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Samstag, 17 November 2018 08:00

Ich will hier rein, oder: Draußen vor der Tür - in Guntershausen

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Wer morgens mit der Bahn zur Arbeit fährt, der sieht nach dem Zähneputzen schon mal ins Internet: Fährt er? Wann fährt er? Also meine Regionalbahn der Kurhessenbahn um 7:37 Uhr von Treysa nach Kassel fällt auch heute wieder aus. Sie wird in eisenbahnaffinen Kreisen als „negative Fahrzeugreserve“ bezeichnet.

Aber die folgende RB ab 7:48 Uhr ab Guntershausen soll pünktlich fahren. Zum Bahnhof geht es im schnelleren Schritt, denn mit Betriebshalt steht dort schon eine CANTUS-Regionalbahn von Bebra.

Wir Fahrgäste drücken den Türöffner – vergebens. Ich eile zum Triebfahrzeugführer: Bitte öffnen Sie die Tür, nehmen Sie uns mit. Unser Zug ist ausgefallen, und wer weiß, wann der Nächste kommt.

Kurz die Antwort: „Darf ich nicht“. Bitte fragen Sie doch nach, wir müssen nach Kassel-Wilhelmshöhe, und die anderen Herrschaften haben Anschlüsse an den Fernverkehr. „Da muss ich oben nachfragen.“

Er telefoniert: „Ich darf Sie nicht mitnehmen…“. Es ist ein Verkehrsverbund, es sind sowohl bei der KHB als auch beim CANTUS Regionalbahnen, wir alle haben gültige Fahrkarten, wir müssen zur Arbeit, wir wollen zum ICE.

Wir alle haben zwei Mal dafür bezahlt: Als Steuerzahler und als Kunden mit Fahrkarten, im Voraus.

Und der Zug: Lässt uns wieder stehen.

Das ist nun ein Thema, das ich seit Monaten mit dem Verkehrsverbund kommuniziert habe, denn die einschlägigen Zugausfälle auf der einen Bahn von Frankfurt korrespondieren mit Halten von Zügen auf der Bebraner Strecke – die wir dann gern ersatzweise benutzen wollen. Besonders, wenn beide Hauptbahnen zusätzlich mit Umleiter-Zügen belegt werden.

Also zurück zur Regionalbahn ab 7:48 Uhr: 5 Minuten Verspätung. Ich harre stur aus, - es werden 30 Minuten Verspätung werden, noch eine Gleisverlegung, ein letztes Mal durch die Unterführung: Um 8:30 Uhr sind wir in Wilhelmshöhe.

Der Zug, mit dem wir fahren wollten, wäre um 7:54 Uhr da gewesen. So wie der CANTUS, der vor unseren Augen um 7:44 nach vierminütigem Aufenthalt ohne uns nach Kassel fuhr.

Das ist das Schicksal der Bahnpendler: Im Voraus die Jahreskarte bezahlen (gestern!), auf Züge warten, die notorisch ausfallen – und von denen, die am Bahnsteig stehen, nicht mitgenommen werden.

„Ich will hier rein“ rief der spätere „Bahnprivatisierer Gerhard Schröder“, rüttelte am Tor der Herrschaft und wurde eingelassen. Uns hingegen erging es eher wie dem Beckmann in „Draußen vor der Tür“: Der fragte nach der Verantwortung, aber am Ende erhielt er auf seine Fragen keine Antwort.

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