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Donnerstag, 20 Januar 2022 12:23

Deutsches Technikmuseum - Fotografien aus der DDR von Burkhard Wollny

Wie sah der Alltag an den Eisenbahnschienen in Ostdeutschland aus? Worin unterschied er sich von ähnlichen Szenarien im Westen? Burkhard Wollny ist Fotograf und Eisenbahnfan aus der Nähe von Stuttgart. Besonders alte Dampfloks haben es ihm angetan. Vor dem Mauerfall reiste er immer wieder in die DDR und nach West- Berlin, wo noch viele der alten Lokomotiven ihren Dienst taten.

Dabei entstanden einzigartige Bilder vom Leben in den Städten und in der Provinz, auf Bahnhöfen und an Bahnübergängen. Das Deutsche Technikmuseum in Berlin zeigt 57 seiner Fotografien ab dem 21. Januar in der Sonderausstellung „Alltag an Schienen. Fotografien aus der DDR von Burkhard Wollny“. Die Schau ist ein Beitrag zum Jubiläum von 30 Jahren friedlicher Revolution und Wiedervereinigung.

Bahnfahren gehörte in der DDR zum Alltag. Während sich Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Autonation entwickelte, blieb Ostdeutschland größtenteils der Schiene treu. Um 1980 wurden im Personenverkehr nach wie vor 40 Prozent der Wege mit dem Zug zurückgelegt. Was aus heutiger Sicht nach einem zukunftsweisenden Verkehrskonzept klingt, galt vor 40 Jahren als nicht mehr zeitgemäß: kleine Bahnhöfe, volle Pendlerzüge und Nebenstrecken bis in die entlegensten Winkel des Arbeiter- und Bauernstaats. Wollnys Bilder schwanken zwischen nostalgischer Eisenbahnromantik und der Alltagsnormalität eines Landes, das verzweifelt versuchte, mit der Moderne Schritt zu halten, durch Ressourcenknappheit und wirtschaftliche Mängel aber vielfach im Gestern verharren musste.

Dampfloks in der DDR zwischen 1970 und 1988

Dampflokomotiven muten heute wie Relikte des 19. Jahrhunderts an. Doch auch bei der westdeutschen Bundesbahn endete der Dampfbetrieb erst 1977. Ein Jahr später verkündete DDR-Verkehrsminister Otto Arndt das Einsatzende für Dampfloks bis 1981. Die zweite Ölkrise in den Jahren 1979/80 verhinderte diese Pläne jedoch und führte zu einer kurzzeitigen Renaissance der Dampflok in der DDR. Erst am 29. Oktober 1988 absolvierte der letzte dampfbespannte Regelspurzug der DDR mit einer Lok der Baureihe 50.35 seine finale Fahrt. Diese gehörte zu den modernen Dampfloks der Deutschen Reichsbahn. Sie wurde aus bewährten Einheitsloks der Vorkriegszeit und aus Kriegsloks mit vielen neuen Bauteilen rekonstruiert.
Neben diesen zwischen 1957 und 1972 entstandenen „Reko-Loks“ gab es in den 1970er Jahren aber auch noch Baureihen, die bereits in der Kaiserzeit entwickelt worden waren. Ein gutes Dutzend davon ist noch im planmäßigen Einsatz und stärkt so als besondere Attraktion den lokalen Tourismus.

Das Alltagsleben an Schienen und Bahnhöfen

1975 beantragte Wollny den „behelfsmäßigen Personalausweis“ für West-Berliner. Nach dem Berlin- Abkommen von 1971 erhielt er damit Tagesvisa für die Einreise in die DDR. Regelmäßig zog es ihn ins Erzgebirge und das Thüringer Bergland mit ihren romantischen Bahnstrecken und Dampfloks unterschiedlicher Baureihen. Durch seine unkonventionelle, aufgeschlossene Art konnte er ungestört fotografieren und kam leicht mit den Leuten, die er beim Fotografieren traf, in Kontakt.

So gelangen Wollny neben den Porträts der allgegenwärtigen Dampfloks auch seltene Einblicke in das normale Alltagsleben auf den Bahnhöfen und neben der Strecke. Dort begegnete er fröhlichen Ausflugsgruppen, spielenden Kindern, gelangweilten Schrankenwärterinnen und Transportpolizisten, aber auch gestrandeten Menschen am West-Berliner Bahnhof Zoo, der von der Deutschen Reichsbahn der DDR betrieben wurde. Oft scheint die Zeit auf diesen Bildern stehen geblieben zu sein. Nur an der Mode und an Details erkennt man die 1970er und 1980er Jahre.

Der Fotograf

Burkhard Wollny wurde 1950 in Freiburg im Breisgau geboren und wuchs in Stuttgart auf. Mit zehn Jahren besuchte er mit seinem Großvater häufig das Bahnbetriebswerk in Stuttgart. Dort fing er an, die Lokomotiven und Züge mit seiner kleinen Kodak Instamatic zu fotografieren. Später bekam er eine Praktika Spiegelreflexkamera geschenkt, mit der ebenfalls viele der Ausstellungsfotos entstanden. Als Bankkaufmann und erfolgreicher Unternehmensberater konzentrierte sich Wollny vor allem in seiner Freizeit auf seine Leidenschaft fürs Fotografieren. Er professionalisierte seine Fotoausrüstung und entwickelte seine Filme selbst. Über die Jahre entstand so ein riesiges Archiv von insgesamt 100.000 Schwarzweißfotos und 96.000 Dias, auf denen verschiedenste Eisenbahntypen, Lokomotiven und Züge zu finden sind.

Pressemeldung Deutsches Technikmuseum

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Letzte Änderung am Donnerstag, 20 Januar 2022 13:57