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Samstag, 13 Oktober 2018 11:30

Eine Zahnradlok auf vertrautem Boden

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Am 1. Oktober 1893, also vor 125 Jahren, fuhr der erste Zug auf der Strecke Honau - Lichtenstein - Münsingen. Anlässlich dieses Jubiläums wurde die original württembergische Zahnraddampflok 97 501 wieder nach Münsingen zurückgeholt. Am 6. Oktober beförderte die Lok einen schön aussehenden Personenzug auf ihrer ehemaligen Stammstrecke von Engstingen über Münsingen nach Schelklingen.

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Marcus Dettenberg hatte die Fahrt hervorragend vorbereitet. So sah die Beschriftung der Lok wieder wie damals bei der Deutsche Bundesbahn aus. Auch die Fotostellen waren gut ausgewählt.

Im Jahre 1893 lieferte die Maschinenfabrik Esslingen vier Zahnraddampflokomotiven der württembergischen Reihe Fz für die Strecke Reutlingen - Münsingen mit dem Zahnstangenabschnitt Honau - Lichtenstein. Zwischen 1923 und 1925 wurden diese Maschinen von vier leistungsfähigeren Lokomotiven mit Achsfolge E abgelöst, die ebenfalls in Esslingen gebaut wurden. Sie wurden zwar noch von den Königlich Württembergischen Staatsbahnen als Reihe Hz entwickelt, wurden aber an die Deutsche Reichsbahn geliefert, die sie als Baureihe 97.5 in den Nummernplan einreihte und als 97 501 - 504 einsetzte. Die Loks hatten einen Zahnradantrieb nach dem System Winterthur mit einem unteren und einem oberen Zylinderpaar. Sie konnten sowohl auf der Zahnradbahn als auch auf normalen Strecken eingesetzt werden. Auf den Zahnstangenabschnitten wurden sie als Verbundlokomotiven betrieben. In der Ebene arbeiteten die Maschinen wie herkömmliche Dampflokomotiven ausschließlich mit dem unteren Zylinderpaar. Dazu durften jedoch die Bahnübergänge an der Strecke keine Überhöhung in der Gleismitte enthalten und die Radlenker alter Doppelkreuzungsweichen mussten mit Aussparungen für das Zahnrad versehen werden. So war dann auch der Einsatz dieser Fahrzeuge nur auf der Strecke Reutlingen - Münsingen - Schelklingen und Tübingen - Reutlingen - Esslingen zulässig.

Ab 1954 wurden 97 504 und 502 in der Maschinenfabrik Esslingen zur Erhöhung der Fahrgeschwindigkeiten im Reibungs- und Zahnstangenbetrieb modernisiert. Die Kessel bekamen Stahlfeuerbüchsen und die Rahmen wurden, besonders im Bereich des Zahnradtriebwerkes, verstärkt. Die seitenverschieblichen Endachsen erhielten zur Verminderung des Schlingerns Rückstellfedern. Zur Erweiterung des Aktionsradius bekamen 97 501, 502 und 504 einen eine Tonne Kohle fassenden Kohlenkastenaufsatz.

Von den vier Lokomotiven sind die 97 501, 97 502 und 97 504 erhalten geblieben. Nach der Ausmusterung am 10. August 1962 war die 97 501 (Maschinenfabrik Esslingen Nr. 4056/1922) zunächst in Reutlingen und dann ab 1965 in Horb abgestellt. Im April 1972 wurde sie im Bw Tübingen äußerlich aufgearbeitet und 22. April 1972 als Denkmal beim Bahnhof Münsingen aufgestellt. In April 1975 kehrte sie ins Bw Tübingen zurück und wurde danach in Reutlingen untergebracht. In August 1978 wurde sie an einen Privatmann aus Obernzell bei Passau verkauft und dort im Bahnhof der ehemaligen bayerischen Zahnradbahn Obernzell-Wegscheid als Denkmal aufgestellt. Im August 1985 konnten die Freunde der Zahnradbahn Honau - Lichtenstein (ZHL) die Lok erwerben und schließlich im April 1986 zur betriebsfähigen Aufarbeitung nach Tübingen und im Dezember 1999 zur weiteren Fertigstellung nach Reutlingen überführen. Die 97 501 wurde in 25-jähriger ehrenamtlicher Eigenleistung aufgearbeitet und ist seit 2013 nach 50 Jahren Stillstand wieder voll betriebsfähig.

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