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Sonntag, 18 Juli 2021 12:00

Kleinod in Oberbayern - die Tegernseebahn

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Bayern war seit jeher ein Land mit einem flächendeckenden Staatsbahnnetz. Es entwickelten sich, abseits der großen Lokalbahn AG (LAG), nur wenige Privatbahnstrecken und noch weniger konnten sich bis in die Jetztzeit herüber retten. Ein besonderes Kleinod ist die Tegernseebahn Schaftlach - Gmund - Tegernsee, welche sich wie das berühmte gallische Dorf aus Asterix, inmitten von DB-AG Infrastrukturen bis heute erfolgreich halten konnte.

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Die erste 7,9 km lange Teilstrecke dieser landschaftlich bemerkenswerten Normalspurbahn wurde 1883 zwischen Schaftlach und Gmund am Tegernsee eröffnet. 1902 folgte die zweite 4,5 km lange und bisher letzte Etappe von Gmund nach Tegernsee. Bis heute immer wieder ventilierte Pläne einer Verlängerung nach Rottach-Egern wurden seit nunmehr über 120 Jahren nicht ausgeführt. Auch eine Verlängerung der Achenseebahn bis Tegernsee blieb Fiktion.

Die Tegernseebahn war trotz ihrer kurzen Strecke bekannt für eine abwechslungsreiche Betriebsführung u.a. mit durchgehenden Triebwagen von und bis München Hbf.bzw. Kurswagenläufen. Mit dem Fahrplanwechsel 1998/99 endete der eigene Personenverkehr, da die Tegernseebahn vom Freistaat in das Oberlandbahn-Konzept integriert wurde. Seither werden alle bestellten SPNV Leistungen von der BOB (heute Bayerische Regiobahn) erbracht.

Die Tegernseebahn ist nach wie vor der Eigentümer und Betreiber Eisenbahninfrastruktur - deren Zustand sich wohltuend von vielen anderen Strecken, abhebt. Seit 2012 befindet sich die Tegernseebahn im öffentlichen Besitz - die Eigentümer sind die Gemeinden Tegernsee, Gmund und der Landkreis Miesbach. In diesem Jahrzehnten soll nach dem Willen des Freistaats das Oberland-Netz und damit auch die Tegernseebahn elektrifiziert werden.

Abseits aller Bemühungen der Unternehmensleitung um eine zeitgemäße und kundenfreundliche Infrastruktur befindet sich in deren Obhut ein besonderes "All-Zweck Schätzchen". 2016 konnte die Tegernseebahn als Ersatz für eine zu leistungsschwache Köf III den heutigen Triebwagen TAG 27 erwerben. Die Nummer resultiert aus der Tatsache, dass die Tegernseebahn einst bereits über die Triebwagen TAG 25 und 26 verfügt hat.

Was verbirgt sich hinter dem schmucken Triebwagen TAG 27? Eine mehr als abenteuerliche Historie:

• 1938 von der Dessauer Waggonfabrik geliefert an die Litauischen Staatsbahnen - dort LG 802
• 1939 durch die Besetzung des Memellands gelangt der Triebwagen zur DRB
• Einsatz im Bereich der verstaatlichten Lausitzer Eisenbahn 1940 - 1944
• 1944 Verkauf an die Regentalbahn - dort VT 03
• 1992 Verkauf an die Dortmunder Eisenbahn - dort VT 1
• 2008 Verkauf an die Bayerische Oberlandbahn
• 2016 Verkauf an die Tegernseebahn - dort TAG 27

In der schmucken klassischen, weiß- blauen Lackierung der Tegernseebahn Triebwagen dient der TAG 27 mit seinen 83 Jahren als "Mädchen für Alles" -  ob Bauzugdienst oder Streckenbereisung, Testfahrten oder Sonderfahrten. Das Schmuckstück erfreut sich nicht nur am Tegernsee großer Beliebtheit, mit PZB 90 ausgerüstet war er schon in einigen Regionen Bayerns zu bewundern. Übrigens – man kann den Triebwagen bei der Tegernseebahn auch mieten.

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