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Sonntag, 19 November 2017 12:49

St. Pölten - Abbau der letzten Strecke der St. Pöltner Straßenbahn

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Fotos Harald Marincig, Robert Hergett, Philipp Mackinger, Gunter Mackinger.

Zu ihrer Blütezeit hatte sie ein Streckennetz von mehr als 10 km und rund 30 Industrieanschlüsse, ja sogar ein eigenes Gütermagazin für den Stückgutverkehr – die St. Pöltner Straßenbahn. Eröffnet 1911 entsprach sie eher einer normalspurigen Lokalbahn denn einer innerstädtischen Strassenbahn lag doch ihr Hauptzweck im Anschluss von Industriebetrieben an das Vollbahnnetz und im stets eher bescheidenen Personenverkehr in der Verbindung der Stadt St. Pölten mit südlich davon gelegenen Umlandgemeinden.

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Stets zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig – so quälte sich die St. Pöltner Straßenbahn durch die Jahrzehnte. Die angefangene Sanierung der maroden, elektrischen Bahn Anfang der 1970er Jahre war – wie so oft ein schlechtes Omen – die erhöhten Abschreibungen führten Anfang 1976 in den Konkurs und am 9. Februar 1976 wurde der Strom wegen unbezahlter Stromrechnungen vom landeseigenen Stromversorger NEWAG abgedreht ! Damit endete (fast) die Geschichte dieser liebenswerten Tramway in der heutigen Hauptstadt Niederösterreichs. Fast deshalb – weil 3 Anschlussgleise auch nach der Einstellung weiter bedient werden mussten. Einerseits die Anschlussbahnen der NEWAG (die den Strom wegen ca. € 3500.- abgedreht hatte) und der Fa. Salzer – beide wurden noch einige Zeit mit Straßenrollern bedient und andererseits die Glanzstoff-Fabrik in der Herzogenburgerstraße.

Rund 500m Strecke – abzweigend von der 1945 kriegsbedingt, provisorisch errichteten Übergabestelle zu den ÖBB an der Strecke Tulln - St.Pölten, blieben vom Abbau verschont und wurden ab 22.3.1976 von den ÖBB mit Diesellokomotiven bedient. Der Betrieb endete zu Jahresende 2008 mit derr Schließung der Glanzstoff-Fabrik und seither war die Gleisanlage verweist – aber in relativ gutem Zustand.

Im 4. Quartal 2017 – 106 Jahre nach der Errichtung der Straßenbahn – begann die Stadt St. Pölten mit der Neugestaltung der Straße und dem Abbau der nutzlosen Gleisanlage. Wenn diese völlig verschwunden sein wird, erinnert nur noch die in schlechtem Zustand befindliche Remise und da und dort ein Wandanker an den Pioniergeist des beginnenden 20. Jahrhunderts, als nahezu jeder mittelständige Produktionsbetrieb in St. Pölten über einen Gleisanschluss verfügte – heute würde man dies „City Logistik“ nennen und ein EU gefördertes Projekt daraus machen.

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