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Mittwoch, 15 November 2017 18:19

Letzter Dieselherbst auf der KBS 971

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Ihren wohl letzten Herbst erlebt die Dieselherrlichkeit mit Mühldorfer 218 vor den EC-Zügen München - Zürich auf der Kursbuchstrecke 971. Bislang konnte man dort noch abschnittsweise Telegrafenleitung und Formsignale auf einer nebenbahnähnlichen Infrastruktur erleben. Inzwischen besteht jedoch für einen Großteil der Strecke Baurecht, für die Elektrifizierung und zum Ausbau als ICE-Strecke.

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Fotografen sollten sich also beeilen: Am 1 November sind bereits die Formsignale in Sontheim und Stetten gefallen und den jetzigen Planungen zufolge, wird die Strecke ab Ende März 2018 für voraussichtlich 7 Monate (!) komplett gesperrt werden, damit die umfangreichen Umbauarbeiten durchgeführt werden können. So soll das u.A. große Steinviadukt in Stetten in dieser Zeit durch ein neues Betonbauwerk ersetzt werden. Es ist aber davon auszugehen daß aber auf den anderen Streckenabschnitten zeitgleich die Baumaßnahmen beginnen werden. Endzeit also für schwere Dieselpower und Telegrafenleitungen ....!

Die 218-bespannten EC-Züge, werden ab März dann wohl über Kempten und die Allgäubahn umgeleitet. Sollten Sie dann im Herbst 2018 nochmals auf die Achse Buchloe - Memmingen - Lindau zurückkehren, wird diese Strecke aber sicher schon anders aussehen.

Fragwürdig und wohl wenig durchdacht, ist allerdings auch das derzeitige Konzept der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) für den Zeitraum nach Fertigstellung der Ausbaumaßnahmen ab Dezember 2020: Demnach soll der gesamte, jetzt mit den beliebten ALEX-Zügen über Kempten und die zweigleisige Allgäubahn abgewickelte, durchgehende Verkehr München - Lindau auf die dann elektrifizierte Achse über Memmingen übergehen und dort sogar - neben den dann zahlreicher verkehrenden Fernverkehrszügen in die Schweiz - ein Regionalverkehrsstundentakt angeboten werden. So weit so schön, wäre da nicht die Tatsache, daß die Ausbaumaßnahmen mitnichten einen zweigleisigen Ausbau dieser Achse vorsehen.

Man muß also keine hellseherischen Fähigkeiten haben um das betriebliche Chaos auf dieser Achse voraus zu ahnen: Schon heute verspäten sich beispielsweise im würtembergischen Abschnitt, der derzeit nur von zweistündigen Regionalzügen und drei EC-Paaren befahren wird, schon bei geringfügiger Verspätung eines EC, die folgenden RB um bis zu 15 Minuten, da es nur Kreuzungsmöglichkeiten in Hergatz, Wangen und Kissleg gibt. Und daran wird sich auch zukünftig nichts ändern.

Ein im Übrigen von der Schweiz initiierter und auch vorfinanzierter "Ausbau light", der symptomatisch für die Plan- und Ziellosigkeit der bundesdeutschen Verkehrspolitik ist und im Kontext mit einem fragwürdigen BEG-Nahverkehrskonzept, das nur auf "elektrisches Fahren um jeden Preis" zielt, die Situation im Allgäuer-Regionalverkehr nach dem jetzigen Stand eher verschlimmbessern wird.

Bild 1: "Indian Summer" zwischen Wangen und Hergatz. 218 498 und 401 (nicht sichtbar) ziehen ihren EC- München - Zürich - Basel über die Landesgrenze Baden Würtenberg - Bayern. Der Zug hat das Land Baden Würtenberg gerade als "Korridorzug" ohne Halt durchquert. Die Strecke hat hier den Charakter einer Nebenbahn, als die die Strecke von der" kgl. würtenbergischen Staatseisenbahn" ursprünglich auch erbaut worden ist.

Bild 2: Der vormittägliche EC Zürich-München in "klassischer" Eisenbahnkulisse am " Siebensee" bei Wangen.

Bild 3: Der Nahverkehr wird derzeit im würtenbergischen Abschnitt von Dieseltriebwagen im 2-Stundentakt abgewickelt (bei Wangen), Eingesetzt werden mittlerweile hauptsächlich 650 des BW Ulm. Viel Glück gehört dazu , hier noch einen 628 (628 901) zu sehen.

Bild 4: 218 401 und 498 ziehen den nachmittäglichen EC bei Hergatz gen München.

Alle Aufnahmen vom 4.11. 2017

Alexander Bauer

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