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Montag, 21 September 2020 12:00

Allianz pro Schiene: Konzept für schnelle Schienenverbindungen in Europa begrüßt

Das gemeinnützige Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene hat die Berliner Erklärung der EU-Verkehrsminister und die Unterstützung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer für einen „Trans-Europa-Express“ zwischen Großstädten als „wichtige politische Rückendeckung für einen besseren Bahnverkehr in Europa“ begrüßt.

„Wir brauchen dringend attraktive, leistungsfähige Schienenverbindungen zwischen Europas Großstädten, um Kurzstreckenflüge in der EU überflüssig zu machen“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, am Montag in Berlin.

Fern- und Nachtzüge haben eine Chance, wenn Fliegen teurer wird

„Ein solches Konzept für europäische Verbindungen auf der Schiene zwischen den Metropolen wäre eine perfekte europäische Ergänzung zum Deutschlandtakt“, so Flege. „Dafür reicht das von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geforderte EU-Förderprogramm allein aber nicht aus. Fliegen muss deutlich teurer werden, damit Fern- und Nachtzüge durch Europa eine Chance haben“, so Flege. Als ein Beispiel nannte er die Mehrwertsteuer, von der grenzüberschreitende Flüge befreit sind, während Bahnreisende Mehrwertsteuer zahlen.

DAK ist Schlüsseltechnik für klimafreundlichen Güterverkehr

Das Bekenntnis der EU-Verkehrsminister zur Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) ist aus Sicht der Allianz pro Schiene eine „große Chance für den Schienengüterverkehr in ganz Europa“. „Die Digitale Automatische Kupplung kann dem klimafreundlichen Schienenverkehr in Europa den lang ersehnten Schub geben“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, am Montag in Berlin. „Deswegen ist es so wichtig, dass sich die EU-Verkehrsminister in ihrer Berliner Erklärung beim europäischen Schienengipfel am 21. September hinter dieses Schlüsselprojekt auf dem Weg zur digitalen Schiene und einem klimafreundlichen Güterverkehr stellen.“

EU muss 2030 als verbindlichen Starttermin festlegen

Aus Sicht der Allianz pro Schiene sind drei Schritte erforderlich, um das allgemeine Bekenntnis mit konkreten Taten zu untermauern. „Erstens müssen die EU-Verkehrsminister das Jahr 2030 als verbindliches Datum festlegen, ab dem in Europa alle Güterwagen digital und automatisch kuppeln müssen“, betonte Flege. „Wir brauchen zweitens einheitliche technische Standards, die herstellerübergreifend für alle gelten. Und drittens müssen sich Staaten und Unternehmen die finanziellen Lasten der Umrüstung teilen und den finanziellen Kraftakt gemeinsam meistern.“ Experten gehen davon aus, dass die europaweite Ausrüstung von Wagons und Loks mit der neuen Kupplungstechnik in der sechs- bis achtjährigen Umrüstungsphase zwischen einer und eineinhalb Milliarde Euro pro Jahr kosten wird. Nach der Umrüstung entsteht dauerhaft ein volkswirtschaftlicher Nutzen von jährlich 750 Millionen Euro in Europa.

Mit einem Sprung vom 19. ins 21. Jahrhundert

Bis heute nutzen die Bahnen die 1861 eingeführte Schraubenkupplung, mit der Rangier-Arbeiter die Güterwagen verbinden. Diese körperlich schwere Handarbeit belastet die Beschäftigten und verhindert, dass die Schiene im Güterverkehr all ihre Effizienzvorteile ausspielen kann. Mit automatisch und digital verbundenen Wagons steigert die Schiene ihre Kapazität und kann mit längeren und schwereren Güterzügen sowie einer schnelleren Abfertigung mehr Verkehr übernehmen. Zudem können diese modernen Güterzüge vorausschauend gewartet werden, sodass unnötige Standzeiten entfallen.

Sogar etliche afrikanische Länder nutzen bereits automatische Kupplungen, allerdings ohne die digitalen Funktionen. Europa will mit der Umstellung sowohl automatisieren als auch digitalisieren. „Von den hinteren Plätzen an die Weltspitze – das kann Europa mit der digitalen automatischen Kupplung mit einem Schlag schaffen“, sagte Flege. Doch die Umrüstung geht im eng verflochtenen Verkehr Europas nur gemeinsam. Die hohen Kosten lohnen sich nur, wenn die Wagen mit den modernen Kupplungssystemen europaweit fahren können. Daher wirbt die Allianz pro Schiene seit langem dafür, dass Deutschland seine EU-Ratspräsidentschaft nutzt, um dieses zentrale Thema für die Zukunft den Schienengüterverkehrs ganz nach oben auf die politische Tagesordnung zu setzen. „Dies ist ein europäisches Thema, bei dem die EU einen konkreten, wichtigen Beitrag für mehr Klimaschutz im Verkehr leisten kann“, betonte Flege.

Berliner Erklärung: EU-Verkehrsminister streben Einigung bis 2022 an

In dem Entwurf für die Berliner Erklärung der EU-Verkehrsminister heißt es: „Die europaweite Einführung der digitalen automatischen Kupplung wird für die weitere Steigerung der Effizienz und Sicherheit von entscheidender Bedeutung sein“. Und: „Wir, die Verkehrsminister (…) betrachten die Umsetzung der digitalen automatischen Kupplung, der automatischen Zugvorbereitung und anderer digitaler Plattformen als eine der Hauptprioritäten und beabsichtigen, uns diesbezüglich bis 2022 auf eine gesamteuropäische Strategie zu einigen, die gemeinsame Normen sowie die Aufteilung etwaiger Lasten vorsieht.“

Pressemeldung Allianz pro Schiene

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