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Donnerstag, 27 Dezember 2018 12:00

Zum Weihnachtskaffee mit der Bahn nach Wildungen: Ein Versuch

vt 628 warten auf den ersatzverkehrvt 628 wildungen 1

Die einfachsten Pläne sollen immer die besten zu sein: Nachmittags um zwei nach Bad Wildungen fahren, um drei ankommen. Und um fünf Uhr wieder abfahren, um sechs zu Hause sein. Am Bahnhof pünktlich um 14 Uhr angekommen, wird die Abfahrt für 14:19 Uhr annonciert. 20 Minuten warten. Gut, dass ich allein fahre, das wäre den Enkeln jetzt wieder lang und kalt geworden.

vt 628 widungen fährt einlgb weihnachten

Anzeige: verspätet sich um 20 Minuten, Grund ist die verspätete Bereitstellung des Zuges. 25, 30 - ja spielen wir denn Skat, 18, 20 passen? 35, 40 Minuten, die Sache ist steigerungsfähig, riecht aber im vertakteten Regionalverkehr dann schnell nach einem Zugausfall.

Also beim Nordhessischen Verkehrsverbund anrufen: Ich möchte von Guntershausen mit der Regionalbahn nach Wildungen fahren - kommt der Zug denn noch? "Fahren Sie ab Kirche?" Nein, da waren wir gestern, der Zug fährt vom Bahnhof ab. "Mit der Regiotram?" Nein, mit der Regionalbahn 39. Nach Wildungen fahren keine Regiotram. "Also, der soll mit 48 Minuten Verspätung fahren." Danke.

Und noch etwas: Auf der Anzeige des NVV fahren statt der Regiotram am zweiten Weihnachtstag Busse im Ersatzverkehr. Das ist aber erst morgen so, das ist falsch. So? -  Danke, ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten. "Ich Ihnen auch."

Desinformation nach dem Kaskadenprinzip: 19, 20, 25, 30, 35, 40, 45 Minuten Verspätung werden angezeigt für die RB 39 nach Bad Wildungen, Kaffeefahrt für Jahreskarteninhaber. Lassen wir es gut sein, da kommt der alte Triebwagen 628.2 auch schon den Berg von Kassel heruntergerollert, mit 48 Minuten Verspätung.

Lasst uns froh und munter sein, drinnen kann es nur wärmer sein. Der gute alte 628 225, gut dreißig Jahre alt, und ohne behindertengerechte Einrichtung. Klimaanlagen und höhengleiche Ein- und Ausstiege - dazu hatte sich die Kurhessenbahn zwar schon im Frühjahr 2017 bei der europaweiten Ausschreibung der Verkehrsleistung verpflichtet. Aber die Realität sieht auch fast zwei Jahre später anders aus. Keine behindertengerechten Einrichtungen, die an den nach wie vor nicht barrierefreien Bahnhöfen Guntershausen, Grifte usf. sowie wenig hilfreich wären, und dazu noch: Ein ungeheizter Triebwagen am Weihnachtsfeiertag.

Da hat der Verkehrsverbund als Behörde einen Vertrag mit einem Schienenverkehrsunternehmen im staatlichen Besitz geschlossen - aber wen scheren Tinte und Vertrag, den man nicht erfüllen mag.

Unser Gefährt quält sich im Gefalle auf die Eder zu, und nach vier Kilometern ist in Edermünde für mich Schluss: An die 50 Minuten Verspätung, das wird zu spät fürs Kaffeetrinken in Wildungen. Ich laufe durch den Wald nach Hause. So später Kaffee ist nicht gut für mich, der regt mich auf. (Die Enkel, zu Hause? Die hatten es gut, fuhren mit der Lehmannbahn um den Weihnachtsbaum, am warmen Ofen.

LGB: 30 Jahre alt, aber zuverlässig wie eine Schweizer Bahnhofsuhr. Privatbahn, nicht im öffentlichen Eigentum!

Dr. Klaus-Peter Lorenz

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