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Montag, 07 Mai 2018 11:00

Die 477.043 in Nordböhmen

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Am 3. und 4. Mai war die 477.043 auf ehemaligen Stammstrecken von Česká Lípa nach Liberec und nach Bělá pod Bezdězem mit für diese Baureihe typischen rot-weißen Wagen unterwegs. Jiří Rubín war der Veranstalter dieser erfolgreichen Fahrten.

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Im Jahr 1951 führten die damaligen Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) eine neue 2‘D2‘ Drei-Zylinder Tenderlokomotive für den Vorortverkehr in den größten Städten ein. Wegen ihrer markanten blau-weiß-roten Farbgebung erhielten die Lokomotiven vom Betriebsdienst den Spitznamen “Papoušek“ (deutsch: Papagei).

Mit Entwurf und Herstellung wurden die Prager ČKD-Werke beauftragt. 1951/52 verließen 38 Einheiten als 476.101 – 138 die Werkshallen. Die Konstruktion folgte modernsten Baugrundsätzen und Fertigungsmethoden. So war der Langkessel vollständig geschweißt und im rückwärtigen Teil konisch erweitert. Die stählerne Feuerbüchse wurde von gewindelos eingeschweißten Stehbolzen getragen und durch eine kurze Verbrennungskammer verlängert. Darüber hinaus besaßen die Loks ein Kylchap-Doppelblasrohr, Trofimoff-Schieber und SKF-Rollenlager. Es waren auch die einzigen Tenderloks weltweit mit einer mechanischen Rostbeschickung (Stoker). An Betriebsvorräten konnten 15 m³ Wasser und sieben Tonnen Kohle aufgenommen werden. Durch die Unterbringung aller Vorräte hinter dem allseits geschlossenen Führerhaus wurde der Zugang zum Innentriebwerk erleichtert. Bei voller Bevorratung war jedoch das rückwärtige Drehgestell überlastet. Um den Schwerpunkt wieder etwas zur Mitte hin zu verlagern, brachte man nachträglich kleine seitliche Wasserkästen über der ersten Kuppelachse an und kürzte gleichzeitig den Tenderkasten.

Im Jahr 1955 wurden nochmal 22 Lokomotiven nachgeliefert. Sie hatten eine längere Verbrennungskammer und der Raum zwischen Wasserkasten und Führerhaus war voll verkleidet. Es sah wie verlängerte Wasserkästen aus, aber das war nur optisch. Hinter der Verkleidung lagen die Bremsluftbehälter. Die Radsatzlast war durch diese Änderungen auf 17 Tonnen angestiegen. Sie wurden bei der ČSD als Baureihe 477.0 mit den Ordnungsnummern 039 bis 060 eingereiht. Nach konstruktiver Anpassung wurde danach auch die gesamte Reihe 476.1 in 477.001 – 038 umgezeichnet.

Im Betrieb entsprach die 477.0 voll und ganz dem ihr zugedachten Einsatzspektrum. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h war sie auch im Schnellzugdienst im Hügelland vorteilhaft verwendbar. Durch ihr hervorragendes Beschleunigungsvermögen eignete sie sich jedoch besonders zur Bespannung schwerer Doppelstockgarnituren im Berufsverkehr.

Zugeteilt waren sie den Depots in Praha-Vršovice, Brno, Vrútky, Bratislava, Přerov und České Budějovice. Mit der Elektrifizierung und Verdieselung der Hauptmagistralen verlagerte sich ihr Einsatzgebiet mehr in nordtschechische Gebiete. 1971 waren noch alle Lokomotiven erhalten und 1978 waren noch acht Lokomotiven planmäßig eingesetzt. Die letzten wurden 1981 ausgemustert. Die Lebensdauer der 477.043 wurde sogar noch als Industrielok beim Kraftwerk Prag-Malešice verlängert. Seit dem Frühjahr 2001 gehört sie zum Museumsbestand.

Von den Lokomotiven sind drei erhalten geblieben; die 477.013 (ČKD 1951, ex-476.113) in Poprad in der Slowakei, die 477.043 im Eisenbahnmuseum Luzná u Rakovníka und die 477.060 des Technischen Nationalmuseums in Prag. Die 013 und 043 sind betriebsfähig.

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