english

Dienstag, 17 November 2020 12:11

Süddeutsche: Bundesregierung empfiehlt Kauf von zwei Sitzplätzen in Zügen

Für Aufsehen sorgt ein Rundschreiben, in dem das Bundesinnenministerium Dienstreisen für die Mitarbeiter des Bundes regelt. Das Ministerium schrieb nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vor einigen Tagen an die Obersten Bundesbehörden - darunter Ministerien, Einrichtungen wie der Bundesrechnungshof oder auch die Zentrale der Bundesbank -, wie Beschäftigte mit zwingend erforderlichen Dienstreisen umgehen sollen.

Erstaunlicher Inhalt: Während Bund und Bahn keinen Mindestabstand allen Passagieren garantieren, sollen die eigenen Mitarbeiter auf Kosten des Bundes in der Bahn einen zweiten, leeren Platz buchen können, "um so im Sinne des Infektionsschutzes einen größeren Abstand zu den Mitreisenden zu haben", heißt es weiter. Es gehe nicht nur um eine Reservierung, sondern um eine Fahrkarte, stellt das Schreiben klar. Diese erweiterte Erstattungsmöglichkeit werde im Bundesreisekostengesetz zunächst befristet bis Ende März eingeräumt.

Zweiklassenpläne dieser Art lösen nach Meinung der Süddeutschen in der Opposition Irritationen aus. "Diese skurrile Entwicklung bestätigt, dass eine Reservierungspflicht richtig wäre", sagt der FDP-Verkehrspolitiker Christian Jung. Die Bahn habe über Monate Zeit gehabt, eine digitale Lösung einzuführen, dies aber versäumt. "Es fragt sich, warum der Bund einen Mindestabstand in Zügen nur für die Mitarbeiter und nicht für alle Passagiere garantiert", sagt auch Stefan Gelbhaar, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen.

Die Frage der Berücksichtigung des notwendigen Abstands beim Fahrkartenverkauf hat auch wirtschaftliche Hintergründe. Ein Mindestabstand von 1,50 Meter im Zug würde bedeuten, dass die Bahn nur noch 25 Prozent der Tickets verkauft. In Italien wurde die Kapazität in den Zügen auf 50% herabgesetzt.

Das eine Ansteckungsgefahr insbesondere bei langen Fahrten und geringem Abstand auftreten kann, hat eine chinesische Studie gezeigt. Andere Studien sprechen von einer nicht nachweisbaren Ansteckungsgefahr, wobei nicht alle Ansteckungen einem konkreten Ereignis zugeordnet werden können.

WKZ, Rüdiger Lüders, Quelle Süddeutsche

Zurück