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Dienstag, 17 November 2020 12:08

Corona: Bundesregierung empfiehlt Verzicht auf nicht notwendige Fahrten mit öffentlichen Beförderungsmitteln, Verbände protestieren

Am Montag (16.11.2020) veröffentlichte die Bundesregierung ihren Entschluss, Kontakte auf ein Minimum beschränken. Darin wird aufgefordert, "auf freizeitbezogene Aktivitäten und Besuche in Bereichen mit Publikumsverkehr sowie nicht notwendige private Reisen und touristische Tagestouren und auf nicht notwendige Aufenthalte in geschlossenen Räumen mit Publikumsverkehr oder nicht notwendige Fahrten mit öffentlichen Beförderungsmitteln" zu verzichten.

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Grafik Bundesregierung.

Am Mittwoch kommender Woche (25. November) sollen von der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten Beschlüsse auf den Weg gebracht werden, die möglicherweise drastische Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens bedeuten.

VDV

Der VDV antwortete heute (17.11.2020) darauf: "Busse und Bahnen sind nach wie vor keine Corona-Hotspots. Es geht generell um die Vermeidung von Kontakten. Bei den gestrigen Beschlüssen der Regierungschefs geht es nicht um die Frage, wo eine erhöhte Ansteckungsgefahr droht. Es geht darum, dass vor allem während des Lockdowns vermeidbare Kontakte soweit wie möglich unterlassen werden, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen.

Das bedeutet folgerichtig, dass auch im ÖPNV in dieser Zeit – unabhängig vom grundsätzlich sehr niedrigen Risiko einer Ansteckung – Kontakte zum Beispiel durch nicht notwendige Freizeitfahrten vermieden werden sollten: Das, was für Gastronomie, Museen oder private Treffen gilt, gilt ebenso für den ÖPNV.

In diesem Zusammenhang sei nochmal darauf verwiesen, dass die Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen grundsätzlich sehr gering ist, wie diverse nationale und internationale Studien bestätigen. Die Maskenpflicht, das permanente Lüften durch Türöffnungen und Klimaanlagen, die relativ kurzen Aufenthaltszeiten in den Fahrzeugen und die Tatsache, dass die Fahrgäste wenig sprechen tragen dazu bei, dass im ÖPNV ein sehr geringes Risiko besteht sich zu infizieren. Alle Fahrgäste, die auch während des Lockdowns auf den Nahverkehr angewiesen sind, können diesen ohne weiteres nutzen."

Allianz pro Schiene

Das gemeinnützige Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene, der Fahrgastverband Pro Bahn und der ökologische Verkehrsclub VCD haben die Warnungen von Bund und Ländern vor Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln als einseitig und wissenschaftlich nicht belegt kritisiert. „Es gibt keinen Grund, Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln zu schüren“, betonte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, am Dienstag in Berlin. „Bus und Bahn sind keine Corona-Hotspots – das zeigen alle bisher vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen. Wenn die Politik vor Fahrten in Bus und Bahn warnt, müsste sie erst recht vor dem Straßenverkehr mit der hohen Zahl an Unfalltoten und Schwerverletzten warnen“, so Flege. Allein im ersten Halbjahr 2020 starben durch Unfälle im Straßenverkehr in Deutschland 1281 Menschen.

Pro Bahn

Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, sagte: „Aus wissenschaftlicher Sicht gehen Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln kein erhöhtes Ansteckungsrisiko ein. Aus Fahrgastsicht ist wichtig, dass die Vorsichtsregeln wie Maskentragen und ein Luftaustausch durch das regelmäßige Öffnen der Türen und Fenster oder Klimaanlagen konsequent eingehalten werden“, erklärte Naumann. „Die Erfahrung zeigt aber, dass dies bisher gut funktioniert. Die Politik sollte die Menschen in dieser angespannten Lage nicht zusätzlich mit einseitigen, wissenschaftlich nicht begründeten Warnungen vor dem öffentlichen Verkehr verunsichern.“

VCD

Matthias Kurzeck, Mitglied im Bundesvorstand vom VCD, erklärte: „In dem Beschluss vom 16. November rufen Bund und Länder dazu auf, auf nicht notwendige Fahrten mit öffentlichen Beförderungsmitteln zu verzichten. Ein vergleichbarer Appell, Pkw-Fahrten zu mehreren Personen aus unterschiedlichen Haushalten zu unterlassen, findet sich trotz des sicherlich vielfach höheren Ansteckungsrisikos im Auto in dem Beschlusspapier nicht. So erscheinen die Maßnahmen als deutlich unausgewogen.“

Allianz pro Schiene, Pro Bahn und VCD betonen ausdrücklich, dass sie die Corona-Maßnahmen von Bundesregierungen und Landesregierungen grundsätzlich unterstützen. Eine Reduzierung der Kontakte ist sinnvoll, um die Pandemie zu bekämpfen. Die Warnung der beiden Verbände richtet sich ausschließlich gegen einseitige Stellungnahmen gegen den klimafreundlichen öffentlichen Verkehr, für die es keine sachliche Grundlage gibt.

WKZ, Quelle Bundesregierung, VDV, Allianz pro Schiene

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Letzte Änderung am Dienstag, 17 November 2020 13:03