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Mittwoch, 15 Mai 2019 14:00

Mit zwei Großohren durch den Thüringer Wald

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Dem Plandampfteam der IGE „Werrabahn Eisenach“ e.V. ist es gelungen, die beiden großohrigen, ehemaligen Reichsbahn-Pacifics 01 2118-6 und 01 2066-7 für eine kurzfristig angesetzte und einmalige Veranstaltung am 11. und 12. Mai 2019 zusammen von Arnstadt aus nach Meiningen und auf der Werratalbahn fahren zu lassen. Die Veranstaltung begann am Freitagabend mit Aufnahmen im Bw Arnstadt, wo gelegentlich kurz die Sonne zum Vorschein kam.

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Am Samstag wurde der Zug von beiden Lokomotiven in Doppeltraktion gezogen. Es regnete den ganzen Tag, was zu sehr spektakulären Bildern führte; vielleicht besser als bei sonnigem Wetter. Am Sonntag, als die Züge mit einer Lok fuhren, war es meist sonnig. Alles in allem war es eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Da die gesamte Bahnstrecke renoviert wird, war es vielleicht eine der letzten Gelegenheiten dieser Größenordnung.

Um die Schnellzuglokomotiven der verschiedenen Länderbahnen zu ersetzen, wurden zwei Typen von zehn 2’C1’-Schnellzuglokomotiven entwickelt, die Baureihe 01 mit zwei Zylindern und die Baureihe 02 mit einem Vierzylinder-Verbundtriebwerk. Nach Testfahrten fiel die sehr kontrovers und leidenschaftlich diskutierte Entscheidung schließlich zugunsten des in der Wartung einfacheren Zweizylindertriebwerks, das allerdings hinsichtlich der Brennstoffverwertung und der Leistungsfähigkeit etwas hinter dem Vierzylinderverbundtriebwerk zurückstand.

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Die Baureihe 01 wurde von AEG und Borsig und später auch von Henschel, Hohenzollern, Krupp und Schwartzkopff hergestellt. Zwischen 1926 und 1938 wurden insgesamt 231 Lokomotiven für den Reisezugverkehr der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft gebaut, verteilt auf fünf Lieferserien. Sie erhielten die Nummern 01 001-010 und 01 012-232. Die Serienlieferung der Baureihe 01 verzögerte sich zunächst etwas, da in den 1920er Jahren weder viele Strecken mit der notwendigen zulässigen Achslast von 20 Tonnen noch genug Drehscheiben mit ausreichendem Durchmesser zur Verfügung standen. Erst ab Anfang der 1930er Jahre entwickelte sich die Baureihe 01 zur dominierenden Schnellzuglokomotive der Deutschen Reichsbahn. Im Jahr 1938 standen dann schließlich 231 Lokomotiven dieser Baureihe für den hochwertigen Schnellzugeinsatz zur Verfügung. Weitere zehn Maschinen der Baureihe 01 (01 011, 01 233–241) entstanden 1937 bis 1942 durch Umbau der Vierzylinderlokomotiven der Baureihe 02 in Zweizylindermaschinen.

Jahrelang bildeten diese Loks das Rückgrat der schweren Eil- und Schnellzüge auf den Hauptstrecken. Die Lokomotiven waren überall in Deutschland zu sehen. Sie erreichten eine Geschwindigkeit von maximal 130 km/h. Wegen des hohen Achsdrucks von 20 Tonnen konnten die Lokomotiven allerdings auf Strecken mit leichtem Oberbau nicht eingesetzt werden. Die DRG entwickelte daher eine leichtere Version mit einer Achslast von 18 Tonnen, die Baureihe 03, sowie eine etwas schnelleren Dreizylinder-Version, die zur Baureihe 01.10 führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging eine größere Zahl von Lokomotiven der BR 01 an die Deutsche Bundesbahn. Als sich 1957 bei einer Reihe von Lokomotiven die Kessel in einem schlechten Zustand befanden, wurde beschlossen, 50 Lokomotiven umzubauen und mit einem Hochleistungskessel auszustatten. Das Erscheinungsbild änderte sich drastisch durch den neuen Kessel mit nur einem Dom und durch die kleinen Witte-Windleitbleche. Dennoch schafften es sowohl die alte als auch die neue Version bis ins Ziel bei der DB. Die letzten Maschinen wurden in 1973 ausgemustert.

Bei der Deutschen Reichsbahn stand diese Baureihe, sogar weitgehend im Ursprungszustand mit den großen Wagnerblechen, noch bis Anfang der 1980er Jahre im Dienst. Legendär waren in den letzten Jahren die Einsätze vor den D-Zügen auf der Strecke Berlin–Dresden bis zum Herbst 1977. Erst mit dem Aufkommen der sowjetischen Großdiesellokomotiven der damaligen Baureihe 132 konnten die inzwischen fast 50 Jahre alten Schnellzuglokomotiven der Baureihe 01 in der DDR aus dem Plandienst verdrängt werden.

Ab dem Jahr 1962 rekonstruierte das RAW Meiningen 35 Maschinen der Baureihe 01. Zu jener Zeit waren die Lokomotiven im schweren Reisezugverkehr noch unverzichtbar, Rahmen und Kessel waren jedoch so verschlissen, dass eine Erneuerung notwendig wurde. Der Umbau umfasste nicht nur den Einbau eines neuen Kessels, vielmehr wurde die gesamte Lokomotive einer Erneuerung unterzogen. Markantestes äußeres Merkmal dieser neuen BR 01.5 war die durchgehende Domverkleidung, welche den Lokomotiven ein modernes, schnittiges Aussehen verlieh. Auch die großen Windleitbleche wurden durch kleinere ersetzt, die vorne oben abgeschrägt waren. Dank des neuen Kessels gehörte die sogenannte Reko-01 mit zu den leistungsfähigsten deutschen Schnellzug-Dampflokomotiven.

Ab Betriebsnummer 01 519 erhielten alle Loks beim Umbau eine Ölhauptfeuerung, welche eine weitere Leistungssteigerung ermöglichte. Bis auf sieben Loks des Bw Berlin Ostbahnhof wurden alle anderen Lokomotiven später mit Ölhauptfeuerung nachgerüstet.

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