english

Dienstag, 31 Oktober 2017 20:29

Kontroverse: Name Anne Frank für einen ICE?

Die Deutsche Bahn benennt, wie berichtet, einen ihrer neuen ICE 4 nach Anne Frank. Das Anne Frank Haus in Amsterdam hat dazu ein Statement abgegeben. Das Anne Frank Zentrum als deutsche Partnerorganisation schließt sich diesem Statement an. Die Deutsche Bahn antwortet in einer eigenen Stellungsnahme:

Pressemeldung Anne Frank Haus / Anne Frank Zentrum:

Die Deutsche Bahn hat ihre Kunden aufgefordert, Namensvorschläge für ihre neuesten Hochgeschwindigkeitszüge einzureichen. Unter den angenommenen Vorschlägen ist auch der Name Anne Frank.

Diese Benennung wird kontrovers diskutiert, und das verstehen wir. Die Verbindung zwischen Anne Frank und einem Eisenbahnzug weckt Assoziationen mit der Verfolgung und Deportation der Juden in der NS-Zeit. Es ist eine schmerzliche Verbindung für die Menschen, die die Deportationen erlitten haben, und löst erneut Schmerzen bei all jenen aus, deren Leben bis heute von den Folgen der damaligen Zeit geprägt ist.

Wir sind uns bewusst, dass Initiativen wie diese in den meisten Fällen auf guter Absicht beruhen. Der Name Anne Frank hat eine große Symbolkraft. Diese Symbolkraft zeigt sich in vielen Bereichen, sei es bei der Benennung von Straßen, Schulen und Parks, jedoch auch in Halloween-Kostümen oder antisemitischen Äußerungen im Fußball. Vermutlich wird dieses Phänomen in den kommenden Jahren noch häufiger und in weiteren Erscheinungsformen auftreten. Zunehmend wird die Bedeutung Anne Franks mit einem heutigen Anlass statt eines historischen Anlasses verknüpft werden.

Das Anne Frank Haus betrachtet es als seine Aufgabe, Anne Franks Geschichte auf historisch gesicherte und authentische Weise wiederzugeben. Wir möchten alle Menschen dazu ermutigen, sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen und über ihre Bedeutung im Jahr 2017 nachzudenken.

Pressemeldung der Deutschen Bahn:

Es ist in keiner Weise beabsichtigt, das Andenken Anne Franks zu beschädigen. Vielmehr hat die DB im Bewusstsein um ihre historische Verantwortung entschieden, die Erinnerung an Anne Frank wachzuhalten. Sollte die DB dabei Gefühle verletzt haben, dann tut es ihr sehr leid.

Alle Jurymitglieder waren sich einig, Anne Frank als außergewöhnliche Persönlichkeit zu ehren. Die Vorschläge für die ICE-4-Namen kamen von DB-Kunden und engagierten Bürgern. Dabei war der Name Anne Frank unter den Top-Vorschlägen der insgesamt rund 19.400 Einreichungen. Selbstverständlich wird die DB die aktuell in der Öffentlichkeit geäußerten Bedenken ernst nehmen und in ihre folgenden internen Diskussionen aufgreifen. Jüdische Organisationen haben ihr dabei ihre beratende Begleitung zugesagt. Auch mit Vertretern der Familie von Anne Frank, dem „Anne Frank Fonds“, ist die Deutsche Bahn inzwischen im Gespräch.

Die DB setzt sich seit ihrer Gründung kritisch mit der Geschichte ihrer Vorläuferorganisationen auseinander. Dafür stehen z.B. die Aufarbeitung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern und das öffentlich zugänglichen Mahnmal "Gleis 17" am S-Bahnhof Berlin-Grunewald, an dem regelmäßig Gedenk- und Erinnerungsveranstaltungen stattfinden. Im DB Museum in Nürnberg ist der Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus eine eigene Dauerausstellung gewidmet.

Zurück

Letzte Änderung am Mittwoch, 01 November 2017 08:27