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Mittwoch, 05 September 2018 12:00

Vor 15 Jahren kam der Schienenbus an die Mainschleife

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Am 6. September 2013 brachte ein Tieflader den ersten Schienenbus an die Mainschleife – Ehrenamtlich erhalten seither Strecke, Fahrzeug und Bahnhof - Interesse ungebrochen– Autoabgase, Feinstaub, Klimawandel: kommt die Reaktivierung? - Ab 15. September auch wieder Samstagsfahrten.

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Per Tieflader reiste der erste rote Schienenbus am 6. September 2003 an die Mainschleife. Viele Interessierte beobachteten damals, wie Spezialisten der Würzburger Straßenbahn in Astheim den Triebwagen vom Transporter hoben und ihn dann langsam auf das Gleis setzten. Das Fahrzeug war seinerzeit vom Förderverein Mainschleifenbahn im Schwäbischen angemietet worden, um noch rechtzeitig zur Weinlese den Fahrbetrieb aufnehmen zu können. Zuvor hatten die ehrenamtlichen Eisenbahner in zweijähriger Arbeit die von der Bundesbahn bereits stillgelegte, zugewachsene Strecke angepachtet, hergerichtet und wieder als reguläre, öffentliche Bahnlinie zulassen können.

Vorausgegangen waren Anfang der neunziger Jahre auch intensive Bemühungen, den Abbau der Volkacher Bahn zu verhindern. Dies glückte auch, u.a. durch die Intervention der damaligen Bundestagsabgeordneten Glos (CSU) und Hofmann (SPD). Weniger erfolgreich waren dann im Vorfeld der Bahnreform erste Versuche, auf der Strecke wieder einen direkten Schienenpersonennahverkehr nach Würzburg einzurichten.

Immerhin konnte am 1.6.1996 mit dem damals brandneuen Talent-Triebwagen gezeigt werden, wie ein zukunftsfähiger Nahverkehr auf der Schiene aussehen könnte: in 25 Minuten von Volkach zum Würzburger Hauptbahnhof, bei jedem Wetter und vorbei an noch heute berüchtigten Stauschwerpunkten, wie dem Greinbergknoten. Trotzdem legte die Bundesbahn die Volkacher Strecke still und baute in Seligenstadt die Anschlussweiche aus. Im Gegensatz zu Baden-Württemberg hatte die Bayerische Staatsregierung damals auf die Wiederbelebung von Bahnstrecken für den Personenverkehr verzichtet. Sie ließ dafür auf Bestandsstrecken mehr Züge rollen.

Mit seinem Schienenbus und der Wiederaufnahme des Tourismusverkehrs schuf der Förderverein ab 2003 die finanziellen Voraussetzungen für den Erhalt der Gleise nach Volkach. 2011 gelang es ihm sogar, die Strecke der DB abzukaufen. Besonders stolz ist der Verein bis heute darauf, dass er den Fahrbetrieb seit 2003 völlig eigenwirtschaftlich, also ohne einen einzigen Cent an Betriebskostenzuschüssen durchführt. Zudem fließen allein durch die Mainschleifenbahn jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Euro Mehrumsatz in die Region – so eine wissenschaftliche Studie.

Das seither ungebrochene Interesse an der Volkacher Bahn – inzwischen kommt mehr als ein Viertel aller Reisenden mit der DB über Seligenstadt angereist – veranlasste den Verein 2013, seine Bemühungen um die Reaktivierung des SPNV nach Würzburg wieder aufzunehmen. Vorbild war die in vielerlei Hinsicht fast identische Reaktivierung des Bahnverkehrs vom schwäbischen Weißenhorn nach Ulm mit modernen Triebwagen.

Seither sind viele entsprechende Gespräche und noch mehr Schriftverkehr geführt worden. Fast alle der vom Freistaat geforderten Reaktivierungsbedingungen sind inzwischen abgearbeitet. Auch deshalb hatten die Ländräte Nuß, Bischof und Töpper, Würzburgs OB Schuchard sowie die Bürgermeister anliegenden Gemeinden im Frühsommer Ilse Aigner, die zuständige bayerische Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, angeschrieben und um sie eine Reaktivierung der Strecke mit neuen, umweltfreundlichen elektrischen Hybridtriebwagen gebeten – bislang vergebens.

Knackpunkt ist zurzeit das Fahrgastpotential. Die erforderliche Schwelle liegt in Bayern bei 1.000/Tag. Zwar hatte der renommierte Würzburger Verkehrexperte Dr. Konrad Schliephake bereits 2013 ein Potential von 1.433 Reisenden vorhergesagt. Doch die für Bestellungen und Bezahlung von Nahverkehrszügen zuständige Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) erkennt diese Zahlen nicht an. Immerhin hat die BEG der Mainschleifenbahn inzwischen allein 600 Reisende aus dem engen, fußläufigen Bereich rund um die Haltestellen zugestanden. Was aber noch nicht ermittelt ist, sind Reisende die mit Zubringerbussen, Rädern oder als Park&Ride-Fahrer kommen, dazu Schüler und Touristen. Zusammen mit diesen zusätzlichen Fahrgästen stehen die Aussichten gut, die 1.000er Schwelle zu überschreiten – so die Mainschleifenbahner. Doch bevor die BEG hier weiterrechnet, will sie aber auch noch Reisendenzahlen aus Richtung Gerolzhofen und Wipfeld. Die dafür erforderlichen Angaben bzw. Zusagen aus dem von einer Reaktivierung nicht direkt betroffenen Schweinfurter Landratsamt stehen aber seit Monaten aus. Somit wird in München nicht weitergerechnet und schon gar nichts beschlossen. Das geht aus verschiedenen Schreiben der BEG hervor

Ob der „Schwarze Peter“ nun in Schweinfurt oder München steckt, das sei eigentlich egal, so Dr. Wolfgang Schramm vom Förderverein. Schade aber, dass trotz der anstehenden Landtagswahl noch immer kein Fortschritt erkennbar sei. Wie es mit der Reaktivierung der Mainschleifenbahn nach der Wahl weitergehen wird? Schramm ist skeptisch. Zwar ist im westlichen Mittelfranken die Reaktivierung der Bahnstrecke von Dinkelsbühl nach Dombühl inzwischen genehmigt und im Bayerischen Wald hatte die BEG erst im Mai 2018 den ursprünglich zweijährigen Probebetrieb zwischen Viechtach und Gotteszell bis 2021 verlängert – und das trotz Fahrgastzahlen unter der magischen Schwelle von 1000. Aber dort hatte sich auch der dortige Landtagsabgeordnete und Ex-Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) ganz gewaltig reingeklemmt, so Schramm. „Aber hier?“.

Jenseits jeder Reaktivierungsdebatte wird der rote Schienenbus der Mainschleifenbahn ab dem 15. September nun auch wieder samstags rollen, diese Fahrten beginnen um 12.45 Uhr in Seligenstadt und um 14.00 Uhr in Volkach. Wer mit der Bahn oder dem vvm anreist, bekommt gegen Vorlage seiner Fahrkarte einen ermäßigten Tarif. Die Bahnsaison an der Mainschleife endet am 28. Oktober.

Pressemeldung Förderverein Mainschleifenbahn e.V.

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Letzte Änderung am Mittwoch, 05 September 2018 07:28