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Donnerstag, 06 Mai 2021 12:00

Die Waldenburgerbahn fährt durch Franken

2021 05 05 MS Amare mit WB Wagen Schleuse Eckersmuehlen 012021 05 05 MS Amare mit WB Wagen Schleuse Eckersmuehlen 02

Es hatte nicht sollen sein. Ein Besuch beim "Waldenburgerli" ging sich nicht mehr aus, die Reise- und Quarantänebestimmungen verhinderten eine Abschiedstour zur elektrischen 750 mm-Lokalbahn von Liestal nach Waldenburg (Kanton Basel-Land) vor ihrer Einstellung am 6. April. Die einzige öffentliche Bahn der Schweiz in dieser Spurweite wird auf 1.000 mm umgebaut, teils neu trassiert - und wird nicht wiederzuerkennen sein.

Also: leider, keine eigene Erfahrung mit der alten WB ... Doch dann kamen neue Nachrichten: das gesamte Rollmaterial, das in die Slowakei zur Waldbahn am Schwarzen Gran verkauft wurde, sollte nicht etwa mit der Eisenbahn über den Arlberg verfrachtet werden, sondern per Binnenschiff vom Rheinhafen Basel-Birsfelden via Rhein, Main, Main-Donau-Kanal und Donau nach Bratislava geschippert werden und dort erst auf Vollspur-Transportwagen wechseln. Über den MDK, der kaum 20 Kilometer von meiner Haustüre über die Wasserscheide zieht ...

Moderne Hilfsmittel lassen jeden Laien das GPS-Signal eines Schiffes lokalisieren und verfolgen. So kam der kleine grüne Pfeil im entsprechenden Internetprogramm heute immer näher - Baiersdorf, Schleuse Kriegenbrunn, Hafen Nürnberg, Schleuse Eibach. Als die MS AMARE diese am Nachmittag verlassen hatte, zog ich los. Bezog Posten am Unterwasser der Schleuse Eckersmühlen. Am Himmel schnelle Wolken, viel Blau, Aprilwetter im Mai. Jetzt sollte der niederländische Kahn aus Dordrecht die Schleuse Leerstetten passiert haben. Vielleicht noch eine halbe Stunde ...

Der Himmel verdunkelte sich. Tief "Eugen" nahm nochmal Sturmstärke an. Und genau da bog der 110 Meter lange, elfeinhalb Meter breite Brocken hinten im "Steckerlaswald" um die Kurve ...

Kragen hoch, Mütze in die Stirn, auf geht's, rauf auf den Hang neben der Schleuseneinfahrt! Aus derselben rauschte das Wasser und tuckerte der Ungar TOKAJ nordwärts, dann fuhr die AMARE ein. Der Sturm peitschte eiskalten Regen und Hagel aus Nordwest gegen Hosenbeine, Stativ, Brille und Kameras. Objektivdeckel erst im letzten Moment runter, aber natürlich gab es Flecken auf der Linse, mindestens bei der Digitalknipse. Das Dia wird nicht besser geworden sein ... der Kahn verschwand in der dunklen Kammer, um gehoben zu werden (Schleusenbreite 12 m, Fallhöhe knapp 25 Meter - wie bei den beiden benachbarten, gleichen Schleusen Leerstetten und Hilpoltstein ist dies die größte Schleusenfallhöhe Deutschlands!).

Es hatte nicht sollen sein, von oben bei Sonnenschein auf die zwölf verladenen Trieb- und Steuerwagen blicken zu können. Tropfende Kameras, patschnasse Hosen - ich erinnere mich nicht, für ein einziges Eisenbahnmotiv jemals ein solches Wetterextrem ausgestanden, nicht abgebrochen zu haben. Aber das Waldenburgerli fährt nur einmal durch Franken!! 

Den Rest der WB-Flotte (wie passend) bringt die MS QUINTO, ebenfalls ein Niederländer, hinterher, im Abstand von anderthalb bis zwei Tagen.

Jetzt, nachdem die AMARE bereits die Scheitelhaltung des MDK erreicht hat und dem Altmühltal zustrebt, ist die QUINTO im linken Schenkel des Maindreiecks, kurz vor Würzburg. Es wird sich nicht ausgehen. Entweder sie kommt nachts durch die großen Schleusen, oder - je nachdem, ob sie nochmal anlegt - am Freitag. Da aber heiratet unsere Tochter, die mittlere. Da gibt's kein Rendezvous mit der kleinen Bahn auf großer Fahrt.

Bei der Heimfahrt von Hilpoltstein/Eckersmühlen zeigt das Thermometer 6 Grad Celsius, im Westen schon wieder herrliches Blau, im Osten tiefstes Schwarz. Wechselbad der Stimmungen und Gefühle. Ich hab's doch noch bekommen, mein Bild von der Waldenburgerbahn. Wenn auch ganz anders, als gedacht.

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Letzte Änderung am Mittwoch, 05 Mai 2021 20:33