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Freitag, 01 Januar 2021 14:00

Ausbildungsfahrten Teil 16: Von Neustrelitz nach Mirow

Neustrelitz SuedVT 650 086 Esig Zirtow
Fotos Detlef Radke.

Heutiger Startpunkt ist nochmals Neustrelitz. Diesmal geht es auf ein Teilstück der ehem. 155 km langen Strecke von Wittenberge nach Strasburg (Uckermark). Die von 1881 bis 1983 in Teilstücken eröffnete Strecke verband die Prignitz mit Süd-Mecklenburg bis zur Uckermark.

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Fotos EGP/ HANS.

Vier Eisenbahngesellschaften führten den Betrtieb durch: die Wittenberge-Perleberger-Eisenbahn (WPE), die Prignitzer Eisenbahngesellschaft (PEG),die Neustrelitz-Wesenberg-Mirower Eisenbahngesellschaft, sowie die Blankensee-Woldegk-Strasburger Eisenbahngesellschaft.

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Fotos Archiv T.Walther.

In Neustrelitz entstand der 100 m neben dem Preussischen Bf gelegene Bf Neustrelitz Süd. Ein Verbindungsgleis ermöglichte die Übergabe von Güterwagen. 1910 und 1922 wurde die Strecke um zwei Anschlussbahnen Thurow - Feldberg bzw. Abzw. Starsow- Ellerholz erweitert. Letztere wurde auf Betreiben des Militärs angelegt, da sich in Rechlin, nördlich von Ellerholz eine Erprobungstelle der Luftwaffe befand und ein Anschluss an die Eisenbahn benötigt wurde.

1932 wurde auf brandenburgischer Seite der gemeinschaftliche Betrieb zwischen der WPE und der PEG zusammen mit den Prignitzer Kreiskleinbahnen aufgenommen.

Zum 1. Januar 1941 erfolgte die Verstaatlichung der Strecken unter dem Dach der Deutschen Reichsbahn. Die Verstaatlichung war mehr aus militärischen als aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt, da die Strecken eine strategisch wichtige Linie Wittenberge–Neustrelitz–Strasburg(–Stettin) bildeten. Im Personenverkehr erfolgte nun ein durchgehender Betrieb unter der Kursbuchnummer 120, die die Bahn auf gesamter Länge zwischen Wittenberge und Strasburg beinhaltete.

In Rechlin entstand die zentrale Erprobungstelle der Luftwaffe und die geheime Fliegerschule. Zur Erprobung kamen hier die ersten Strahl- und Düsenflugzeuge Me 262 und He 280.

Die nach Kriegsende Herrschaft ausübende Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) beschlagnahmte das Areal und stationierte dort ein Jagdbomber- und Hubschraubergeschwader. Ein Umstand, das Teile der Strecke vom Abbau verschont verblieben. Zu Reparationszwecken, wurde allerdings der 40 Kilometer lange Abschnitt Thurow–Strasburg 1947 abgebaut. Der Abschnitt Neustrelitz Süd–Thurow blieb für die Züge nach Feldberg in Betrieb, die nun bis nach Neustrelitz durchgebunden wurden.

In der DDR nahm die Bedeutung der Strecke für den Güterverkehr zur Entlastung der Hauptbahnen und aus militärischen Erwägungen zu.

Im Personenverkehr entwickelten sich die Abschnitte Wittenberge–Pritzwalk und Pritzwalk–Neustrelitz separat. Die meisten Züge aus Wittenberge endeten in Pritzwalk oder fuhren in Richtung nach Güstrow über Karow weiter. Umgekehrt pendelten Züge meist zwischen Pritzwalk und Neustrelitz. In den letzten Jahren unter Reichsbahn-Regie gab es zeitweilig nur noch einen einzigen durchgehenden Zug Neustrelitz–Wittenberge, der nicht weniger als 2 Stunden und 43 Minuten unterwegs war.

Wie auf vielen Strecken im Osten Deutschlands entwickelten sich die Verkehrsströme nach 1990 deutlich anders. Als Reaktion gab es einige Versuche zur Attraktivitätssteigerung der Strecke. Seitens der brandenburgischen Landesregierung wurde der Abschnitt Wittenberge–Wittstock in das Projekt Prignitz-Express einbezogen und von 2006 bis 2008 der Abschnitt Wittenberge–Wittstock etappenweise zu einer Hauptbahn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgebaut. Heute verkehrt dort die Regionalexpress-Linie RE6 (Prignitz-Express) zwischen Wittenberge, Wittstock, Neuruppin, Hennigsdorf und Berlin-Spandau im Stundentakt.

Der die Landesgrenze querende Abschnitt Wittstock–Mirow spielte in diesen Überlegungen keine Rolle. Im Mai 1998 wurde der Verkehr dort abbestellt und im Jahre 2000 stillgelegt. Beim Umbau des Bf Wittstock für den Prignitz-Express erfolgte der Ausbau der Weichen und somit wurde der Anschluß gekappt. Seit 21. Dezember 2007 gilt der frühere Bahnhof Mirow betrieblich als Haltepunkt. Die anschließende 1,7 Kilometer lange Teilstrecke bis Starsow gilt als Teilstück einer möglichen Trassenvariante zur Bundesstraßenortsumgehung. Von Abzw. Starsow bis Wittsock soll ein Radweg enstehen.

Im Rahmen größerer Sparmaßnahmen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) wurde auch die Linie R6 (Mirow–Neustrelitz) zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 durch das Land Mecklenburg-Vorpommern abbestellt. Infolgedessen schrieb die DB Netz AG Regionalbereich Ost diesen Streckenabschnitt im Mai 2012 zwecks Abgabe der Eisenbahninfrastruktur aus. Die verbleibenden Einnahmen aus der Belieferung des Tanklagers in Zirtow würden die Betriebs- und Sanierungskosten der Strecke nicht mehr decken.Im September 2012 wurde die Strecke von der RegioInfra Nordost (RIN) übernommen.

Der Weiterbetrieb der Strecke wurde im Rahmen eines vom Land Meck-Pom. geplanten Modellprojektes zur Vernetzung von Bus, Schiene und flexiblen Bedienformen im ländlichen Raum realisiert. Dabei übernahm der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte die Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) auf der Strecke Neustrelitz–Mirow. Dieser erhält dazu jährlich 300.000 Euro Betriebskostenzuschuss, Gelder des Landes für einen eigentlichen SEV.

Unter dem Namen Kleinseenbahn erfolgte anfänglich ein saisonaler Betrieb. Mittlerweile findet ein täglicher (Mo -So) Betrieb mit fünf Zugpaaren im ZweistundenTakt statt. Betreiber ist die HANS, die Triebwagen der Baureihe NE 81 oder LVT/S BR 504 bzw. 672.9 einsetzt.

Video-Link: https://youtu.be/7AHusEtbZAM

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Modellbau T.Walther

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Letzte Änderung am Donnerstag, 31 Dezember 2020 17:17