möglichkeiten begeistert.  

Die Vorteile beim Einsatz von Hybrid-Lokomotiven liegen jedenfalls auf der Hand. So entfallen die ansonsten üblichen Umrüstzeiten. „Im Normalfall dauert jedes Umspannen rund eine Stunde. Bei Betrieben mit großem Fuhrpark summiert sich dies natürlich“, betont Mag. Martin Platzer, der sich mit seinem Unternehmen March15 Technologies an TecSol beteiligte und in der Geschäftsführung sitzt. Als weitere Kostenvorteile nennt der Technologie-Experte die gegenüber einer Diesel-Lok um zwei Drittel niedrigeren Instandhaltungskosten für E-Hybrid-Lokomotiven. Und natürlich sinken auch die Kosten beim Energiebedarf. Eine Kilowattstunde Strom kostet die Hälfte einer Kilowattstunde Diesel. Und im Normalbetrieb – etwa auf Verschubbahnhöfen – läuft eine Diesel-Lok zehn Stunden im Leerlauf und kommt eine Stunde zum Einsatz. „Die Leerlaufzeiten entfallen natürlich bei unseren Hybrid-Lokomotiven. Insgesamt dürfen potentielle Kunden bei Einsatz der neuen Technologie mit einem Einsparungspotential von 700 bis 800 Euro je Lokomotive und Tag rechnen“, weiß Mag. Platzer.

Neben den rein finanziellen Aspekten sorgt die Umrüstung von Lokomotiven auf Hybrid-Antrieb auch für positive Umwelteffekte. Eine Diesel-Lok verbraucht rund 30 Liter Treibstoff je Stunde. Bei einer branchenüblichen Einsatzzeit ergibt dies einen CO2-Ausstoß von rund 1.500 Kilogramm pro Tag. „Pro Jahr produziert eine Diesel-Lok also rund 400 Tonnen CO2-Ausstoß, der mit unserer Technologie zu vermeiden ist. Ganz zu schweigen vom gesundheitsschädlichen Feinstaub, der ja immer mehr zu heftigen Diskussionen und Einschränkungen führt“, erklärt Mag. Platzer. 

Mit dem Umbau auf moderne Hybrid-Technologie kann die Laufzeit von vorhandenen Lokomotiven um bis zu 20 Jahre verlängert werden. Die Kosten für die Umrüstung belaufen sich je Lok auf 1,2 bis 1,4 Millionen Euro. Eine neue Lokomotive kostet im Vergleich rund 2,5 bis 3 Millionen Euro und hat eine konzipierte Laufzeit von bis zu 35 Jahren.  

Das Marktpotential im Bereich Bahntechnik scheint enorm. Alleine in Europa gibt es mehr als 1.000 registrierte Bahnbetriebe. „Und unsere Technologie ist weltweit einsetzbar. Es fahren ja jetzt auch TecSol-Lokomotiven in Thailand und Kambodscha“, erklärt Gesellschafter Dr. Christoph Strobl. Neben der Umrüstung von Lokomotiven auf Hybrid-Antrieb verfolgen die Bahntechnik-Experten mit dem Umbau von Waggons der „Rollenden Landstraße“ einen weiteren Leistungsschwerpunkt. In diesem speziellen Segment zählen die Schweizerischen Bundesbahnen und die Rail Cargo bereits zu den Kunden. Angesichts der Chancen steckt sich das steirischen Technologieunternehmen ambitionierte Ziele. So sollen bereits heuer Umsätze in Höhe von rund 10 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Damit wird auf Anhieb ein doppelt so hoher Umsatz angestrebt, als dies im besten Jahr vor der Insolvenz gelang.

Pressemeldung 

Zurück