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Montag, 19 Februar 2018 15:00

Relikte der Grödnerbahn

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Nur wenige Besucher des touristisch ausgerichteten Grödnertals wissen, dass einst eine kleine Schmalspurbahn die Mobilität im Tal bergründet hat. Gab es schon zu Friedenszeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verschiedenste Projekte dieses wichtige Südtiroler Tal mit einer (elektrischen) Lokalbahn zu erschließen - beschleunigte der 1. Weltkrieg mit dem Kriegseintritt Italiens an Seite der Feinde der Donaumonarchie, den Bahnbau in atemberaubendem Tempo.

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Zur Versorgung der neuen Front in den Dolomiten war es für die k.u.k. Armee unabdingbar leistungsfähige Nachschubwege zu erhalten. Die k.k. Heeresfeldbahnen errichteten daher in nur 4 Monaten (!) mit dem Einsatz von 10.000 Mann (Zivilisten, Feldeisenbahner und russische Kriegsgefangene) eine 31 km lange Schmalspurbahn mit 760mm Spurweite von Klausen an der Brennerbahn nach Plan am Talschluss, von wo aus Seilbahnen die direkte Kampflinie mit Nachschub versorgten.

Die als reine Reibungsbahn im Hochgebirge ausgeführte Schmalspurbahn überwand rund 1000 Höhenmeter und wurde nach den Normalien für reguläre Schmalspurbahnen mit der Option auf eine Elektrifizierung ausgeführt. Am 6.2.1916 konnte der Betrieb mit Leihfahrzeugen verschiedenster Schmalspurbahnen aus der ganzen Doppelmonarchie aufgenommen werden ehe ein eigener Fahrpark zur Verfügung stand.

Nach 1919 übernahmen die Italienischen Staatsbahnen (FS) die Grödnerbahn und von nun an diente diese der friedlichen Entwicklung des Tals. Ähnlich der Salzkammergut Lokalbahn unterblieben aber über Jahrzehnte jedliche Investitionen in die Modernisierung - ein letztes Projekt in den 1950er Jahren zur Aufwertung und Ertüchtigung nach dem Modell der Lokalbahn Trient - Male scheiterte.

Am 25.Mai 1960 verkehrte diese liebenswerte, altösterreichische Schmalspurbahn letztmalig. Die Strecke wurde abgebaut und diente ab 1970 weitgehend dem Ausbau des Straßennetzes. 

Relativ wenig erinnert heute an die Grödnerbahn - einige wenige Trassenabschnitte und Brücken bzw. Tunnelbauwerke. Wichtigster Zeuge ist die Lokomotive R410.004 der österreichischen Baureihe K geliefert von Krauss Linz, welche in St. Ulrich auf dem ehemaligen Bahnhofgelände als gut gepflegtes Denkmal aufgestellt ist.

Beeindrucken auch das bis heute erhaltene Denkmal oberhalb von Klausen, welches der damalige, österreichische Generalstabschef Feldmarschall Conrad von Hötzendorf zur Erinnerung an diese technische und militärische Großtat - den Bau der Grödnerbahn - im Jahr 1916 von einem einheimischen Künstler gestalten ließ. 

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